Pferdesport
Charlotte Stuppis DM-Traum wird wahr
Drei Umläufe in den Meisterschaftsparcours über 1,25 Meter hohe Hindernisse hatte Charlotte Stuppi mit Asterix ohne Fehler absolviert. Sie gehörte zu dem Sextett, das am Sonntag mit weißer Weste in den finalen vierten Umlauf ging. Doch da kam keiner ohne Abwurf durch den verkürzten Parcours. „Wir haben im Finale der Children sehr guten Sport gesehen. Etwas unerwartet war es zum Ende doch noch spannend. Dass keines der sechs Paare, die bisher fehlerfrei waren, auch ohne Fehler im zweiten Umlauf blieb, ist ungewöhnlich. Das zeigt, wie hoch die Anspannung bei einer DJM ist“, sagte U14-Bundestrainer Eberhard Seemann.
Schritt reiten und warten
Stuppi unterlief am zweiten Sprung, einem Steilsprung, ein Flüchtigkeitsfehler. „Ich dachte: Schade, jetzt komme ich nicht mehr aufs Treppchen. Aber ich war so stolz auf Asterix“, erinnerte sich die 13-Jährige. „Ich bin dann draußen Schritt geritten und hab’ gewartet“, berichtete sie von den folgenden Minuten, in denen sie erfuhr, dass auch die anderen patzten. Am Ende gehörte sie zum Sextett mit vier Fehlerpunkten, das ins Stechen um den Meistertitel musste.
„Ich bin dann geritten, wie ich immer Stechen reite“, erzählte sie. Ihr Trainer Martin Haunstein habe ihr gezeigt, wo sie entlang reiten solle. Das setzte Stuppi im Parcours um. Direkte Linie, schnelle Wendungen – sie riskierte etwas, blieb fehlerfrei und legte in 28,65 Sekunden die Top-Zeit vor. „Ich bin draußen wieder Schritt geritten und hab’ auf dem Fernseher geschaut, wie die anderen reiten“, beschrieb sie die folgenden Minuten. Es blieb kein anderer Starter fehlerfrei. Nur der Losheimer Fabio Thielen kam ihr zeitlich nahe (28,71), hatte aber einen Abwurf. Der 13-Jährige wurde mit Silber belohnt. Gold ging an Charlotte Stuppi. „Ich bin stolz auf Asterix. Er ist ein ganz großer Kämpfer“, sagte sie. Der belgische Wallach wird eine Extra-Portion Futter als Belohnung und etwas Obst und Gemüse erhalten. „Er ist vieles gerne, Bananen, Äpfel, Karotten“, zählte sie Vorlieben auf.
Gestern drückte Stuppi wieder die Schulbank im Saarpfalz-Gymnasium in Homburg. „Ich denke, das wird kein großes Thema sein“, sagte sie auf die Frage, ob es in ihrer neunten Klasse ein großes Hallo wegen des Titelgewinns geben wird. „Ich möchte das eigentlich auch nicht“, ergänzte sie.
Enttäuschung für Oberle
Die Mittelbacherin Marika Oberle vom RFV Zweibrücken erlebte dagegen einen kleinen Albtraum. Im Auftaktspringen am Freitag brach ihr neunjähriger Locarno vor dem ersten Sprung aus, die Verweigerung brachte ihr vier Strafpunkte ein. Am Ende kamen 13 weitere hinzu. Mit einer Bürde von 17 Strafpunkten war der Traum, wie vor einem Jahr das Finale zu erreichen, schon geplatzt.
Am Samstag kam es noch dicker. „Ich wollte noch mal das Beste geben“, schilderte die 14-Jährige ihre Motivation vor dem zweiten Umlauf. Dann wurde ihr ein Steilsprung zum Verhängnis, weil sie sich in der Distanz verschätzt hatte. Locarno räumte das Hindernis ab, Marika Oberle ritt noch einmal an, am sechsten Sprung dann eine Verweigerung. „Mir war zwischendrin der Helm ins Gesicht gerutscht. Ich hab’ gemerkt, ich bin aus dem Rhythmus raus, es läuft nicht mehr. Dann hab’ ich aufgehört“, berichtete sie. „Ich bin ja nach der Corona-Pause noch nicht so viele M-Springen gegangen“, sagte sie mit Blick auf die fehlende Routine. Dass Oberle so großes Pech hatte, rührte auch Charlotte Stuppi. „Mir hat Marika leid getan“, sagte sie.
„Ich war schon traurig und enttäuscht“, sagte Oberle am Sonntag. Da war sie schon wieder gefasst und verfolgte das Finale um den Titel. „Ich hab mich voll für Charlotte gefreut“, bemerkte sie. Auch wenn „Leo“ es ihr dieses Mal schwer gemacht hat, sauer auf ihr Pferd ist sie nicht: „Er wird jetzt erst mal Pause haben.“