Nachruf Der Mann mit dem Rollator ist tot
Dieter Heidenreich wohnte in der Thomas-Mann-Straße im Zweibrücker Stadtteil Ixheim, wo er auch 1939 bei einer Hausgeburt das Licht der Welt erblickte. Mit knapp sechs Jahren erlebte er Einzug der amerikanischen Armee in Ixheim zum Kriegsende. Er lernte Industriekaufmann bei Dorndorf, wo er fast 50 Jahre lang auch arbeitete. Seine Hobbys waren Lesen, trotz Gehstörung jeden Tag viel Laufen und Spazierengehen, der Garten mit eigenem kleinen Kartoffelacker und das Reisen. Beruflich war er in Japan, Hongkong und Indien, und auch privat zusammen mit seiner Frau Heide schon auf der halben Erdkugel unterwegs.
Dieter Heidenreich sagte anlässlich seines 80. Geburtstages vor vier Jahren von sich selbst: „Ich bin ein zufriedener und glücklicher Mensch.“ Dieses Glück und die Zufriedenheit hat er auch ausgestrahlt. Mit seinem verschmitzten Lächeln ging ihm manch witziger Spruch über die Lippen. Seit 2019 lief er jeden Tag mit seiner Gehhilfe „zwischen drei und sechs, sieben Stunden“ am Tag. Sein bevorzugtes Revier waren die Bitscher Straße, der Kreisel am Nagelwerk und der Etzelweg. Und fragte man ihn, warum er so viel läuft, kam fast vorwurfsvoll die Antwort: „Ei, ich will gesund bleiwe!“
Dabei lief er nicht nur des Laufens wegen. „Ich du jo nedd nur sinnlos rumlaafe, ich geh jo ah inkaafe“, erklärte er. Dabei brauchte er fast zwei Stunden von seinem Haus bis zum Aldi im Etzelweg. Viele, die an ihm vorbeifuhren, hupten, winkten oder hielten ein kurzes Schwätzchen. Er war ein Unikat, eine Type, ein Charakter mit eigenem Stil und dem Schalk im Nacken.
Vergangene Woche wurde der Mann mit dem Rollator wegen eines Hämatoms am Kopf in die Homburger Uniklinik gebracht. Dort wurde er operiert. Nach der Operation schien alles gut, doch wenige Tage danach verschlechterte sich sein Gesundheitszustand schnell und massiv. Am späten Sonntagnachmittag verstarb Dieter Heidenreich. Er hinterlässt seine Frau Heide, zwei Kinder und vier Enkel.