Blickpunkt: Festival „Klassik nah dran“ „Das ganze Festival ist eine Experimentierfeld“

Johanna Ruppert, Violinistin und Festivalchefin. Foto: thof
Johanna Ruppert, Violinistin und Festivalchefin.

Klassische Musik in Häppchen in Kneipen bei freiem Eintritt - das ist das Konzert des Festivals „Klassik nah dran“. Vom 20, bis 22. Juni, bietet es vier Konzerte in Zweibrücken mit Musikern, die Anfang bis Mitte 20 sind. Organisatorin ist heute in Hannover lebende Zweibrücker Geigerin Johanna Ruppert (26).

Warum engagieren Sie sich schon zum zweiten Mal für dieses Projekt? Was das letzte Festival gut?
Ja, das kam total gut an! Es waren auch vier Konzerte, sie warne unterschiedlich besucht. Teilweise sind sie aus allen Nähten geplatzt, insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Leute sich gefreut haben, dass so etwas Außergewöhnliches in Zweibrücken stattfindet. Gerade von den Schulen, den jungen Leuten, kam so viel positive Rückmeldung, dass man auf eine andere Art und Weise klassische Musik präsentiert, da sind viele erstaunt, dass so was geht. Als ich hier zur Schule gegangen bin, war das noch anders. Die Leute dachten, klassische Musik ist etwas Altbackenes, keiner hat verstanden, warum ich das mache. Das war auch ein Anreiz, zu zeigen, was möglich ist.

Was ist denn altbacken an dem Poetry-Slammer, der kommt?
Altbacken oder nicht altbacken: Musik ist eine Sprache von Emotion und kann gar nicht so kategorisiert werden. Mit dem Poetry Slammer kann man den Leuten einen anderen Zugang zur Musik eröffnen.

Wie sind Sie an den Poetry Slammer Markus Becheren aus Kaiserslautern rangekommen?
Angeschrieben. Ich bin ein Riesen Poetry-Slam-Fan und habe mir auch da Slams angeguckt, wo ich studiert habe und dann habe ich geguckt, was es hier in der Gegend gibt. Ich dachte: Wow, der ist super. Er war mehrmals im Finale von deutschen Meisterschaften.

Und wie sind sie zu den anderen Musikern gekommen? Manche sind bei Tonali dabei wie Sie ...
Darüber ist Joel Blido dabei, weil wir auch dieses Tonali-Schulprojekt hier machen. Es ist eine Kooperationsprojekt mit Tonali, deshalb sind Musiker von Tonali dabei. Die Schüler werden darin ausgebildet, Fähigkeiten im Kulturmanagement zu erlernen, dass sie eigenständig Sachen organisieren. Das ganze Konzept ist von Tonali, das ist eine gemeinnützige Organisation. Mit Geld ist Tonali nicht dabei, das kommt von Sponsoren: Sparkassenstiftung, dem Lions-Club.

Warum gab es Vorjahr kein Klassik nah dran?
Ich bin wahnsinnig viel unterwegs, und die ganze künstlerische Organisation ist eine unglaubliche Arbeit. Ich bin gerade dabei mir eine Karriere als freiberufliche Musikerin aufzubauen, bin viel im Ausland unterwegs. dann ist es schwierig, das parallel zu machen.

Wer sind die Musiker, die Sie eingeladen haben?
Paula Zarzo ist eine spanische Bratscherin, die in Berlin lebt. Ich habe mit ihr bei einem Festival in der Nähe von Frankfurt gespielt. Die andere Bratscherin, Lotus de Vries aus den Niederlanden, habe ich bei einem Festival in Bozen kennengelernt. Mit Joshua Lutz war ich zusammen in der Schule, im Musikinternat in Weimar. Er ist eigentlich klassischer Schlagzeuger und hat sich dann für das Produzieren von Musik interessiert und ist nach Mannheim auf die Pop-Akademie. Mit ihm hatte ich seit der Schule Kontakt, und jetzt hat er gerade sein erstes Album rausgebracht. Da dachte ich, du musst ihn einladen, ich finde die Kombination mit Elektronik spannend.

Was war die Grundüberlegung für das Programm?
Klassik to go, das Konzert im Café Pastis, haben wir vor zwei Jahren schon gemacht. Das war eine so schöne Atmosphäre, weil es so locker war, die Leute haben sich gefreut, beim Frühstück ein bisschen Musik zu hören. Da war wir klar, dass wir das wieder reinnehmen. Joshua hatte ich angeschrieben, ob er Lust hätte, etwas zu machen. Das Konzert über Zeit spukte schon länger in meinem Kopf herum. Das habe ich mal ausprobiert in einer anderen Konzertreihe - mit anderer Musik und anderen Texten. Musik kann die Wahrnehmung von Zeit verändern. Gerade heute, wo alles so schnell geht, kann Musik die Gelegenheit gaben, den Stress zu verlieren.

Und das Eröffnungskonzert mit den Tüchern?
Beim Eröffnungskonzert weiß ich gar nicht, wie ich darauf gekommen bin. Ich weiß auch noch nicht so genau, was da passiert. Ich habe ein Bild in meinem Kopf, wie der Raum sich kreiert, dass das Publikum da durch wandert und aus allen Ecken ein bsschen Musik bekommt, man die Musiker manchmal sieht, manchmal nicht.

Wie in einem Experimentierfeld ...
Das ganze Festival ist ein Experimentierfeld! Ich weiß bei keinem Konzert, wie es am Ende wirklich wird. Da ist Spontaneität dabei, künstlerischer Freiraum.

Wer hat sich die Orte ausgesucht? Es sind etablierte Orte ...
Das ist auch der Gedanke: Wir gehen dahin, wo die Leute ohnehin sind. Und wir bringen klassische Musik aus dem Konzertsaal raus unter die Menschen. Wir arbeiten mit der Realschule Herzog Wolfgang Plus zusammen, und da dachte ich, das mit dem Juz ist schön, weil es so nah an der Schule ist - und viele sind nachmittags sowieso fort. Es ist ein Ort, den dem Schüler sich wohlfühlen, viel Zeit verbringen. Für das Eröffnungskonzert braucht man einen großen offenen Raum- und ich hatte im Hinterkopf, dass im City-Outlet etwas leer ist. Für das Konzert mit dem DJ, dem produzierenden Künstler, muss man in eine Party Location.

Was ist im Vorfeld der Konzerte an den Schulen passiert?
Zwei der Musiker, Xenia und Joel, waren in den Schulen und haben jeweils ein Konzert am Helmholtz-Gymnasium und an der Herzog-Wolfgang-Realschule Plus gespielt. Die Schulgruppen haben ein Konzert organisiert für die Schulöffentlichkeit. Haben Plakate gemacht, das Konzert beworben, es anmoderiert, die Künstler vom Bahnhof abgeholt, alles bereitgestellt. Diese ganzen Fähigkeiten, das Konzert zu organisieren, haben sie vorher in einem Workshop gelernt. Ein Crashkurs in Kulturmanagement. Sie bekommen am Ende ein Zertifikat, dass sie das gelernt haben. Beim Festival sind sie auch eingebunden, sie helfen beim Einlass, beim Aufbau, damit sie noch mehr Einblick bekommen, den Ablauf eines Festivals.

Nun ist das Festival sehr streicherlastig ...
Das Repertoire für Streicher ist endlos. Das Streichquartettspiel ist für mich eins der Highlights beim Musikmachen. Deshalb habe ich die Streicher dabei. Aber das ist ja ausbaufähig.

Die Musker des Festivals „Klassik nah dran" (von links): Johanna Ruppert (Geige), Xenia Geugelin (Geige), Joshua Lutz (Musikprod
Die Musker des Festivals »Klassik nah dran« (von links): Johanna Ruppert (Geige), Xenia Geugelin (Geige), Joshua Lutz (Musikproduzent), Paula Zarzo (Bratsche), Joel Blido (Kontrabass), Janis Pfeifer (Klavier) und Hauke Siewertsen (Cello).
Rapt am Freitag; Markus Becherer aus Kaiserslautern. Foto: Mehn
Rapt am Freitag; Markus Becherer aus Kaiserslautern.
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