Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Bonnie Tyler verdient Respekt

Bot ihren Fans ein 80-minütiges Konzert samt Anekdoten: Bonnie Tyler.
Bot ihren Fans ein 80-minütiges Konzert samt Anekdoten: Bonnie Tyler.

Bonnie Tyler gehört seit 50 Jahren zu den beliebten Showgrößen in Deutschland. Dabei war ihr Karriereweg alles andere als geradlinig. Doch die Britin fand immer wieder neue Wege zur Musik. Am Dienstagabend trat sie vor 1200 Gästen in der Saarbrücker Saarlandhalle auf.

1977 wurde Bonnie Tyler auf einen Schlag bekannt. In Kultsendungen wie „Disco“ und „Musikladen“ sang sie ein Stück Popmusik namens „Lost In France“. Mit „It’s A Heartache“ gelang ihr 1978 schließlich ein Welterfolg, der die Blondine für den kultigen Bravo-Starschnitt – in Lebensgröße – qualifizierte. Beide Titel spielte und sang Tyler auch bei ihrem Auftritt am Dienstag in der Saarlandhalle. Nahezu in Originalfassung. Zur Freude eines freundlich agierenden Publikums.

Denn nicht immer trifft die in schwarze Leggings, T-Shirt und Lederjacke Gekleidete an diesem Abend den rechten Ton. Es kommt hin und wieder sogar vor, dass sie ihre Band ins Schleudern bringt. Spielt das aber eine Rolle? Tyler macht kein Geheimnis daraus, dass sie auf Gesang aus dem Publikum hofft. Sie beginnt mit Carrie Underwoods „Flat On The Floor“, und schon bei „Have You Ever Seen The Rain?“ von Creedence Clearwater Revival gehen einige der 1200 Besucher beim Refrain kräftig mit.

Das Angebot von Kiss

Tyler bedankt sich dafür und erzählt, dass der deutsche Musikmarkt ihr wichtigster ist. Wie viel Freude ihr Konzerte noch bereiten, beweist sie, indem sie viele Anekdoten ausplaudert. Sie erzählt, dass ihr Paul Stanley von Kiss einst „Hide Your Heart“ angeboten habe, weil der Song viel besser zu ihr passe. Ein Jahr später spielt seine Band ihn doch noch selbst ein. „Vielleicht, weil Kiss nicht so glücklich mit meiner Fassung war“, scherzt die Sängerin.

Gegen Ende des Abends, der mit 80 Tyler-Minuten etwas kurz ausfällt, berichtet sie, wie schwer sie der Tod von Tina Turner getroffen habe. „Ich hatte das Glück, ihr mehrfach zu begegnen – und sie war einfach die Beste.“ „The Best“ ist dank Tina Turner weltberühmt geworden. Das Original stammt aber von Bonnie Tyler. Die Tyler- unterscheidet sich dabei gar nicht so sehr von der Turner-Version. Wobei die von Tina kraftvoller ist und von Tyler auch in deren Arrangement gesungen wird.

Bonnie Tyler und Jim Steinman

Und natürlich spricht der Star des Abends auch über den großen – ebenfalls verstorbenen – Jim Steinman. Der hatte mit seinen Liedern Meat Loaf zum Weltstar gemacht. 1983 war Tyler zur Plattenfirma CBS gewechselt und wollte unbedingt, dass Steinman Lieder für sie schreibt. „Meine Plattenfirma hat mich deshalb für verrückt erklärt“, sagt sie. Drei Wochen nachdem Steinman und Tyler sich tatsächlich kennengelernt hatten, habe er ihr „Total Eclipse Of The Heart“ angeboten, das Tyler in der Saarlandhalle weitaus besser gelingt als der andere von Steinman komponierte Welterfolg, nämlich „Holding Out For A Hero.“ Hier ist die Stimme dann doch enorm überfordert. Aber ist das schlimm?

Das muss jeder Besucher für sich selbst entscheiden. Man darf dabei eines nicht vergessen: Während Tina Turner schon mit 69 ihren Rücktritt von Konzerten erklärt hat, bietet Tyler als drei Jahre ältere Frau immer noch die Gelegenheit, Musikgeschichte am Original zu inhalieren. Live, ohne den doppelten Boden moderner Technik, die dabei helfen könnte, Schwächen insgeheim auszubügeln. Das verdient großen Respekt.

Die Ex-Frau von Stefan Mross

Im Vorprogramm von Bonnie Tyler trat das Trio „More Than Words“ auf, das sich als erste Patchwork-Countryrockband der Welt versteht. Verantwortlich für die Musik ist Lanny Lanner, der in Begleitung seiner Frau Stefanie Hertel und Johanna Mross auftrat. Was im Publikum möglicherweise etwas unterging: Es handelte sich hierbei in der Tat um die einst mit Stefan Mross verheiratete Stefanie Hertel und um deren gemeinsame Tochter Johanna.

Lanner deutete mit eigens produzierten Liedern an, dass das Trio durchaus das Potenzial hat, gehört zu werden. „Dancing Queen“ von Abba und andere Coverversionen im Cowboy-Sound wirkten in den 45 Minuten vor dem Topact hingegen etwas befremdlich. Bitte mehr Mut zum eigenen Schaffen. Das könnte sich lohnen.

Mehr zum Thema
x