Zweibrücken
Canadaschule: Schüleranzahl mehr als verdoppelt
An der Canadaschule hat sich die Anzahl der Schüler in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Haben im Schuljahr 2018/19 62 Kinder und Jugendliche die Schule besucht, waren es im vergangenen Schuljahr 140. Tendenz steigend. Verstärkt wird dieser Trend dadurch, dass dort künftig nicht nur Kinder mit dem Förderbedarf Lernen (L) und Sprache (S) unterrichtet werden sollen, sondern auch Kinder mit Förderbedarf in ganzheitlicher Entwicklung (G). Früher sprach man von „geistig behinderten“ Kindern. Durch diese Erweiterung der Förderschwerpunkte rechnet Schulleiter Fabian Faß jährlich mit einem Zuwachs von weiteren zehn Kindern an seiner Schule. Das legte er in der Sitzung des Schulträgerausschusses am Mittwochabend dar.
13 Kinder von Privatschule aufgenommen
Warum aber sollen an der Canadaschule nun auch Mädchen und Jungen mit Förderbedarf G unterrichtet werden? Anlaufstelle für solche Kinder war bisher die Mauritiusschule im Zweibrücker Stadtteil Wattweiler. Sie ist die einzige Schule mit dem Förderschwerpunkt G im Einzugsgebiet rund um Zweibrücken. Und genau da liegt das Problem: „Die Mauritiusschule stößt an ihre Grenzen“, erklärte Schuldezernentin Christina Rauch. Dort liegt die maximale Schüleranzahl bei 50. Da sich die Mauritiusschule in privater Trägerschaft befindet, könne sie auch einen Aufnahmestopp verhängen.
Bereits im laufenden Schuljahr 2024/25 hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) der Canadaschule 13 Schüler mit Förderbedarf G zugewiesen, die die Mauritiusschule nicht aufnehmen konnte. Aus der „Notlösung“ wird jetzt die Regel: Die ADD will die Canadaschule zu Beginn des nächsten Schuljahres 2025/26 um den Förderschwerpunkt G erweitern. In jeder Klassenstufe sollen dort zwei Klassen mit Kindern mit diesem Förderbedarf unterrichtet werden. Das bedeutet konkret: Die Schule braucht mehr Räume, mehr Ausstattung und mehr Personal, denn: „Diese Kinder brauchen mehr Unterstützung, zum Beispiel in der Alltagsbewältigung“, erklärte Schulleiter Faß.
Zweiter Schulstandort keine gute Lösung
Für die neuen Klassen benötige die Schule zwölf weitere Unterrichtsräume, sechs Kursräume, Pflegebäder, Therapieräume, einen Gymnastikraum und ein Bewegungsbad. Auch wenn dann Synergieeffekte bestehen, weil zum Beispiel Werkräume auch von Kindern mit Förderbedarf L genutzt werden können, wäre quasi ein zusätzliches Gebäude nötig.
Das brachte die Option eines zweiten Schulstandorts ins Spiel. „Für den Übergang denkbar, als endgültige Lösung nicht gut“, urteilte Schulleiter Faß klipp und klar. Dann würden Synergieeffekte wegfallen. Auch könnte man die Räume nicht flexibel nutzen. Zudem würde das Verständnis als Schulgemeinschaft leiden, für Kinder mit Schwächen im sozial-emotionalen Bereich besonders schwierig. „Zwei Schulstandorte bringen mehr Nachteile als Vorteile“, pflichtete ihm Thomas Trier bei. Der Schulleiter der Herzog-Wolfgang-Realschule plus sprach aus Erfahrung, denn die Lehrer seiner Schule unterrichten die Fünft- bis Siebtklässler in der Mozartstraße, die anderen Klassenstufen in der Wackenstraße.
Erweiterung gut für Stadt und Schule
Grundsätzlich begrüßten Schuldezernentin Rauch und Schulleiter Faß die Erweiterung der Canadaschule um einen dritten Förderschwerpunkt. Laut Rauch ist diese Ergänzung des Angebots gut für die Eltern aus dem Einzugsgebiet. Schließlich hätten in der Vergangenheit sogar Kinder mit diesem Förderbedarf in eine Schule nach Landstuhl gehen müssen. Für sie sei eine Stunde Anfahrt oder länger eine Herausforderung.
Faß begrüßte die Erweiterung als zweites Standbein für seine Schule. Schließlich stand vor einigen Jahren sogar zur Diskussion, landesweit Schulen mit dem Förderschwerpunkt L auslaufen zu lassen und die Kinder nur noch in Regelschulen zu unterrichten.
Auch Container denkbar
Wie erklärt sich aber der starke Schülerzuwachs an der Canadaschule in vergangenen Jahren? Das sei ein bundesweiter Trend, weder Land noch Stadt könnten das erklären, sagte Schuldezernentin Rauch. Hartmut Leiner, ein ehemaliger Lehrer der Canadaschule, vermutet als Grund dafür das Scheitern der Inklusion an den Regelschulen, wie er auf RHEINPFALZ-Nachfrage mitteilt. „In der Vergangenheit haben auch vermehrt Eltern solcher Kinder gewünscht, dass diese an Förderschulen unterrichtet werden“, spricht er aus Erfahrung.
Der Schulträgerausschuss sprach sich einstimmig für die Empfehlung der ADD zur Erweiterung der Schule um den Förderschwerpunkt G aus. Die Angelegenheit ist nun Sache des Stadtrats. Zunächst wird der genaue Bedarf der Schule für die Kinder mit dem Förderschwerpunkt G ermittelt, dann prüft das Bauamt ob und wie die Räume geschaffen werden können, sagte Rauch. Dabei werde auch mit mobilen Klassenzimmern, sprich: Containern, geplant.
Was das Ganze kosten wird, konnte die Schuldezernentin nicht sagen, nur dass die Stadt dabei 60 Prozent Schulbauförderung erhalte. Die maximale Anzahl an Kindern der Förderschwerpunkte L und S hat die ADD bei der Canadaschule auf 160 festgesetzt.