Sportsfreunde
Britta Jung paddelt auf dem Schwarzbach bis zur Weltmeisterschaft
Frisch wird es an diesem frühen Montagabend an der Dorndorf-Kreuzung in Zweibrücken – am und auf dem Wasser. Britta Jung und ihre Mama Heike, die vom Bootshaus der Wassersportfreunde Zweibrücken auf dem Schwarzbach rübergepaddelt kommen, stört das überhaupt nicht; wer Kanu fährt, darf keine Frostbeule sein. Im Sommer fahren sie fünfmal pro Woche den Weg von ihrem Heimatort Höheischweiler zum Training in Zweibrücken, im Winter dreimal. Wie bei den vielen Rennen am Wochenende lohnt auch hier immer ein Blick in die Wetter-App und auf den Pegelstand des Wassers.
Die 16-Jährige wirft einen kurzen Blick auf die hängenden Torstangen und fährt zum Test gleich mal einen Durchgang bis zur Brücke, die in Richtung Fasanerie über den Bach führt. Heute ist die Freude beim Training besonders groß. Denn am Wochenende zuvor hat sie es bei der zweiten Sichtung geschafft, mit dem Kajak einen Platz im Kader der deutschen U18-Nationalmannschaft zu ergattern. Das war ihr großes Ziel, dennoch kam es unerwartet und war am Ende eine ganz knappe Geschichte. Auch zum deutschen Kajak-Cross-Team gehört sie in Zukunft. „Die Erleichterung war groß“, geben Mama und Tochter unisono zu.
Siegerin der Zweibrücker Sportlerwahl
Dazu durfte sich Britta Jung noch über eine besondere Ehrung freuen. Vor dem Training erhielt sie die Siegertrophäe und die Urkunde der 34. RHEINPFALZ-Sportlerwahl der Redaktion Zweibrücken, die sie vor Speerwerferin Christin Maurer gewonnen hatte. Am eigentlichen Ehrungsabend konnte sie nicht da sein, sie war in Sachen Kanu unterwegs.
Das wird sie auch im Sommer nun auch auf internationalem Niveau sein. „Weil ich jetzt zum U18-Kader gehöre, darf ich bei den U18-Weltmeisterschaften im französischen Foix vom 8. bis 13. Juli und bei den U18-Europameisterschaften vom 29. Juli bis 3. August im slowenischen Solkan“ starten, sagt sie voller Vorfreude. „Wir schauen jetzt gerade mal, wie wir das dann im Sommer mit dem Urlaub machen“, gesteht ihre Mutter schmunzelnd.
Familie Jung erhofft sich mehr Förderung
Ein bisschen hoffen Jungs, dass mit dem neuen Kaderstatus die Förderung besser wird. Denn der Kanusport ist teuer. Ein Renn-Kajak oder ein Canadier kostet zwischen 2500 und 3500 Euro, ein Neopren-Anzug 500 Euro, ein Helm 200 Euro. Auch einem Engagement eines Sponsors wären sie nicht abgeneigt, „aber das ist nicht einfach, vor allem nicht, wenn man aus einem so kleinen Verein kommt“, weiß Mama Heike.
Gerade kommt Stefan Loch, Trainer bei den Wassersportfreunden, angepaddelt. Die drei unterhalten sich noch mal ausführlich über die beiden Sichtungen in Augsburg und Markkleeberg. Zwischendurch spult die 1,82 Meter große Sportlerin einen Durchgang nach dem anderen ab.
Viele Trainingstipps von den vier größeren Brüdern
Sie trainiert meist selbstständig. Die Pläne, was sie machen soll, bekommt sie von ihren Kadertrainern oder auch Anleitungen ihrer älteren Brüder Erik (29), Niels (28), Ulf (25) und Holger (23), allesamt erfolgreiche Kanuten. „Ich habe schon von klein auf bei Mama im Kajak gesessen und Enten geschaut und meinen Brüdern bei den Wettkämpfen immer zugeschaut“, erzählt Britta Jung von den Anfängen. Pi mal Daumen seit 14, 15 Jahren rechnet sie vor, paddelt sie nun für die Wassersportfreunde, davor war sie beim KC Zweibrücken. Zu ihrem Pensum gehört im Winter viel Ausdauer und Leistungsdiagnostik, zum Beispiel mit Laktatwerten; im Sommer dann mehr kurze Sachen für die Spritzigkeit in den Wettkämpfen. Dazu kommen noch Stabilisationsübungen. Zum Ausgleich spielt sie einmal pro Woche mit ihrem Papa Dietmar Lang beim TTC Nünschweiler Tischtennis.
Rund 40.000 Kilometer fahren Jungs im Jahr für den Kanusport quer durch Europa, übernachten in Jugendherbergen oder auf Campingplätzen. Oft dabei: die Schulsachen. Nach den Sommerferien kommt Britta Jung am Pirmasenser Immanuel-Kant-Gymnasium in die elfte Klasse, das Abitur ist nicht mehr weit weg. Sie hat die Leistungsfächer Mathematik, Geschichte gewählt – und Französisch. „Ich muss effektiv lernen, auch auf den Fahrten. Aber ich bekomme das gut hin, und meine Geschwister haben es ja auch geschafft“, sagt sie.
Französisch hat sie nicht nur in der Schule
Französisch kann sie tatsächlich auch gut im Alltag gebrauchen. Denn seit zwei Jahren hat sie sich im Nachbarland dem KC Metz angeschlossen, dort eine schöne Gemeinschaft gefunden. Ihr Landeskader-Trainer Jörg Blees hatte ihr dazu geraten. „Wegen der besseren Strecken und weil ich dann mehr Wettkämpfe habe“, erklärt Jung. Ein kluger Schachzug: Zweimal startete sie seither bereits bei den französischen Meisterschaften, 2024 gewann sie dabei zwei Gold- und zwei Silbermedaillen.
Immer wieder, eineinhalb Stunden lang, fährt Britta Jung im Training auf dem Schwarzbach die Tore stromabwärts und stromaufwärts an und passiert sie möglichst ohne Torberührung. Ab und an werden Tore umgehängt und danach anders angefahren.
Dabei ist ganz klar das Kajak Britta Jungs Ding. „Canadier und Kajak-Cross fahre ich eher zum Spaß“, verdeutlicht sie. Es sei zwar interessant, beim Kajak-Cross (2024 in Paris erstmals als neue olympische Disziplin direkt gegen andere Athletinnen zu fahren), aber „da ist auch viel Glück dabei“. Hat sie als frisch gebackene Kaderathletin schon mal einen Gedanken an Olympia verschwendet? „Eigentlich noch gar nicht so. Ich will jetzt einfach mal das Jahr im U18-Kader genießen und gucken, was kommt.“