Zweibrücken Der Mann mit den lebenden Steinen
Maximilian Hutlett ist der einzige Zweibrücker Künstler, der zwei Jubiläumsausstellungen bekam. Er ist der einzige Zweibrücker Künstler, dessen Kunstwerk die Stadt Zweibrücken ohne Not und ohne Respekt eigenmächtig veränderte. Er ist der einzige Zweibrücker Künstler, der den Pfalzpreis bekam. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb er am 18. Oktober in Wachenheim.
Hutlett war bescheiden. „Ich bin Bildhauer, mache aber kein e Grabsteine, ich bin Maler, aber kein Anstreicher, ich bin ein Original“, sagte er gerne. Der gebürtige Zweibrücker machte zuerst eine Schreinerlehre, bevor er an der Saarbrücker Werkkunstschule Plastik und Bildhauerei bei Theo Siegle studierte und 1965 in die Großstadt ging: nach Berlin. Dort war er eines der sechs Gründungsmitglieder der Künstlergruppe „Plus“. Dort entdeckte er sein Material – die Bronze – und fand er seine Ehefrau. Und die Pfälzer wurden auf den eigensinnigen Bildhauer, der gerne mit organischen und geometrischen Formen arbeitete, aufmerksam: 1975 bekam er den Pfalzpreis für Plastik. Hutlett, der nie so richtig glücklich und auch nicht so richtig erfolgreich in Großstadt war - er machte Kleinplastiken –, kehrte 1977 in die Pfalz zurück. Er zog nach Neustadt. Hutletts Kunstwerke sind einfach und haben mit der Natur und der Architektur zu tun: Welle und Säule, Berg und Baum, Pilz und Wolke, Treppe und Pyramide. Oft sind sie abstrakt und gegenständlich zugleich. So wie „Pleiospilos“, (Lebende Steine, eine afrikanische Kakteengattung) seine große Plastik, die heute vor dem Zweibrücker Schloss steht. Das Werk von 1976 ist eine seiner größten Arbeiten – und die, mit der der Ärger begann. Denn der Stadtrat beschloss damals, sie in der Fußgängerzone nicht so aufzustellen, wie sie war, sondern daraus eine Brunnenplastik zu machen. Es sollten sogar Löcher hineingebohrt werden, aus denen das Wasser sprudeln sollte. So schlimm wurde es dann doch nicht, aber die Plastik mit den geschwungenen organischen Formen wurde in ein Wasserbecken gesetzt. Hutlett wehrte sich. Die Korrespondenz mit der Stadt füllte einen Aktenordner. Getan hat sich nichts – bis 2013. Der nun kunstsinnigere Stadtrat beschloss, sie so aufzustellen, wie es der Künstler wollte: raus aus dem Wasser und vors Schloss. „Das ist ein Höhepunkt meiner Karriere“, sagte der 80-jährige Künstler, der zur Umsetzung gekommen war. Es sollte sein letzter Besuch in seiner Heimatstadt sein, die ihren berühmtesten Bildhauer erst recht spät wieder zurückholte. Mit einer Ausstellung zum 70. Geburtstag 2003 und einer weiteren zum 80. Geburtstag, weil man zehn Jahre vorher aus Platzgründen vieles nicht im Stadtmuseum zeigen konnte. Hutlett, der schon in Berlin, Bonn, Frankfurt und in vielen Orten der Pfalz ausgestellt hatte, freute sich – und fertigt eine neue Plastik mit Zweibrücker Motiv, „Tschifflick“, die die Stadt kaufte und ins Rathaus-Foyer stellte. Außerdem besitzt die Stadt acht Grafiken. Neben der Plastik vor dem Schloss gibt es noch die Bronze-Platten am 22er Denkmal, die Hutlett als Student anfertigte. Und im Schloss eine 1,80 Meter hohe Stelenplastik aus Stahl und Holz als Leihgabe des Mainzer Kultusministeriums.