Meinung Dass die Stadt Gehwegparken duldet, ist eine Unverschämtheit
Stellen Sie sich vor, der Schulhoftyrann klaut in jeder Pause einem jüngeren, kleineren Mitschüler Pausenbrot und Taschengeld. Die Lehrer bekommen es mit, aber keiner schreitet ein. Sie haben Angst vor den einflussreichen Eltern des Tyranns. Sauerei? Feige? Natürlich! Vergleichbares passiert aber tagtäglich in ganz Deutschland.
Bei uns ist es nämlich an der Tagesordnung, sein Auto nicht wie vorgeschrieben auf der Straße zu parken, sondern mindestens zum Teil auf dem Gehweg. Ohne Rücksicht auf Fußgänger. Damit nur ja die Straße für die anderen Autofahrer frei bleibt. Die Ordnungsämter wissen das, aber sie schreiten kaum ein. Dass dafür kein Personal da sei, ist eine Ausrede. Viele Politiker – die Vorgesetzten der Verwaltungsangestellten – trauen sich einfach nicht, sich mit den Autofahrern anzulegen. Dabei ist die Rechtslage völlig klar: Autos gehören auf die Straße und haben auf dem Bürgersteig nichts verloren, es sei denn, das Parken dort ist ausdrücklich erlaubt. Wer Angst hat, dass er den Verkehr behindert oder den Außenspiegel abgefahren bekommt, der muss eben woanders parken und mal 50 Meter laufen.
Das Schlimme ist nicht das eine Auto, das mal so steht, dass man sich vorbeizwängen oder auf die Straße ausweichen muss. Das Schlimme ist die Geisteshaltung dahinter: In Deutschland sind die Autos so wichtig und mächtig, dass sie den Schwächeren den Platz wegnehmen, und sich kaum einer traut, dagegen vorzugehen. Diese Sichtweise spiegelt sich in der Verkehrsplanung wider, wo viel zu lange alles dem Autoverkehr untergeordnet wurde.
