Zweibrücken Der Lehrer und Künstler Gerhard Kaiser ist im Alter von 74 Jahren gestorben

Das Foto zeigt Gerhard Kaiser bei einer Demo gegen Rechts im Jahr 2024 auf dem Hallplatz.
Das Foto zeigt Gerhard Kaiser bei einer Demo gegen Rechts im Jahr 2024 auf dem Hallplatz.

Gerhard Kaiser ist gestorben. Der Niederauerbacher Lehrer und Künstler hat bei seinen Schülern ebenso Spuren hinterlassen wie an der Fassade des Helmholtz-Gymnasiums.

Das alljährliche Fassadenprojekt, bei dem sich der jeweilige Abiturjahrgang künstlerisch verewigt, war Kaisers Idee. Im Sommer 2020 veröffentlichte er außerdem einen Entwurf für ein Freiheitsdenkmal, das den Bismarck auf dem Herzogplatz ergänzen sollte und Zweibrücken als Wiege von Demokratie, Pressefreiheit und Freiheit generell würdigen sollte. Es wurde nie gebaut.

Kaiser unterrichtete am Helmholtz-Gymnasium in seinen Paradedisziplinen Deutsch, Philosophie und Ethik. Er erklärte die Unterschiede der verschiedenen philosophischen Strömungen im alten Griechenland, diskutierte mit seinen Schülern das Höhlengleichnis ebenso wie Goethes Italienische Reise an die Amalfiküste. Dorthin fuhr er mit dem Abiturjahrgang 1993. Er trank bei Gitarrenmusik am Strand von Sorrent Lambrusco aus der Flasche mit seinen Schülern, bis die elterlichen Pflichten riefen und er seinen damals kleinen mitreisenden Sohn ins Bett der Unterkunft bringen musste. Doch zuvor benotete er tagsüber stilgerecht – inmitten eines Amphitheaters stehend und umgebend von zirpenden Grillen – die Referate seiner Schüler zu Goethes Italienischer Reise.

Reclam-Heftchen waren ständige Begleiter

Kaiser lehrte nicht Stoff für die nächste Klausur. Er lehrte für das Leben. Die großen moralischen Fragen der Welt mussten es schon sein. Im Deutschunterricht war er sehr anspruchsvoll, verlangte viel von seinen Schülern. Die Leiden des jungen Werthers wurden seziert, gelbe Reclam-Heftchen waren ständige Begleiter. „Carpe diem“, nutze den Tag, war sein Motto – auch bekannt als Zitat aus dem 1989 veröffentlichten Film „Der Club der toten Dichter“ mit Robin Williams als Lehrer. Dessen Schüler prägten den respektvollen Ausruf „Käpt’n, mein Käpt’n“. Kaisers Schüler nannten ihn „Kaiser, mein Kaiser“.

Er selbst bezeichnete sich als Hedonist, war den schönen Dingen des Lebens zugetan – beispielsweise kubanischen Cohiba-Zigarren oder gutem, am besten italienischem Essen. Italien war seine zweitgrößte Liebe nach seiner Frau Ingrid, die im Januar 2023 verstarb. Fuhr er früher im Mercedes durch Zweibrücken, war es später ein roter Alfa Romeo. Urlaube zogen ihn immer wieder an die Amalfiküste, wobei geistige Erholung Fehlanzeige war. Es waren eher Studienreisen. Amarettini schätzte er genauso wie einen guten italienischen Caffè, zu dem sie gereicht werden. Aber auch ein Mittagessen in der Brauerei Grund in Niederauerbach genoss Kaiser gerne. Er engagierte sich politisch, nahm an Demonstrationen gegen Rechts teil.

Trauerfeier in der Zwinglikirche

Am 25. Mai 2026 ist Gerhard Kaiser im Alter von 74 Jahren gestorben. Er hinterlässt einen Sohn, dessen Frau und ein Enkelkind. Die Trauerfeier findet am Freitag, 12. Juni, um 10 Uhr in der Zwinglikirche in Niederauerbach statt. Die anschließende Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

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