Die Wochenend-Meinung
Dass Reiner Hohn vor längerem Stromausfall warnt, ist unnötige Panikmache
Vor über 15 Jahren, als Reiner Hohn noch Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Umweltausschusses war, da wurde er von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zum „Freund des Pferdes 2006” ernannt – „für seinen herausragenden Einsatz für die Pferde und den Pferdesport”. Jetzt hat sich der Hornbacher Bürgermeister aber gehörig vergaloppiert. Vor zwei Wochen fanden die Hornbacher in ihren Briefkästen ein Schreiben, in dem ihr Bürgermeister vor einem zweiwöchigen Stromausfall warnt, falls noch ein Kälteeinbruch kommt. „Wir leben im Moment in einer unruhigen Zeit. Coronapandemie, Versorgungsengpässe, Gasversorgungskrise, Strommangel, Preissteigerungen und insbesondere im Baugewerbe Lieferprobleme“, beginnt der Brief. Und dann fordert Hohn die Hornbacher auf, Vorräte für mindestens 14 Tage anzulegen.
Friedliche Zeiten wie selten
Wir leben in einer unruhigen Zeit? Reiner Hohn ist 1948 geboren und in der Nachkriegszeit aufgewachsen. Er hat den Kalten Krieg und die Spaltung Deutschlands erlebt, die Ölkrise mitgemacht. Vielleicht rührt der Tonfall des Briefes daher, aber der FDP-Mann ist Bürgermeister einer Grenzstadt im Herzen Europas. Er war vor 30 Jahren einer der Männer, die den Schlagbaum zersägten, um die offenen Grenzen in der EU zu feiern. Es gibt keinen anderen Politiker in der Region, der die Freundschaft zum früheren Feind Frankreich so hoch hält wie Reiner Hohn.
Der Ukraine-Krise zum Trotz: Wir leben in einer so friedlichen Zeit wie selten in der Geschichte der Pfalz. Natürlich kann man den Leuten sagen, dass sie Konserven, Mineralwasser, Kerzen und Batterien auf Vorrat kaufen sollen, falls mal was passiert. Aber doch nicht in einem solchen Ton!
Trittbrettfahrer schlachten den Brief aus
Die Trittbrettfahrer haben sofort reagiert und den Brief ausgeschlachtet: „Dank grüner Energiewende: Erste deutsche Stadt bereitet Bürger via Brief bereits auf ,Blackout’ vor“, schreibt eine rechtsgerichtete Internetseite. „Gasmangel: Deutsche Stadt warnt vor drohendem Stromausfall“ titelt ein pro-russischer Blogger.
Dass er vor solch einen Karrern gespannt wird, hat Reiner Hohn sicher nicht gewollt. Aber als erfahrener Politiker muss der Freund des Pferdes 2006 wissen, dass ihm hier die Gäule durchgegangen sind. Oder anders gesagt: dass er die Pferde unnötig scheu gemacht hat.