Zweibrücken „Bitte näher zusammenrücken!“

Ramstein, Air Base, Menschkette vor dem Westgate am Samstag.
Ramstein, Air Base, Menschkette vor dem Westgate am Samstag.

Zwischen 3000 und 5000 Friedensbewegte sind am Samstag in Ramstein-Miesenbach zusammengekommen, um gegen die Präsenz des örtlichen amerikanischen Militärstützpunktes sowie den Einsatz von Drohnen zu demonstrieren.

Zur Mittagszeit scheint Petrus noch ein Friedensfreund. Laue Frühherbst-Winde lässt der Wettergott an diesem Samstag über den Prometheus-Platz wehen, der das Rathaus von Ramstein mit dem Haus des Bürgers verbindet. Ganz gemütlich tröpfeln um diese Stunde immer mehr Familien, kleine Menschengruppen und Einzelpersonen ein. Die einen parken ihre Autos in der Nähe, die anderen packen ihre mitgebrachten Butterstullen aus. Fast entsteht der Eindruck, an diesem Tag stünde eine Art Bürgerfest in dem Westpfälzer Städtchen bevor. Und tatsächlich spielt auch bald Musik auf, handgemacht natürlich. Dabei ist der Grund für diesen Menschen-Auflauf, glaubt man seinen Veranstaltern, ein ziemlich ernster und dramatischer. „Stopp Air Base Ramstein – Nein zu Drohnen und Krieg!“ lautet die Parole, zu der eine Reihe von politischen Organisationen für diesen Samstag, 9. September, aufgerufen haben. Bereits im dritten Jahr hintereinander kommen Friedensfreunde aus allen Himmelsrichtungen in die Westpfalz, um hier gegen die Präsenz der amerikanischen Streitkräfte im Allgemeinen und gegen den Einsatz von unbemannten Kriegsflugkörpern den so genannten Drohnen – im Besonderen zu demonstrieren. Die werden angeblich auch von Ramstein aus zu ihren Einsätzen in aller Welt gesteuert. Diese Nachricht ist zwar inzwischen nicht mehr ganz neu, sorgt aber offenbar doch für eine wachsende Mobilisierung. Vor zwei Jahren waren es noch ein paar hundert Menschen, die nach längerer Demo-Pause wieder in Ramstein zusammenkamen. Im vergangenen Jahr stieg ihre Zahl auf rund 2000, und die Veranstalter hätten ihr hehres Ziel beinahe erreicht: Nämlich eine Menschenkette zu bilden, die das gesamte Gelände der US Airbase zumindest symbolisch blockiert. An diesem Samstag ist die Zahl der Demonstranten sichtbar weiter angestiegen. „Bitte näher zusammenrücken!“ lautet denn auch die Ansage der Organisatoren, denn es wird ziemlich eng auf der halbseitig gesperrten Zufahrt zum West-Gate. Die Veranstalter werden später von rund 5000 Teilnehmern sprechen, die zuständige Polizei-Inspektion Landstuhl hat auf Anfrage der RHEINPFALZ „etwa 3000“ gezählt, die „im übrigen ohne größere Zwischenfälle“ demonstriert hätten. „Fünf Teilnehmer haben kurzfristig versucht, auch die offen gehaltene Fahrbahn zu blockieren,“ berichtet Einsatzleiter Joachim Baadte und fügt hinzu: „Wir mussten einen von ihnen Weg tragen und haben allen fünf ein Platzverbot erteilt.“ „Auf jeden Fall hat die Zahl der Demonstranten diesmal ausgereicht, um die Menschenkette ohne Lücken und ohne Hilfe von bunten Bändern zu schließen“, freut sich Reiner Braun vom Koordinierungsbüro der Kampagne, das seinen Sitz in Berlin hat. Und Alexander Ulrich, als örtlicher Bundestagsabgeordneter der Linken sozusagen beruflich vor Ort, hat diesmal sogar „eine steigende Zahl von Teilnehmern aus unserer Region“ ausgemacht. Diese Präsenz der Teilnehmer verringert sich allerdings schlagartig, als die Kundgebung am Nachmittag ihren politischen Höhepunkt erreichen soll. Soeben ist Oskar Lafontaine, noch immer Fraktionsvorsitzender der Linken im saarländischen Landtag, seiner schwarzen Dienstlimousine entstiegen und hat zu seiner Rede „gegen den militärisch-industriellen Komplex“ angehoben, der nach seiner Ansicht „für eine ständig wachsende Kriegsgefahr auch bei uns in Europa“ verantwortlich ist. Und schon scheint Petrus seine Haltung zu ändern: Ohne jede Ankündigung lässt er einen schweren Regenschauer auf den Landstuhler Bruch niedergehen. Wie auf Kommando suchen die Demonstranten eiligen Schrittes nach einem trockenen Plätzchen.

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