Turnen
Contwig: Viele Mädchen und Zuschauer bei den Westpfalz-Turngau-Meisterschaften
Etwas unruhig sitzt Annabell Moosmann am Samstagmittag in der IGS-Turnhalle und drückt ihren Glücksbringer, die Stofftier-Affendame „Hermine“, immer wieder zusammen. Die Neunjährige ist als Letzte in dem Durchgang am Boden an der Reihe. Für sie ist es, wie für ganz viele der Turnmädels, die vor zwei oder drei Jahren mit dem Leistungsturnen begonnen haben, einer ihrer ersten Wettkämpfe überhaupt. Die Corona-Pandemie ließ bekanntlich lange keinen sportlichen Vergleich mit anderen zu. Zudem liegt der Barren der blonden Jung-Turnerin mehr als die Darbietung auf der Matte.
„Sei mutig, trau ’dir was zu“, gibt Trainerin Lena Dausmann (27) ihr mit auf den Weg. Nach anderthalb Minuten ist alles vorbei und Annabell kann wieder lachen. „Das war doch überhaupt nicht schlecht“, wird sie von allen Seiten gelobt.
Zuschauer machen nervös
Ihre Teamkollegin Emilia Senn hat es sogar noch etwas schwerer. Sie ist zwar aus dem Mutter-Kind-Turnen direkt in die Leistungsgruppe des TV Lemberg gewechselt, hatte die letzten beiden Jahre aber nur einmal Wettkampfatmosphäre erlebt. Talent habe sie zwar, hört man aus den Vereinskreisen, schließlich hat sich die Siebenjährige aus Lemberg schon für die kommende Pfalzmeisterschaft qualifiziert. Aber das Antrainierte umzusetzen, wenn es drauf ankommt, das ist dennoch die große Herausforderung.
Zu einem Mix aus bekannten Disney-Liedern zeigt sie ihre Kür in der Wertungsgruppe P5. Ein bisschen schnell geht die Lembergerin ans Werk, sie muss gegen Ende auf der Stelle im Sitzen ausharren, weil die Musik noch weiterläuft. Der Handstand fällt etwas niedrig aus, dafür klappt die Rolle rückwärts besser als im Vorlauf. „Jetzt bin ich erleichtert. Dass hier so viele Zuschauer sind, das macht einen schon etwas nervös“, gibt Emilia Senn zu.
Ein glückliches Gesicht machte auch Karin Reinshagen. Und zwar in dreierlei Hinsicht. Denn als Oberturnwartin der VT Contwig sah sie „eine tolle Steigerung der Leistungen“ bei den eigenen Turnerinnen, als Mitverantwortliche vom gastgebenden Verein freute sie sich über eine sehr gute Teilnehmerzahl von 168. Und dann kamen noch schätzungsweise 400 Zuschauer an beiden Tagen in die Contwiger IGS-Schulturnhalle, um bei den Wettkämpfen zuzusehen. Am Boden, Balken, Sprung und Stufenbarren präsentierten die Teilnehmerinnen aus der Pfalz, in ihren jeweiligen Altersklassen, ihre Leistungsstärke. Neben der VT Contwig und dem TV Lemberg, waren Teilnehmerinnen der VT Zweibrücken, VT Niederauerbach, sowie des TV Hauenstein vertreten.
Kaiser konzentriert
Eine von mehreren VTC-Turnerinnen, die möglicherweise in Zukunft von sich reden machen, war Carolin Kaiser (Jahrgang 2014). „Sie ist von der Körperstatur, der Motorik und ihrer Beweglichkeit mit sehr guten Voraussetzungen gesegnet“, bekundet Karin Reinshagen. Die achtjährige Contwiger Jungturnerin bestach am Samstag mit einer sehr konzentrierten Herangehensweise. Diese Nervenstärke habe ihr vergangenes Jahr den Vize-Pfalzmeistertitel beschert. „Ein Lieblingsgerät hab’ ich eigentlich keins“, gibt sie kurz angebunden Auskunft.
Anstatt weiter der RHEINPFALZ Rede und Antwort zu stehen, muss sie ihren Mannschaftskameradinnen zuschauen und sie motivieren. Sie vertrete ihre Meinung und habe einen eigenen Kopf, erklärt die Oberturnwartin über Carolin Kaiser, die ihren Weg scheinbar unbeirrt durchzieht. An drei von vier Geräten war sie hernach die Durchgangsbeste.
Mit mehr als zwei Gesamtpunkten gewann sie damit den Vergleich der 2014er vor Carlotta Cicciari von der VT Zweibrücken. Damit qualifizierte sich Kaiser wiederum für die Pfalzmeisterschaften, die am 6. und 7. Mai 2023 just wieder in der IGS-Turnhalle in Contwig stattfinden.