Zweibrücken
Contwig: Erfrischend anderes Weihnachtskonzert mit Rockxn’ in der evangelischen Kirche
Am Ende lassen sie die Zuhörer die „Hymn“ alleine singen: Die Band Rockxn’ zog bei ihrem Konzert in der Contwiger Martin-Luther-Kirche alle Register. Es wurde rockig, emotional und ausgefallen. Der Abend hob sich in vielen Ebenen von vorweihnachtlichen Konzerten ab, und das im positivsten Sinne. Am Schluss gab es stehenden Applaus.
Wir alle suchen die Schönheit in der Musik – Rockxn’ bringt genau die zu den Zuhörern. Rund 300 Leute kommen in den Genuss von „The Rose“. Die fünfköpfige Band schafft eine wunderschöne Atmosphäre beim Song von Bette Midler. Zart und bedächtig steigt Felix Jäger in den Song ein und belegt die Martin-Luther-Kirche mit einem Zauber. Seine zwar etwas heisere, raue Stimme verliert aber nichts von ihrer Schönheit, wenn es um gefühlvolle Balladen geht.
Und davon hat die Band aus Hauenstein einige im Programm. Bei „The Sound of Silence“ steigen im Refrain die Gitarristen Christoph Seibel, Felix Jäger und Philipp Graf ein und zeigen gleichzeitig die größte Stärke der Band: die unglaubliche Harmonie des Trio-Gesangs in den Refrains. Die Wärme in ihren Stimmen und die Leidenschaft lassen die Songs lebendig werden und geben ihnen eine Seele. Die tolle Leistung honorieren die Zuhörer mit viel Jubel und Applaus – zurecht. Bei vielen Liedern steht Rockxn’ den Originalinterpreten in nichts nach.
Akzente zu den Klassikern der Musikgeschichte setzt Evelyn Hollerith. Die Sängerin aus Rodalben gibt dem vom DRK organisierten Konzert mehr Facetten – sie singt nämlich vor allem jazzig angehauchte, verspielte Lieder. Ihre liebliche Stimme passt hervorragend dazu. Sie reißt die Zuhörer weniger mit als Rockxn’, überzeugt aber durchaus mit ihrer hellen, angenehmen Stimmfarbe und ihren außergewöhnlichen Interpretationen.
So wagt sie sich ans relativ unbekannte „Skyline Pigeon“ von Elton John und drückt dem Lied ihren eigenen Stempel auf. Manche Songteile hätte sie, Elton Johns tiefer Stimme wegen, ohnehin nicht originalgetreu singen können. Ihr großer Hut geht immerhin schon in die Richtung des ausgeflippten Sängers. Der Mut zur Interpretation ist ein Aspekt, der das Konzert so vielseitig und interessant macht.
Nach jedem Lied fragt man sich: Was kommt jetzt? Und die Band hat es voll drauf, die Zuhörer jedes Mal aufs Neue zu überraschen. Sei es mit einer ihrer Zugaben, der „Hymn“ von Barclay James Harvest, bei der sie die Zuhörer große Teile selbst singen lässt. Brav beteiligen sich viele vom textsicheren Publikum, und gemeinsam hallt ein schöner Chor in der Kirche. „Wir machen diese Tour von November bis Dezember“, erzählt Christoph Seibel anfangs. „Wir sind in verschiedenen Regionen, auch viel in Kirchen. Die Akustik hier ist besonders gut.“
Viel Jubel und Applaus gab es schon, aber bei „Bridge over Troubled Water“ flippen die Zuhörer so richtig aus. Und wieder blüht das perfekt harmonisierende Sänger-Trio in den Refrains auf. Sie geben einfach alles, die fünf Musiker, und heben sich in Sachen Atmosphäre und stimmlichem Können von einigen Bands ab. Auch, dass es keine Weihnachtslieder waren, die die fünf singen, ist mal erfrischend so kurz vor Weihnachten. Dennoch schafft Rockxn’ ein Konzert, bei dem Entschleunigung im Vordergrund steht.
Das ganze Konzert zeichnet sich durch seine Detailverliebtheit aus: An die Decke werden verschiedene Muster und Sterne projiziert. Nur dass einige Zuhörer oft aufstehen und aus der Kirche gehen (wohin auch immer), stört. Dafür kann aber natürlich die Band nichts. Die haben sowieso schon alle Hände, pardon, Stimmen, voll zu tun. Auch mit dem zauberhaft atmosphärisch dargebotenen „Hallelujah“. Hier kann man die fünf in ihrer ganzen Pracht erleben: Stimmgewaltig, einzigartig und energetisch hat die Band ihre Zuhörer mitgerissen und begeistert. Stehender Applaus und großer Jubel ist ihre Belohnung. Es waren zweieinhalb Stunden, die nachhallen.