Handball
Christina Grünewald, die laufstarke Komponistin im Zweibrücker SG-Tor
„Ein Rennen voller Rekorde“ überschrieb Ende September der Veranstalter des Berlin-Marathons seine Bilanz. Tigst Assefa hatte bei den Frauen in 2:11,53 Stunden einen neuen Marathon-Weltrekord aufgestellt. Grund zum Feiern hatte in der Hauptstadt auch Christina Grünewald. Die Torhüterin des Saarlandligisten SG SV 64/VT Zweibrücken war ihren ersten Marathon gelaufen. In weniger als vier Stunden wollte sie die 42,195 Kilometer absolvieren. „Habe ich geschafft“, freut sich die 35-Jährige, die nach 3:59,40 Stunden die Ziellinie überquerte. Für Samstag setzt sie sich ein anderes Ziel: „Zwei Punkte“, sagt Grünewald, die als Handballtorfrau der SG-Frauen bei der HG Ottweiler/Steinbach gefordert ist (Anwurf: 16 Uhr).
Früher mit eigenem Tonstudio
Es sei ein Super-Erlebnis gewesen, sagt Grünewald zum Marathon in Berlin. „Die Menschen entlang der Strecke tragen einen wirklich ins Ziel“, erzählt sie. Bewusst hatte sie Berlin für ihre Marathon-Premiere gewählt. Halb-Marathons ist sie schon einige gelaufen, unter anderem in Freiburg. Auch den Pfälzerwald-Marathon in Pirmasens hat sie über die Halbdistanz bestritten. „Eine wunderschöne Strecke“, sagt sie. Zum Genießen. Laufen ist für sie ohnehin „ein Genuss“. Trainingseinheiten mit der Laufsportschule Saar-Pfalz machen Spaß. „Wir haben immer gute Gespräche“, freut sie sich auf ihre Laufrunden, bei denen ihr eines wichtig ist: „Abwechslung“. Ihr neues Ziel: „Einen Marathon unter 3:30 Stunden laufen“, sagt sie.
Intensives Lauftraining und Handball, geht das zusammen? „Da ich im Tor spiele, geht das sehr gut zusammen“, sagt die 35-Jährige, die Handballschuhe eigentlich schon an den Nagel gehängt hatte. Bei den Minis des SV 64 Zweibrücken hatte sie mit dem Handballspielen begonnen. Damals hieß sie Christina Rogers. Den Nachnamen verdankte sie ihrem Papa, der Kanadier ist. Sie ist in Zweibrücken geboren und aufgewachsen. Sie spielte beim SV 64 die komplette Jugendzeit, stieg mit den Frauen in die Regionalliga auf. „Das war eine tolle Zeit“, sagt Grünewald, die als Software-Entwicklerin bei Blue Alpha in Zweibrücken arbeitet. Katrin Hoffmann und Nadine Zellmer, heute wieder ihre Teamkolleginnen, gehörten damals schon zum Team.
Durch die Töchter zurück zum Handball
Als sie aus privaten Gründen ins Saarland zog, blieb sie dem Handball zunächst als Spielertrainerin beim TuS Riegelsberg treu. Eine zweite großes Leidenschaft, die Musik, nahm ebenfalls Zeit in Anspruch. „Ich mache gerne Musik“, sagt Grünewald, die jungen Menschen das Klavier spielen beibrachte, ein eigenes Tonstudio im Saarland hatte, selbst singt, schreibt, Gitarre spielt und immer noch Musik aufnimmt. Auch selbst geschriebene Songs, die sie selbst singt.
Vor zehn Jahren kamen ihre Zwillingstöchter Leonie und Sophia auf die Welt. „Durch sie kam ich wieder zum Handball“, erzählt die 1,70 Meter große Torhüterin, die längst wieder in Zweibrücken lebt. Der SV 64 bot an den Grundschulen Handballschnuppern an. Stefan Bullacher gehörte zum SV-Team. Die Ähnlichkeit der zwei Grünewald-Generationen ließ ihn fragen, ob die Mama Christina heißt. So kam der Kontakt wieder zustande.
Torwartspiel ist wie Radfahren
„Bulli hat gesagt, dass die Frauen dringend eine Torfrau suchen, ob ich nicht Lust hätte, wieder zu spielen“, erzählt Grünewald. Sie brachte Leonie und Sophia ins Jugendtraining zum SV 64, „und anschließend haben die Frauen trainiert. Da habe ich mal mittrainiert. Es ging besser, als ich gedacht habe“, erinnert sie sich. Die gleichfalls laufbegeisterten Leonie und Sophia spielen aktuell in der E-Jugend, wie ihr Mama abwechselnd auch im Tor. Trainiert werden sie von Lucy Hilz. Die ist seit vergangener Runde Teamkollegin von Mama Christina, die die Handballschuhe doch wieder auspackte. „Es macht mir viel Spaß mit dieser Mannschaft“, sagt sie.
Dass die Rückkehr ins Tor funktionierte, hat viel mit dem Laufen zu tun. „Auch wenn ich nicht mehr Handball gespielt habe, ich habe viel Sport gemacht“, sagt Grünewald. Auch Krafttraining und sehr viel Stabilisation, fürs Laufen so wichtig wie für den Handball. Wie man sich im Handballtor bewegt, „das war alles noch da. War so ähnlich wie beim Radfahren, das verlernt man nicht“, sagt sie. Für Reaktionsschnelligkeit und Stellungsspiel sei aber Trainings- und Spielpraxis wichtig, um sich zu verbessern. Und besser werden, „das ist immer mein Anspruch“, sagt Grünewald vorm Duell beim starken Aufsteiger Ottweiler/Steinbach.