Zweibrücken Das Auf und Ab des Lebens
Gospel und Popsongs standen am Samstagnachmittag auf dem Programm des Chors New Spirit in der Martin-Luther-Kirche in Contwig. Etwa 75 Besucher waren gekommen, um sich von den 22 Sängerinnen und Sängern unter Leitung von Steffen Hällmayr, der auch die Klavierbegleitung übernahm, in die Welt des Gospels entführen zu lassen.
Vor allem die gebürtige Nigerianerin Effe steuerte in einem Gospel-Medley begleitet von Birgit Isemann am Klavier authentische Klänge bei. In ihrer tiefen, sonoren Stimme, die kehlig und rau gellen, jedoch auch warm und weich zu wundervoller Kraft und Fülle aufblühen konnte und die Zuhörer zutiefst berührte, mischten sich Gospel und Soul. Aber auch überschäumende Lebensfreude brach sich immer wieder Bahn in diesen mitreißenden Rhythmen und Klängen. Bekannte Gospel klangen hier an, zum Beispiel „Nobody Knows the Trouble I’ve Seen“. Grell und klagend gellte Effes Stimme auf, der Chor New Spirit fiel nach dem Schema Vorsänger – Chor mit dem Refrain „Oh Yes, my Lord“ ein. Fast wie eine Hymne flutete „Down by the Riverside“ durch den Raum, während die beschwingten Rhythmen von „Sometimes I’m Up, sometimes I’m Down“ das Auf und Ab des Lebens mit viel Humor kommentierten. Lautmalerische dunkle Harmonien und kraftvolle Bewegung zeichneten auch die Gestaltung des Songs „El condor pasa“ aus, auch die Interpretation von „Sounds of Silence“ zeichnete sich durch einen Summchor in malerischen, dunklen Farben und einen wundervoll einheitlichen Klang der Chorstimmen aus. Beschwörende Kraft, die die Zuhörer nach und nach immer stärker in ihren Bann zog, entfaltete auch der zunächst eher verhaltene Gospel „Stand by Me“. Über der dezenten Einleitung durch Klavierakkorde, aber auch dunkle Vokalisen der Männerstimmen entfaltete sich ein malerischer, klangschöner Summchor der Frauenstimmen, der dann nahtlos in Gesang überging. Auffallend waren hier neben dem packenden Ausdruck, der in die kraftvolle Bitte um Gottes Beistand mündete, vor allem das schöne, einheitliche Klangbild des Chores, dessen Stimmen glasklar intonierten, schlank und flexibel geführt. Sehr stimmungsvoll und fesselnd war auch „The First Day of My Life“, ein Solo von Vera Hell, das zunehmend an Emphase gewann. Die zunächst zart-verhaltene Stimme der Sängerin blühte voll und klangschön auf in dieser Strophenballade und berührte zutiefst durch ihre Eindringlichkeit und tief empfundene Reflexion. Der 2006 gegründete Chor aus Rimschweiler hat aber nicht nur Gospel und geistliche Lieder im Programm, sondern mischt seine Konzerte auch gern mit Popsongs auf. Leise und verhalten, aber mit einem wundervoll einheitlichen Klang, wie mit einer einzigen Stimme, sang New Spirit den Coldplay-Song „Viva la vida“, eine berührende Hymne an das Leben. Dass die Männerstimmen einmal leicht aus dem Takt gerieten, tat der Wärme und Innigkeit des Ausdrucks keinen Abbruch. Klangschön und klar gestalteten die 20 Sängerinnen und zwei Sänger auch Stings „Fields of Gold“. Sehr wandlungsfähig und ausdrucksstark sang der Chor den traditionellen Gospel „I Call on Your Name“: Die flexibel agierenden Stimmen schwollen zu höchster Eindringlichkeit an, voller Zuversicht sangen sie ihr Glaubensbekenntnis hinaus, um dann sehr zart und leise zu verebben. Zu den Zugaben „Clap Your Hands and Sing“ und „Freedom Is Coming“ sangen und klatschten die Besucher mit. Auch kleine Kinder, die mit ihren Eltern gekommen waren, machten da begeistert mit.