Zweibrücken
„C’est comme ça“
Eines ist allen Mitgliedern der Adam-Familie gemeinsam: Ihre Lieder greifen Fragen des Lebens auf, in denen sich jeder wiederfinden kann. Das war am Sonntag in Zweibrücken zu erleben.
Hunderte hatten bei dem traumhaften Sommerwetter am Sonntagnachmittag den Weg in den Rosengarten gefunden, der Platz um die Tribüne war voll besetzt, auch auf dem Rasen daneben drängten sich die Zuhörer. Mit neu arrangierten Coverversionen bekannter Hits und eigenen Songs begeisterten Marcel, Yann Loup und Anisha Adam sie mit ihrer Band ihr Publikum in wechselnden Formationen.
Dass Marcel Adam mit einem Stimmproblem zu kämpfen hatte, tat dem mitreißenden Charme seiner Lieder keinen Abbruch. Der Vollblut-Entertainer ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. „Wenn ich die hohen Töne heute nicht ganz schaffe, machen wir eben das Alternativprogramm“, meinte er gut gelaunt. „Voilà, on y va!“
Flammende Liebeserklärung
Eine flammende Liebeserklärung machte er mit Edith Piafs „Tu me fais tourner la tête“. Zusammen mit Christian di Fantauzzi am Akkordeon, der an diesem Tag Geburtstag hatte, und Gitarrist Christian Conrad lebte das Chanson wieder auf. Das flott-beschwingte Tempo und die anheimelnden, warmen Akkordeonklänge ließen zusammen mit Marcel Adams Temperament das leichte Kratzen in seiner Stimme völlig vergessen.
Der unverwüstliche Humor des Sängers kam im aus dem Elsass stammenden Lied vom „Hans im Schnokeloch“ zum Ausdruck. „So, jetzt werden wir noch alternativer“, kündigte er das Volkslied an. „Das Publikum steht drauf, dass wir auch intellektuelle Lieder machen. Ich singe vor, und ihr macht mit, dann bin ich net so allein hier auf der Bühne“, forderte er die Zuschauer mit einem verschmitzten Lächeln auf. Und das Mitsingen des Refrains klappte, die Besucher hatten sichtlich Spaß. Marcel sang in Französisch, Deutsch und Lothringer Mundart, sein Sohn Yann Loup und seine Schwiegertochter Anisha hatten auch englischsprachige Songs im Repertoire.
Das Ungerechte annehmen
Lieder aus der neuen CD „Pour le plaisir“ standen auf dem Programm, zum Beispiel „C’est comme ça“. „Es kommt im Leben viel Ungerechtes auf einen zu, aber man muss es annehmen“, so Adam. Die temporeiche Strophenballade mit dem flotten, prägnant punktierten Rhythmus, von Yann Loup auf der Gitarre gespielt, riss die Besucher zu spontanem Applaus hin.
Anisha begleitete ihren Mann Yann Loup zusammen mit Schlagzeuger Nicolas Kieffer und Pernine Diehl am Bass bei ihrem Lied „No Roots“. Ein leise grummelnder Groove stimmte auf die Ballade ein, die zunehmend rockiger wurde. Harsche Gitarrenakkorde, pochender Beat und stockende Rhythmen bildeten den Rahmen für Anishas klare, volle, metallische Stimme. Anisha beherrschte auch leise, zarte Töne: Glasklar, mit beschwörender Eindringlichkeit sang sie Leonard Cohens „Halleluja“.
Marcel Adam ließ das stimmungsvolle, facettenreiche Familienkonzert mit seinem traditionellen Schlusslied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ von Dietrich Bonhoeffer und dem Element-of-Crime-Song „Am Ende denk' ich immer nur an dich“ ausklingen.