Zweibrücken
Bieter-Wettrennen um die Eishalle
Im Juni 2010, vor elf Jahren, eröffnete das privat und kommerziell betriebene Freizeitzentrum. Sein „Macher“ war der eishockeybegeisterte Thorsten Winter. Die Verwirklichung seines Traums erlebte er nicht mehr. Kurz nach Baubeginn verstarb der Versicherungsmakler im September 2009. Seine Idee, sein Plan, wurde aber umgesetzt. Ergänzt durch einen 900 Quadratmeter großen Anbau und ansonsten vollkommen umgebaut, entstanden um die Eishalle ein Innen-Kinderspielplatz, Bowlingbahnen, ein Golf-Parcours in fluoreszierendem Licht, Innen- und Außengastronomie. „Unsere Kunden kommen aus einem 50-Kilometer-Umkreis“, sagt Heiko Doll, der zusammen mit Claudia Winter die Geschäfte der World of Fun Freizeitpark GmbH führt. Sein verstorbener Geschäftspartner und Freund habe mit der Idee, für ganz Klein bis Groß Sport- und Spielmöglichkeiten zu geben, richtig gelegen. Wobei die private Investition von damals – sechs Millionen Euro, abzüglich öffentlicher Städtebau-Förderung – ein nicht unerhebliches Risiko gewesen sei. Das sich freilich nach zehn Jahren nicht mehr als solches darstelle.
Die Freizeitpark GmbH will die „Spaßwelt“ noch lange, sehr lange, betreiben. Aber: Man habe sich im vergangenen Jahr entschlossen, den Betrieb vom Immobilienbesitz zu trennen. Ein ganz normaler Vorgang. Bei den wohl meisten Unternehmen sind Betriebs- und Besitzgesellschaft getrennt. Um auch die World of fun so aufzustellen, habe man einen spezialisierten Makler beauftragt, Kaufinteressenten für das gut 17 000 Quadratmeter große Grundstück mit 7000 Quadratmetern Innenfläche zu finden. Doll betont: „Es geht nur um ein sogenanntes Verkaufs- und Rückmietangebot. In den Anzeigen haben wir formuliert, dass ein Pachtangebot für mindestens zehn Jahre besteht. Niemand muss Angst haben, dass der Eislauf eingestellt wird und der EHC seine Heimat verliert. Für die Kunden bleibt alles, wie es ist.“ Dass die Gesellschafter ihre Immobilienschulden irgendwann mal ablösen wollen, müsse man verstehen. Der Betrieb werde darunter nicht leiden.
Für 4,15 Millionen Euro wurde die Immobilie im vergangenen Herbst angeboten. Verkauft sei noch nicht, Geschäftsführer Doll geht aber davon aus, dass es 2021 zu einem Abschluss kommen wird. Warum? Weil, das Angebot einen Run ausgelöst habe, ein immens großes Interesse bei Investoren. Es erweise sich einmal mehr, dass Auswärtige einen ganz anderen Blick auf die Region hätten. Die Bewertungen von Lage und Potenzial seien viel günstiger als von Zweibrückern oder Westpfälzern selbst. Nach großzügigem Aussortieren spricht er von einer zweistelligen Zahl ernsthaft Kaufwilliger. Die meisten kämen aus Deutschland, aber nicht nur. Man verhandele intensiv. Doll macht klar, dass er am liebsten einen Partner für seine Betriebsgesellschaft hätte, der das Projekt weiterentwickeln wolle. Investoren gebe es viele: Investoren, die sich als Entwickler verstünden, glücklicherweise aber auch. Auch unter den konkreten Kaufinteressenten.
Unabhängig von der Eigentümerfrage treibe man auch in Lockdown-Zeiten, den Zwangsschließungen von Gastronomie und Freizeitanlagen, die Betriebsentwicklung voran. Einige Entscheidungen seien gefallen. „Das Restaurant Terra wird nicht mehr eröffnen. Nach zehn Jahren richten wir das gastronomische Konzept neu aus. Und die Betriebszeiten werden sich ändern“, sagt Heiko Doll. Letzteres heiße, dass abgesehen von der Eishalle (Doll: „Die Eislaufzeiten bleiben für den Freizeitlauf, den Schul- und den Vereinssport wie sie waren“) man die anderen Betriebseinheiten auf Donnerstag bis Sonntag verkürze. Montag bis Mittwoch sei das Geschäft in der Kinderspielhalle, bei Bowling, Golf und in der Gastronomie, schwach gewesen. Zu schwach. Und für die Gastronomie habe man nach zehn Jahren Handlungsbedarf gesehen. Ein À-la-carte-Restaurant, das Terra-Konzept mit 60 Plätzen, sei nicht das Richtige gewesen. Restaurant-Besucher seien nicht bowlen oder Eis laufen gegangen und umgekehrt. Klar sei, dass die GmbH selbst die Gastronomie betreiben werde, also etwa keine Fastfood-Kette übernehmen wird. Bis zur erhofften Wiedereröffnung, dann: Neueröffnung, im September, wenn etwa durch hohe Impf-Raten das Pandemie-Geschehen hoffentlich im Griff ist, werde man noch am Konzept feilen. Entlassungen bei den Festangestellten habe es im Zuge der Terra-Entscheidung nicht gegeben, versichert Heiko Doll. Wie ganz zu Beginn, habe die World of fun Freizeitpark GmbH 13 Festangestellte, die nun schon seit Monaten in Kurzarbeit sind.
Man brenne auf die Gelegenheit für einen Neustart, habe aber aus der Zwangspause das Beste gemacht. „Wir haben die Zeit zum Überlegen und Handeln genutzt“, erklärt Heiko Doll. Er selbst freue sich auf das, was da komme – möglichst bald komme.