Zweibrücken De Schuss in de Tutt

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„Samschdahs hann mir Kinner die Quiddunge mid de Hand geschribb, mid denne unser Babbe dann die Woch iwwer de Rundfunk kassierd had“, hatte vor einiger Zeit Frau Veit aus Battweiler berichtet. Da war gerade mal wieder der nette und zuverlässige „Briefbott“ Zimmermann, ihr Vater, der jahrelang an der Eremitage die Post ausgetragen hat, in einem Beitrag erwähnt worden. Der Briefträger hatte damals an der Haustür noch verschiedene Dinge zu kassieren, brachte aber auch die begehrten monatlichen Renten. Und er wurde begeistert begrüßt, wenn mal wieder (selten genug!) drei, vier Mark beim Toto gewonnen wurden. Daran denkt man nun, wenn auf dem Kontoauszug der Sparkasse (aus dem Automaten) verzeichnet ist, dass eben dieser aktuelle Rundfunkbeitrag gegen ein „Entgelt“ eingezogen wurde. Da waren in früheren Jahren „es Kölsche Kättche“, das jeden Tag zuverlässig aus Contwig „uff de ald Schdross“ radelte (die neue Straße zum Dorndorf war längst noch nicht gebaut), und Frau Zöller im Lohnbüro des Malergeschäftes Jakob Roth: Sie füllten wöchentlich die Lohntüte mit dem „Schuss“, wie der Abschlag genannt wurde. Am Monatsende war zusätzlich die Abrechnung, der schmale Lohnstreifen mit den Angaben zu den Abzügen, in der „Tutt“. Diese Auszahlung an die Mitarbeiter wurde ihnen nicht berechnet − während die Entgeltabrechnung der Kasse heute auch die Einzahlungen berechnet. Wenn man als „Stift“ in der damaligen Stadtsparkasse am Schalter der Kassierer Werner König und Wolfgang Blessing (beide in späteren Jahren geschätzte Direktoren des Geldinstituts) stand, bekam man Riesenaugen, wenn „es Fräulein Stauter“, die bekannte Lohnbuchhalterin des Bauunternehmens Wolf & Sofsky, das benötigte Geld abhob und in ihrer Einkaufstasche neben dem Salat deponierte. Irgendwie fand keiner der Umstehenden etwas dabei, es kam höchstens der Gedanke auf: „Ball is widder Zahldah!“ Mit Vaters Lohntüte kam das Bargeld ins Haus. Damit konnte Herr Lotschütz, der Träger der RHEINPFALZ, bedient werden, wenn er monatlich das Zeitungsgeld kassierte, sowie die Zusteller der „Abendzeitung“. Und im Schrank war auch Geld für Werner Stumpf vom Fasanerieberg, der uns wöchentlich die Rundfunkzeitschrift an die Haustür brachte und ebenfalls monatlich kassierte. Er war zugleich fleißiger Straßenkehrer und galt als der Mann mit dem schnellsten Besen! Und es war Bargeld da, wenn „de Krauße Walder“ kam, um den Gewerkschaftsbeitrag für Bau-Steine-Erden, so hieß die Vereinigung damals, zu kassieren und „e Märkelsche“ für das Mitgliedsbuch der Gewerkschaft dazulassen. Ach ja – Entgelt wurde dabei nicht vom betreffenden Mitglied verlangt. Oder man merkte es zumindest nicht. Den Kassen ging es damals noch besser als heute, wie man inzwischen weiß. Eine Kassiererin, die monatlich im Lehrbetrieb in der Fruchtmarktstraße erschien, war Frau Roland: Sie nahm bar den Beitrag für den VdK entgegen, der damals speziell für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene gegründet worden war und heute ein breitgefächerter Sozialverband ist. Ein Entgelt gab es ganz gewiss auch für Frau Roland, auch wenn dies nicht eigens wie heute auf dem Kontoauszug vermerkt war. Es hat sich eben doch eine ganze Menge seit damals verändert − auch auf der Kasse.

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