Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Der größte Feind der hungernden Schbarwudz – das Buch vom Sepp vom Hallplatz

Der Schweinehirt ziert das Cover. Die Figurengruppe aus Bronze von Kurt Grabert steht seit 1990 auf dem Hallplatz.
Der Schweinehirt ziert das Cover. Die Figurengruppe aus Bronze von Kurt Grabert steht seit 1990 auf dem Hallplatz.

Weeschde noch? Das sind die Schlüsselworte bei den 74 Geschichten, die der „Sepp vom Hallplatz“ erzählt. Es geht um das, was man kannte und – viel schlimmer – um das Ungewöhnliche in Zweibrücken, das man erst durch dieses Buch erfährt.

Es gib die Zweibrücker und die Anderen. Die Anderen können sich nicht erinnern, wie es war, weil sie nicht hier waren. „Dess Lineal vun de Schbarkass hann ich heid noch!“, beginnt die Geschichte vom Weltspartag. Damals kamen offenbar die Hausmeister von Stadtsparkasse und Kreissparkasse in die Schulen, um dort einen Schülertresor mit dem Ersparten zu öffnen. Und den Schülern so nützliche Sachen wie Bleistiftspitzer und Radiergummis und Lineale zu schenken. Als Lob dafür, dass sie ihr Eisgeld nicht ausgegeben haben und als Anreiz, weiter zu sparen, denn das war angesagt. In Sepps Geschichte „Die Schbarwudz muss guud gefiederd werre“ erfährt man auch, was der größte Feind der „hungernden Schbarwudz“ (Sparschwein) war: das Kino, „die lockenden Kinos, die es damals in der Stadt, im Vorort Niederauerbach und in Contwig gab“, ist zu lesen. Und man staut: in Contwig gab es ein Kino?

Das Staunen ist das Schönste, was einem beim Lesen der Geschichten in dem Buch passieren kann. Und das passiert recht oft. Die Grundschüler hatten in ihren Klassen eigene Büchersammlungen, weil in der Nachkriegszeit das Lesen im Vordergrund stand, erfährt man da – neben den Schulbüchereien. Doch Sepp weiß auch, dass es da nicht die begehrten Heftchen mit den Cowboy-Geschichten gab, und dass in der Stadtbücherei die Mädchen keine „Buwebiecher“ lesen durften, sondern an „Hanni und Nanni“ verwiesen wurden.

Am meisten staunen kann man über die Krach-Geschichte: die Mackenbacher Musikanten mit ihren Blasinstrumenten, ein Bulldog, mit dem eine kreischende Säge angetrieben wurde, die Pfeife des letzten Bahnhofsvorstehers, Der Schmied, der immer pünktlich um 6 Uhr mit dem großen Hammer auf den Amboss haut, Schreibmaschinengeklapper, Registrierkassengeklingel – es muss damals irre laut in der Stadt gewesen sein.

Wer nicht weiß, wieso es ausgerechnet in Zweibrücken die einzige Eishockey-Mannschaft der Pfalz gibt, erfährt es hier: Als die Kanadier, die große Eishockeynation, noch auf dem Zweibrücker Flugplatz war, gründete sie eine Militäreishockeymannschaft, die Flyers, die natürlich in einer eigenen Eishalle spielten. Donnerstags, im Zweibrücker Programm des kanadischen Radiosenders, berichteten dann Werner von Blon (der spätere Zweibrücker Oberbürgermeister) und Heinz Cullmann über die Spiele. Was wohl zur Popularität dieses Sports in Zweibrücken beitrug – und bis heute anhält, denn eine, sogar ganz gute Eishockeymannschaft gibt es mit den Hornets immer noch.

Vergangenheit und Gegenwart mit wenigen Worten zu verknüpfen, ist neben den Mundartzitaten ein weiteres Merkmal der Kolumnen. Dass dies gelingt, liegt an der volkstümlichen, erzählenden Sprache. Und im Buch noch an etwas, das die Kolumnen in der Zeitung nicht haben: historische Fotos von Gebäuden, Plätzen, Straßen, Bussen und Schülern.

Natürlich gibt es viele Kolumnen, die es nicht ins Buch geschafft haben, zum Beispiel die für Kulturleute Wichtigste. Sie erklärt, warum es montags keine Kulturveranstaltungen in der Zweibrücker Festhalle gab. Früher gingen die Frauen vor dem Theater immer zum Friseur, um sich schick machen zu lassen – und wann haben die Friseure traditionell geschlossen? Das schreit ja fast schon nach einem zweiten Buch ...

Lesezeichen

Edgar Steiger: „Der Sepp vom Hallplatz – Zweebrigger Schdadtgeschichde“, erschienen in der Tageszeitung DIE RHEINPFALZ, Echo Verlag Zweibrücken, 130 Seiten mit elf schwarz-weißen Fotos von Klaus Philippi und Walter Meyer. Vorwort von Georg Altherr. 16, 80 Euro. Erhältlich beim Verlag per Mail: sowo-echo@gmx.de oder michaeldillinger@t-online.de.

Info

Edgar Steiger stellt sein Buch „Der Sepp vom Hallplatz“ am Freitag, 29. Oktober, 19 Uhr, in der Zweibrücker Himmelsbergkapelle, Obere Denisstraße 1, vor. In seiner Rolle als „Der Sepp vom Hallplatz“ nimmt sich Edgar Steiger in 74 Beiträgen Zweibrücker Straßen, Geschäfte und Bürger vor, erzählt vom Alltag von der Nachkriegszeit bis heute und von auch kleinen Sensationen. Das im Zweibrücker Echo Verlag erschienene Buch hat 130 Seiten, elf schwarz-weiße Fotos und kostet 16,80 Euro, für Besitzer der RHEINPFALZ-Card kostet das Buch nur 13,44 Euro, wenn sie es direkt beim Verlag bestellen per E-Mail an sowo-echo@gmx.de oder michaeldillinger@t-online.de und Nennung der RHEINPFALZ-Card-Nummer. Der Versand erfolgt portofrei.

Zur Buchvorstellung (parallel wird das ebenfalls im Echo Verlag publizierte Buch „Die Parkplatzbande“ von Bärbel Philippi vorgestellt, von ihrem Bruder Klaus stammen die meisten Fotos im „Sepp“), dürfen 60 Personen kommen, es gilt 2G. Der Eintritt ist frei, Anmeldung nötig per E-Mail an pfarramt.winterbach@evkirchepfalz.de, oder Telefon 06337 358.

Auf der Rückseite des Buches betrachtet der Sepp vom Hallplatz das Geschehen auf dem Platz und in der Stadt.
Auf der Rückseite des Buches betrachtet der Sepp vom Hallplatz das Geschehen auf dem Platz und in der Stadt.
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