Zweibrücken Demokratisch in aller Konsequenz

Sitzung der Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche im Mai 1848.
Sitzung der Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche im Mai 1848.

Martin Baus, Mitarbeiter der Siebenpfeiffer-Stiftung, beschrieb am Montagabend im Herzogsaal einer interessierten Zuhörerschar historisch fundiert und detailreich den engen Bezug Zweibrückens zur Paulskirche im Jahr 1848 anhand beruflicher und politischer Biografien der Abgeordneten Friedrich Schüler, Ferdinand Culmann, Gustav Gulden und Franz Tafel.

Die Wahl der Abgeordneten zum ersten deutschen Parlament 1848 in der Frankfurter Paulskirche erfolgte nicht auf der Grundlage eines elaborierten Wahlrechts mit Listenplätzen, Überhang- und Ausgleichsmandaten. Auch gab es keine politische Kultur mit einem Parteiensystem, innerhalb dessen der Ausleseprozess der Abgeordneten stattfand. Das Wahlrecht zum ersten deutschen Parlament, das von einem Vorparlament verabschiedet wurde, hatte mit dem Wahlrecht der Gegenwart nur das Prinzip der Wahlkreise gemeinsam. In Wahlkreisen, die 50 000 Wahlberechtigte umfassten, empfahlen Volksvereine den Wählern die Kandidaten. Diese Kandidaten repräsentierten entweder entschieden eine demokratische Auffassung oder waren gegensätzlich monarchisch gesinnt. Die Wahl wurde ganz und gar von der politischen Persönlichkeit bestimmt. Demokratisch in aller Konsequenz war das politische Markenzeichen der Abgeordneten der damaligen regionalen Zweibrücker politischen Kultur. Während der katholische Pfarrer Franz Tafel in der Paulskirche den Wahlkreis Zweibrücken vertrat, kandidierten die am Zweibrücker Appellationsgericht zugelassenen Juristen und Mitbegründer der Zweibrücker Demokratiebewegung Schüler, Culmann und Gulden in anderen Wahlbezirken. Schüler wurde zum Beispiel in Lauterecken gewählt, wo man dankbar war, dass er dort das Mandat angenommen hatte. Auch der aus Bergzabern stammende Culmann wurde nicht in seiner Heimatstadt gewählt, sondern war Nachrücker im Wahlbezirk Landau. Die Wahl Schülers in Lauterecken veranschaulicht in besonderer Weise die persönliche Verbundenheit eines Kandidaten mit seinem demokratischen Programm. Die liberaldemokratischen Abgeordneten der Paulskirche waren demokratische Überzeugungstäter, die risikobehaftet ihr persönliches Schicksal mit ihrer politischen Einstellung verbanden. Wegen seiner kirchenkritischen Äußerungen wurde Tafel vom Amt des Pfarrers ohne Pensionsansprüche von den Kirchenoberen suspendiert. Das Schicksal von Culmann, aber auch das anderer liberaldemokratischer Abgeordneter, ist ein Zeugnis dafür, dass das Scheitern der Paulskirche und der Übersiedlung des Rumpfparlaments nach Stuttgart mit der anschließenden gewaltsamen militärischen Auflösung für viele Abgeordnete ein unliebsames Nachspiel hatte. Nachweislich 136 Abgeordnete wurden strafrechtlich verfolgt, 18 wurden zum Tode verurteilt. Zwei Urteile wurden vollstreckt. Culmann floh nach Frankreich, 1851 verlor er seine Zulassung am Appellationsgericht in Zweibrücken. Im selben Jahr wird er wegen „Komplotts, Attentats und direkter Provokation durch Reden, Maueranschläge usw.“ in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Im Rahmen einer Gesamtamnestie wurde ihm 1868 die Rückkehr nach Deutschland ermöglicht.

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