Sportsfreunde RHEINPFALZ Plus Artikel Coubertin-Preisträgerin Lina Meister will später zurück in die Schule

Minijob, Aushilfe in der Canadaschule und Wohnungssuche am künftigen Studienort: Lina Meister hat gerade viel zu tun.
Minijob, Aushilfe in der Canadaschule und Wohnungssuche am künftigen Studienort: Lina Meister hat gerade viel zu tun.

Sie hat am Hofenfels-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Bei der Feier wartete eine Überraschung mit einer besonderen Medaille auf die 19-Jährige. Die Turnerin genießt gerade ihre freie Zeit bis zum Studiumbeginn im Oktober.

Sie war wirklich überrascht. „Ich wusste nichts davon, habe es erst an meiner Abitur-Feier erfahren“, freut sich die Turnerin Lina Meister immer noch, dass sie bei der Feier an ihrem Hofenfels-Gymnasium mit der Coubertin-Medaille des Landessportbundes Rheinland-Pfalz geehrt wurde. Die Schulen schlagen mögliche Kandidaten vor. Ein bisschen geliebäugelt hatte die 19-Jährige in ihrer Zeit im Sport-Leistungskurs schon damit. „Ich habe wirklich viel gelernt, mir Mühe gegeben und in der Schule auch bei ,Jugend trainiert’ im Turnen und in der Leichtathletik geholfen“, sagt ist. Auch in ihrem Verein VT Zweibrücken hilft sie als Trainerin aus.

Das Abitur mit den Leistungsfächern Deutsch, Physik und Sport hat Lina Meister, die mit Papa Ilja und Mama Tanja in der Stadtmitte wohnt, seit Ende März in der Tasche. Mit der schriftlichen Arbeit in Sporttherapie und der Gedichtanalyse in Deutsch war sie zwar nicht ganz zufrieden, aber mit dem Notenschnitt von 2,3 schon. Vor allem der vielseitige Sport-Leistungskurs mit Leichtathletik, Turnen, Schwimmen, Volleyball und Fußball hat Spaß gemacht – und wird ihr demnächst helfen. Am 6. September steht in Kaiserslautern die Sportprüfung fürs Studium an. Unter anderem sind 3000 Metern in 16:30 Minuten zu laufen, 100 Meter zu schwimmen, davon eine Bahn in Rückenlage. Meister ist, auch wegen ihrer guten Körperbeherrschung aus dem Turnen, optimistisch, dass alles klappt.

Schon jetzt Mitarbeit an der Canadaschule

Schließlich will sie im Oktober in Landau ein Studium auf Lehramt für Förderschulen beginnen. Gerade ist sie auf der Suche nach einer Wohnung in der südpfälzischen Stadt. „Ich freue mich darauf, dort dann selbstständiger zu sein. Das ist eine gute Übung“, sagt sie lachend. Sie wollte auf jeden Fall was mit Kindern machen, Lehramt stand eigentlich schon immer fest. Auch wenn ihr ganz kurz mal noch die Polizei durch den Kopf schwirrte. Vielleicht weil ihre ältere Schwester Laura (22) auf der Polizeischule auf dem Hahn studiert.

Lina Meister zieht’s aber doch zurück in die Schule. An der Zweibrücker Canadaschule arbeitet sie schon einmal pro Woche auf Honorarbasis. „Ich bin immer donnerstags für drei Stunden da, helfe bei der Hausaufgaben-AG und der Tier-AG“, erzählt sie. Zusammen mit einer weiteren Hilfskraft betreut sie bis zu zwölf Kinder, fährt mit ihnen auch zu Tati’s Tierfarm nach Walshausen. „Das macht mir richtig viel Spaß“, sagt sie und kann sich gut vorstellen, ihr Engagement im Studium auf zweimal wöchentlich auszudehnen. In Landau wird sie zwei Semester lang Deutsch und Sport studieren, „danach kommt der pädagogische Teil“, berichtet sie.

Weiter turnen, Minijob und bis Oktober viel reisen

Turnen will sie weiterhin. Nach dem Abitur tut ihr eine kleine Pause jetzt aber ganz gut, sie hatte zuletzt lange mit einer Schleimbeutelentzündung im Knie zu tun. „Da hat sich immer die Kniescheibe hochgeschoben“, erläutert sie. „Wir fragen uns inzwischen schon oft, wie häufig wir durch die Türen rein sind in die Turnhalle unter der Festhalle“, meint sie schmunzelnd. Los ging’s mit Mutter-Kind-Turnen, dann mit sieben Jahren mit Leistungsturnen. Später kam noch turnerischer Mehrkampf hinzu. Immer bei den Trainerinnen Sonja Rayer und Birgit Geib-Becker. In Zukunft wird sie in den Mannschaftswettkämpfen nicht mehr an ihre Leistungsgrenzen gehen müssen. Statt Leistungsklasse (LK) II turnt das etwas verjüngte VTZ-Team nämlich nur LK III.

Langweilig wird ihr dennoch nicht: Schon zwei Wochen nach dem bestandenen Abitur hatte sie einen Minijob im Naturkostladen in der Rosengartenstraße, wo sie vor allem morgens aushilft. Dazu kommen zwei Turntrainingseinheiten pro Woche, ein bisschen joggen. „Und ins Fitnessstudio gehe ich ja auch noch so drei-, viermal in der Woche“, verrät Lina Meister.

Bis Oktober will die angehende Förderschul-Studentin auch die freie Zeit noch ein bisschen genießen. „Ich würde gerne viel reisen“, sagt sie, „mit einer Freundin mal ans Meer fahren und vielleicht auch Paris besuchen.“ Letzteres allerdings nicht gerade zur Olympia-Zeit.

Stichwort: Coubertin-Medaille

Der Abiturpreis Sport „Pierre de Coubertin“ wird seit 23 Jahren vom Landessportbund Rheinland-Pfalz an rheinland-pfälzische Abiturienten (2024 an 76) verliehen – als Auszeichnung für sportliche Leistungen, gepaart mit sozialem Engagement. Auch Fairness und Engagement außerhalb des Sports sind nachzuweisen. Die Bedeutung des Fachs Sport soll hervorgehoben werden. Der französische Pädagoge, Historiker und Sportfunktionär Pierre de Coubertin (1863-1937) gilt als Begründer der modernen Olympischen Spiele, die erstmals wieder 1896 in Athen stattfanden. Er gründete 1894 das Internationale Olympische Komitee, dessen zweiter Präsident er von 1896 bis 1925 war. Er entwarf auch die Olympischen Ringe, seit 1920 Symbol der Spiele. Begriffe wie „Flair Play“ und „Olympischer Gedanke“ hat Coubertin entscheidend mitgeprägt.

In der Turnhalle unter der Festhalle hat Lina Meister (hier am Schwebebalken) über die Jahre unzählige Trainingsstunden verbrach
In der Turnhalle unter der Festhalle hat Lina Meister (hier am Schwebebalken) über die Jahre unzählige Trainingsstunden verbracht.
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