Homburg Bilder und Symbole zum 7. Oktober

Relief „Portal“ von Peter Spiegel
Relief »Portal« von Peter Spiegel

Wie verwandelt man Gedanken, die nach einem KZ-Besuch und nach dem Anschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023 entstehen, zu Kunst: Peter Spiegel zeigt es.

Es sind keine normalen Bilder, die der Blieskasteler Maler und Grafiker Peter Spiegel (81) den Besuchern im Homburger Landratsamt präsentiert. Auf eine Wand konzentriert hängen dicht an dicht, so wie es gerade passt, 26 Kunstwerke in verschiedenen Größen. Petersburger Hängung nennt man so etwas. Für den Besucher ist es nicht einfach, sich da auf ein Werk zu konzentrieren, doch Peter Spiegel wollte es so, „weil alle Bilder zusammenhängen“.

Peter Spiegel
Peter Spiegel

Der Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald, der Anschlag der Hamas auf Israel und die Bilder dazu, „an denen ich heute noch zu knabbern habe“, waren dem ehemaligen Absolventen der Saarbrücker Werkkunstschule und der Kunstakademie in Karlsruhe ein Anlass, für die Ausstellung, die er „Dispoara“ nennt. „Das meint Vertreibung, Verstreuung“, erklärt er und denkt in erster Linie an jüdische Menschen – fast die Hälfte der Arbeiten zeigt einen Davidstern – aber auch allgemein an Menschen die verfolgt und bedroht werden. Die Bilder – eigentlich sind es Reliefs – sind nicht gerade fröhlich, die Farben gedeckt, und die Materialien archaisch: Jute, Sisal, Lehm, Asche, Stroh. Doch dann gibt es immer wieder überraschend Lichtblicke: Spiegel, Goldverzierungen, helle Teile. So wie bei dem vergoldeten „Portal“, das könnte das verlorene Paradies sein, so Spiegel, denn in der vergoldeten Tür kann man auch Pflanzen entdecken, wenn man ganz nah herangeht. Noch ist das Portal verschlossen, aber es könnte ein Ausblick auf eine glücklichere Zukunft sein.

Relief „Brandzeichen“ von Peter Spiegel.
Relief »Brandzeichen« von Peter Spiegel.

Die meisten Bilder erschließen sich nicht sofort, auch nicht unbedingt, wenn man ihre Titel kennt, die man in einer Liste nachlesen kann, schließlich will Peter Spiegel die Besucher zum intensiven Nachdenken bringen. Am einfachsten geht das, wenn man an die dunklen Seiten der Menschheit denkt. Da gibt es eine weiße Figur auf der einen Seite, die übersät ist mit Narben oder auch gefesselt mit Seilen, und eine ähnlich malträtierte schwarze Figur auf der anderen Seite, die wegen des umrissförmigen Lichtkranzes jedoch auch etwas Ikonenhaftes bekommt.

Ein heller gefesselter Mensch, der auch noch aufgehängt sein könnte, lässt an die Geiseln der Hamas denken. Eine verschleierte Frau („Anonymes Porträt“) kombiniert Spiegel mit einem Spiegel, in dem man sich selbst sehen kann, sofern man groß genug ist, denn das Bild hängt recht hoch. Hier geht es um die Rolle der Frau im Islam.

Die komplette Installation mit den 26 Kunstwerken von Peter Spiegel im Homburger Landratsamt.
Die komplette Installation mit den 26 Kunstwerken von Peter Spiegel im Homburger Landratsamt.

Im Zentrum der Kunst-Wand steht Israel, das „zerrissene Land“, wie das Relief heißt, das einen dicken hellen Landstreifen mit großen Davidstern zeigt, umgeben von dunklen Rändern, also von Bedrohung.

Wie die Luftaufnahme einer im Krieg zerstörten Stadt mit Häusern und Straßen erscheint ein quadratisches Relief („Wüst und leer“), mit kleinen dunkelbraunen Tonklötzen zwischen langen Rillen. Eine andere Arbeit zeigt ein bei der Bombardierung übrig gebliebenes Fenster. Auf einem anderen weiteren Relief verschwindet der Davidstern in der Tiefe, was für Spiegel bedeutet: „Ich habe Sorge, dass die uralte jüdische Religion verloren geht“.

„Wüst und leer“ (Ausschnitt) von Peter Spiegel
»Wüst und leer« (Ausschnitt) von Peter Spiegel

Es gibt Arbeiten mit Splittern, mit Schnüren, mit Gittern, die Reliefs haben verschiedene Größen, sind auch mal uneben, zerfranst, und doch sind die Kunstwerke auf der Wand in Balance: als ein Zeichen der Hoffnung, könnte man denken. Auf jeden Fall ist es eine Ausstellung, die man nicht einfach wegstecken kann - mit Werken, die nachwirken.

Info

Peter Spiegel: „Diaspora“, Malerei, Reliefs, Homburg, Landratsamt, Am Forum, zweite Etage, 7. Oktober bis 7. November, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8-12 und 13-15.30 Uhr, Freitag 8-12 und 13-15 Uhr.

Vernissage: 7. Oktober, 18 Uhr, es sprechen Landrat Frank John, Kuratorin Jutta Schwan, Peter Spiegel erklärt seine Werke.

Achtung: Jeder, der die Ausstellung besuchen möchte, muss sich wegen der Zugangsbeschränkungen zur Kreisverwaltung (Sicherheitsdienst) vorher anmelden per E-Mail an eleonora.lupp@saarpfalz-kreis.de oder Telefon 068411048266.

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