Zweibrücken Das Zweibrücker Gefängnis: Arbeitgeber nicht nur für Gefangene
„Du gehörst in den Knast!“ oder „einbruchssicher – ausbruchssicher – zukunftssicher“: Solche Sprüche prangten auf bunten Flyern, die zur Begrüßung der Gäste vor den Toren des Zweibrücker Gefängnisses zum Mitnehmen bereitlagen. Offensichtlich schreckt das Justizvollzugswesen längst nicht mehr vor provokanten Slogans zurück, wenn es darum geht, Nachwuchs für das Personal hinter JVA-Mauern zu rekrutieren. Die Zweibrücker Vollzugsanstalt nutzte am Dienstag die landesweite „Woche der Justiz“, um auf ihrem Außengelände darüber zu informieren, welche Berufsfelder und Ausbildungswege man als Angestellter im Justizvollzug ergreifen kann.
Oder welche Dienstleistungen von der JVA Zweibrücken angeboten werden. Private Kunden können dort zum Beispiel ihr Auto zur Reparatur oder ihre Hemden zum Bügeln hinbringen. Zerfledderte Bücher werden fachgerecht neu gebunden; es gibt eine Gärtnerei mit Baumschule und sogar einen Deko-Shop. Im freien Verkauf seit Jahren ein Renner sind urige Flammkuchenöfen aus ausrangierten Bierfässern. Ausgeführt werden solche Aufträge von Inhaftierten. „Die Arbeit trägt für unsere Gefangenen zu einem sinnvollen Tagesablauf bei“, erklärte JVA-Werkdienstleiter Jörg Vogelgesang. „Schließlich wollen wir die Menschen hier nicht einfach nur wegschließen, sondern resozialisieren.“
Lieferant für ganz Rheinland-Pfalz
Gute Chancen auf ein geregeltes Leben nach verbüßter Haftzeit verspricht den Insassen eine Berufsausbildung hinter Gittern. Vogelgesang nennt Beispiele: „In 18-monatigen Lehrgängen kann man sich hier zum Elektroanlagenmonteur ausbilden lassen, oder in zwei Jahren zum Werkzeug- oder Zerspanungsmechaniker.“ „Insgesamt verfügt die JVA Zweibrücken über 262 Ausbildungsplätze in 14 Berufsbildern“, erläuterte Doris Hussong, die als Ausbilderin in Technischem Produktdesign tätig ist – einer Branche, die früher unter dem Begriff Technisches Zeichnen bekannt war.
Was viele nicht wissen: Sämtliche Häftlingskleidung, die von den Insassen der rheinland-pfälzischen Gefängnissen getragen wird, stammt aus der Schneiderei der JVA Zweibrücken. „Die Bekleidung muss bestimmte Anforderungen erfüllen“, erklärt Werkdienstleiter Jörg Vogelgesang: „Zum Beispiel darf sie keinerlei Metall enthalten. Damit bei der elektronischen Personenkontrolle der Gefangenen nicht grundlos der Piepser Alarm schlägt.“ Zudem sei die Zweibrücker Schneiderei alleiniger Lieferant für die Bettwäsche aller Vollzugsanstalten im Bundesland. Und die recht klobig wirkenden Stiefel, die die Häftlinge in Rheinland-Pfalz an ihren Füßen tragen, werden in der Zweibrücker JVA-Schuhmacherei hergestellt.
Personalchefin tummelt sich auf Instagram
Was am Dienstag beim Infotag des Zweibrücker Gefängnisses mit Ständen und Unterhaltungsprogramm so alles los war, wurde von Christine Weber und Laura Ruf gefilmt und immer wieder neu auf Instagram gepostet. „Wir pflegen den Insta-Account der JVA“, berichtete Weber, die in ihrem Anstalts-Hauptjob als Personalchefin Bewerbungen sichtet und Vorstellungsgespräche mit Kandidaten führt, die sich für eine Karriere als Gefängnis-Angestellter interessieren.
„In erster Linie sind wir hier alle im Vollzug tätig“, erledigt auch Laura Ruf das Instagram-Posten nur nebenbei. JVA-Leiter Jürgen Buchholz ergänzt, dass man sich in seiner Anstalt auch über Verstärkungen durch fertig ausgebildetes Neu-Personal freue. So finde hier unter anderem auch so mancher Krankenpfleger einen zukunftssicheren Arbeitsplatz.