Zweibrücken Das im Gartenpool ertrunkene Kind war der Anlass
In Mörsbach gibt es seit Jahresbeginn wieder vier First Responder, also Ersthelfer, die bei medizinischen Notfällen bis zum Eintreffen von Rettungswagen oder Notarzt Unfallopfer oder andere Patienten betreuen. Dennis Nizard, Julia Igel, Andrea Theobald und Elisabeth Bosslet haben eine Lücke geschlossen, die seit einigen Jahren in Mörsbach bestand. Viele Jahre hatte den Dienst Horst Schäfer, ein Mitglied des DRK-Ortsvereins Zweibrücken und Einwohner Mörsbachs, ehrenamtlich übernommen. Doch seit einigen Jahren konnte Horst Schäfer den freiwilligen Dienst in Mörsbach altersbedingt nicht mehr stemmen. Die Idee, Mörsbacher Bürger zu ermuntern, sich in der Freizeit als First Responder zu engagieren, hatten die beiden Nachbarn Michael Knobloch und Dennis Nizard. „Wir wollen mit unserem freiwilligen Engagement den Rettungsdienst unterstützen“, so Knobloch, der sich in der Organisation der Ersthelfer engagiert hat, selbst aber kein First Responder ist. „Auch wenn sich der Rettungsdienst noch so beeilt, benötigt er eine gewisse Zeit, bis er in Mörsbach ist“, führt er fort. „Und um diese Zeit zu überbrücken, hatten wir die Idee mit dem First Responder“, berichtet Nizard weiter. Trauriger Anlass für die Reaktivierung des Ersthelfer-vor-Ort-Konzeptes war vor zwei Jahren der tragische Unfalltod eines Kindes, das in einem Gartenpool im Mörsbacher Neubaugebiet ertrunken ist. „Der Rettungswagen hat aus vielen verschiedenen Gründen viel zu lange gebraucht. Einer war, dass die Straße im Neubaugebiet noch nicht in Navigationsgeräten vorhanden war und beim Adressensuchen wertvolle Zeit verstrich“, so Nizard. Die vier neuen Ersthelfer hingegen sind ortskundig, kennen jede Mörsbacher Straße beim Namen und auch viele Mitbürger. Zwischen acht und zehn Einsätze hatten die vier First Responder in Mörsbach seit Jahresbeginn. Bewusstlosigkeit, Thorax-Schmerzen und ähnliche Diagnosen stellten die Ersthelfer dabei. Die Einsätze bewegen sich meist im privaten Rahmen, wobei laut Julia Igel auch das Personal des DRK-Kurzzeitpflegeheims schon ihre Dienste als First Responder in Anspruch genommen hat. Was Ausbildung und Vorkenntnisse angeht, badet die 950-Einwohner-Gemeinde Mörsbach in Sachen First Responder im Luxus. Die drei weiblichen Ersthelfer sind allesamt Ärztinnen, Dennis Nizard war während seines Zivildienstes bereits ausgebildeter Rettungssanitäter und hat diese Ausbildung noch einmal komplett durchlaufen. „Das war Voraussetzung als First Responder“, sagt er. Bestehende Verträge zwischen dem Vorort und dem DRK-Kreisverband Zweibrücken gab es bereits, diese mussten laut Knobloch nur reaktiviert werden. Dabei geht es beispielsweise um die Versicherung der vier Ehrenamtlichen bei ihren Einsätzen. Die beiden Mörsbacher sprachen daraufhin Personen im Ort an, von denen sie wussten, dass diese im medizinischen Umfeld tätig sind und erzählten ihnen von ihrer Idee. Die drei Ärztinnen sowie Dennis Nizard selbst sagten zu. Zu viert wechseln sie sich jetzt beim ehrenamtlichen Dienst im 14-tägigen Rhythmus ab. „Wir tauschen sonntags die Tasche, und dann hat der nächste Dienst“, erklären Dennis Nizard, Julia Igel und Andrea Theobald. Ausgestattet mit einer Notfalltasche und einem digitalen Meldeempfänger werden sie bei Notfällen zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert und sollen als Ersthelfer mit entsprechenden Maßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken. „Wir werden ausschließlich bei solchen Notfällen alarmiert, bei denen die Leitstelle in Landau zeitgleich den Notarzt anfordert“, macht Julia Igel klar. Reiche der Einsatz eines Rettungswagens, bleibt der Piepser der First Responder hingegen stumm. „Bei vielen Notfällen spielt eine schnelle qualifizierte Versorgung eines Patienten eine besonders große Rolle. So liegt die Überlebens-Wahrscheinlichkeit nach einem Herz-Kreislaufstillstand in der ersten Minute bei etwa 90 Prozent und sinkt danach pro Minute um rund zehn Prozent“, sagt Nizard.