Zweibrücken BLICKPUNKT: Eindrücke von der Sportlerparty: Kein Platz für Rivalitäten

Voll besetzt war gestern Abend die Gaststätte der VT Contwig bei der RHEINPFALZ-Sportlerwahl. Im Vordergrund links Gehörlosenfuß
Voll besetzt war gestern Abend die Gaststätte der VT Contwig bei der RHEINPFALZ-Sportlerwahl. Im Vordergrund links Gehörlosenfußball Kevin Schley, Zweite von rechts ist LAZ-Sprinterin Sina Mayer.

«Contwig.» In seiner launigen Begrüßung hatte Georg Altherr, der Leiter der RHEINPFALZ-Lokalredaktion Zweibrücken, die Versöhnungskünste von Contwigs Ortsbürgermeister Karl-Heinz Bärmann gelobt. Der Bürgermeister habe mit seiner Strategie, Menschen an seine Brust zu drücken, manchen Konflikt gelöst. An der Bärmann’schen Brust, in inniger Umarmung, erlahme jeder Widerstand. So einmütig, wie heute Contwiger und Stambacher in einer Gemeinde zusammenleben, saßen und standen gestern Abend in der Gaststätte der VT Contwig die Nominierten der RHEINPFALZ-Sportlerwahl beieinander. Handballer, Eishockeyspieler, Voltigierer, Rennreiter, Fechter, Sprinter, Schwimmer und Fußballer, die ganze Bandbreite des Sports aus dem Zweibrücker Land war abgebildet. Häufig, wenn RHEINPFALZ-Chefredakteur Michael Garthe die Erfolge der Sportler nannte, war ein anerkennendes Raunen zu vernehmen. Und so mancher Sportler, der sich auf einem der vorderen Plätze wiederfand, konnte gar nicht glauben, gegen wen er sich da durchgesetzt hatte. „Naja, Fünfter wollte ich nicht werden“, sagte der Gehörlosen-Fußballer Kevin Schley, der nie damit gerechnet hatte, Rang zwei bei den Sportlern zu belegen. „Mich kennt ja niemand, ich hab auch nicht viel Werbung gemacht“, bemerkte er. „Zweiter hört sich aber gut an“, ergänzte der 17-Jährige, der in der Gehörlosen-Jugendnationalmannschaft spielt und ein treffsicherer Torjäger ist. Seinen Meister fand Schley gestern in Handballer Marc-Robin Eisel. Der Junioren-Nationalspieler gewann die Leserwahl mit nur 16 Stimmen Vorsprung. Mit dem Sieg bei der Wahl hatte er nicht gerechnet. Eisel war gestern Abend auf dem Sprung, kurz nach der Ehrung machte er sich auf den Weg nach Dansenberg, wo er seit Januar für den TuS in der Dritten Liga aufläuft. In Zweibrücken, im A-Junioren-Bundesligateam des SV 64, ist er Führungskraft. Beim TuS ist er fast noch Lehrling. „Die Mannschaft weiß, was ich kann“, sagte er selbstbewusst. Seit Eisel in Dansenberg aufläuft, wächst bei den Lauterer Vorstädtern die Hoffnung, den Abstieg aus der Dritten Liga vermeiden zu können. „Wir waren in den letzten Spiel richtig gut“, ergänzte Eisel. „Aktivenhandball ist noch mal was anderes. Und die Stimmung in der Halle ist dort deutlich besser, als bei unseren A-Jugend-Spielen“, sagte er. Dass die Eishalle am Flugplatz in der Saison 2016/17 ein Publikumsmagnet in der Stadt war, lag an der herausragenden Saison, die der EHC Zweibrücken mit der Regionalliga-Meisterschaft krönte. Dafür wurden die „Hornets“ jetzt von den RHEINPFALZ-Lesern noch einmal geehrt und zur Mannschaft des Jahres gewählt. Der sportliche Lorbeer ist 2018 welk geworden, das Team von Trainer Tomas Vodicka hat das Saisonziel verfehlt, die Play-offs verpasst. „Uns hat das Glück gefehlt“, bemerkte Bernd Hartfelder. Seit 1993 läuft er mit einem Jahr Unterbrechung für die „Hornets“ auf, zusammen mit den anderen beiden Urgesteinen Andre Nunold und Michael Neumann „habe ich auch die schlechten Zeiten mitgemacht“, sagte er. Die vergangene Saison hat er dauerverletzt verpasst, altersbedingt habe er zwar ans Aufhören gedacht, aber jetzt wolle er versuchen fit zu werden und wieder mitzuspielen. Für ihn überstrahlt die Regionalliga-Meisterschaft die zurückliegende Saison. „Das Saisonfinale 2017, dass wir den Titel daheim gewonnen haben, nach so einem Krimi, daran werde ich mich mein Leben lang zurückerinnern“, sagte er. Dass es diesmal auch bei der RHEINPFALZ-Wahl zum Sieg gereicht hat, macht ihn ein bisschen stolz. 2015 mussten sich die „Hornets“ hinter den damaligen Siegerinnen Jasmin Glahn und Mara Marschall einreihen. Die beiden Voltigiererinnen lagen dieses Mal 53 Stimmen hinter den „Hornets“. 1678 Leser haben in diesem Jahr abgestimmt. 1074 taten das über das Internet, 604 Stimmzettel aus der Zeitung wurden ausgefüllt. Die Internet-Nutzer hatten andere Favoriten als die klassischen Stimmzettel-Ausfüller. Hätten nur die Online-Stimmen gezählt, dann hätten Chiara Kehrer und Kevin Schley bei den Einzelsportlern das Rennen gemacht. Doch im Hornbachtal setzt man noch auf die traditionelle Art der Abstimmung: 355-mal war auf den Stimmzetteln der Name Marlene Hüther angekreuzt, das spülte die Dietrichingerin in der Gesamtwertung nach vorne. Nur mit Internetstimmen wäre die Schwimmerin Vierte geworden. Zwei Besonderheiten zeigten sich beim Stimmverhalten: Die Bewohner der Höhengemeinden stimmten für die Sportler von der Höhe, die Kombination Kehrer (Knopp), Schley (Martinshöhe) und Glahn/Marschall (Bundenbach) fiel ins Auge. Und dass Handballer, wenn es um ihren Sport geht, auch mal lokale Rivalitäten vergessen können: So fand sich häufig die Kombination Berger, Eisel, VTZ Saarpfalz auf den Zetteln, obwohl Berger und Eisel dem SV 64 entstammen. Was bedeutet das: Die RHEINPFALZ-Sportlerwahl kann, wie Gastgeber Karl-Heinz Bärmann, alte Rivalitäten vergessen lassen.

Der Moment des Sieges für den ECH Zweibrücken (von links): Thorsten Rehfeld, Tomas Vodicka und Bernd Hartfelder freuen sich.
Der Moment des Sieges für den ECH Zweibrücken (von links): Thorsten Rehfeld, Tomas Vodicka und Bernd Hartfelder freuen sich.
Erst die Trophäe, dann das Training: Marc-Robin Eisel musste nach der Partie noch beim TuS Dansenberg antreten.
Erst die Trophäe, dann das Training: Marc-Robin Eisel musste nach der Partie noch beim TuS Dansenberg antreten.
Schnittchen gab es für Seniorenfechter Volker Petri und seine Ehefrau Waltraud.
Schnittchen gab es für Seniorenfechter Volker Petri und seine Ehefrau Waltraud.
Die Rennreiterin Chiara Kehrer aus Knopp feierte ihren zweiten Platz bei der Sportlerwahl gestern im Kreis von Familie und Freun
Die Rennreiterin Chiara Kehrer aus Knopp feierte ihren zweiten Platz bei der Sportlerwahl gestern im Kreis von Familie und Freunden, links Karoline Lehmann, rechts ihr Freund Daniel Vollmar.
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