Zweibrücken / Homburg
Besuch der Majestät: Fans klatschen Silvia von Schweden Beifall und schwenken Fahnen
„Wie Sie vielleicht alle wissen, war die Saarpfalz durch Erbfolge vor langer Zeit einmal schwedisch“, erinnerte Königin Silvia am Mittwochnachmittag im Hörsaal des Uniklinikums Homburg an die einstigen schwedischen Könige Karl XI. und Karl II. aus dem Hause Pfalz-Zweibrücken.
Es war ein besonderer Moment, als der Tross zuvor um die Mittagszeit vor dem Zweibrücker Landschloss Fasanerie angekommen war. Etwa 50 Schaulustige hatten sich hinter einer Polizeiabsperrung versammelt. Sie alle wollten einen kurzen Blick auf Königin Silvia erhaschen. Die Monarchin stattete der Rosenstadt einen Besuch ab, um sich in der Fasanerie ins Goldene Buch der Stadt einzutragen und anschließend an einem Benefiz-Essen zugunsten ihrer World-Childhood-Stiftung teilzunehmen.
Händeschütteln mit 92-jährigem Fan
Wo man hinsah an dem idyllischen Fleckchen in der Tschifflick, umstanden Polizisten weiträumig das Hotelgebäude. „Wir haben uns die örtlichen Gegebenheiten vorher genau angesehen und Unterstützung von der Bereitschaftspolizei erhalten“, sagte der Zweibrücker Polizeichef Nicolai Zöller. Wie viele Beamte genau im Dienst waren, verriet er nicht.
Als die Königin einem schwarzen 7er BMW entstieg, applaudierten Zaungäste aller Altersstufen. Die Älteste war wohl Anneliese Schmidt aus Bubenhausen. Ihr gab die Monarchin sogar die Hand. „Da muss ich erst 92 Jahre alt werden, um eine Königin zu treffen. Sie war sehr nett“, strahlte die Seniorin im Anschluss.
Schwedisch lernen muss keiner
Beim Aussteigen aus dem Auto wurde Königin Silvia von Ministerpräsident Alexander Schweitzer und Oberbürgermeister Marold Wosnitza in Empfang genommen. „Ich bin sehr froh, dass sie Zwischenstation in Zweibrücken macht“, sagte Schweitzer. Nervös sei er nicht: „Die Vorfreude überwiegt.“ Schwedisch musste er dafür nicht lernen, bekanntlich ist Königin Silvia ja gebürtige Deutsche.
Der Zweibrücker Oberbürgermeister war vor dem Besuch allerdings sehr nervös, wie er gestand. Wosnitza hatte sogar seine Amtskette angelegt: „Zum ersten Mal seit meiner Amtseinführung.“ Die schwedische Königin war die erste Person, die sich in das nagelneue Goldene Buch der Rosenstadt eingetragen hat: Das alte Buch ist vollgeschrieben. „Das passt perfekt. Der erste Eintrag ist ein Königssiegel“, freute sich der Stadtchef.
Das neue Childhood-Haus
Eigentlicher Anlass des königlichen Besuchs in der Region war die Eröffnung eines Childhood-Hauses an den Homburger Unikliniken. Vor 25 Jahren hatte Silvia die Childhood-Stiftung gegründet: Diese gemeinnützige Organisation betreibt Häuser, in denen Kinder betreut werden, die sexualisierter oder körperlicher Gewalt zum Opfer gefallen sind. In geschützter, möglichst kindgerechter Umgebung werden die Kinder medizinisch untersucht; Vertreter von Polizei und Justiz kommen in das Haus, damit die kleinen Gewaltopfer nicht den belastenden Gang zum Gericht oder auf die Polizeiwache antreten müssen. Bei Gerichtsverhandlungen werden die Aussagen der Kinder direkt aus dem Childhood-Haus per Videotechnik in den Gerichtssaal übertragen.
Das Childhood-Haus an den Homburger Unikliniken ist das elfte seiner Art in Deutschland. Das von hier aus nächstgelegene befindet sich in Königin Silvias Heimatstadt Heidelberg. Vertreter des Johanniter-Ritterordens, der das Homburger Haus mit 1,2 Millionen Euro gefördert hat, versprachen, sich um die Ansiedlung weiterer Childhood-Häuser in jenen Bundesländern zu bemühen, in denen es so etwas noch nicht gibt.
Streng nach Hofprotokoll
Ein offizielles Gastgeschenk von der Stadt hat die Königin bei ihrem Besuch in Zweibrücken übrigens nicht bekommen. Das sei bei als privat geltenden Besuchen nicht üblich, erklärte Rathaussprecher Jens John. Förmlich begrüßt wurde die Monarchin aber: Bei der Anrede gilt das Hofprotokoll. Die Königin wurde als „Eure Majestät“ in der dritten Person angesprochen. Männer gaben der Königin die Hand und verbeugten sich, Frauen machten einen Knicks.
Zur Person: Königin Silvia von Schweden
Königin Silvia von Schweden stammt aus Deutschland. Am 23. Dezember 1943 wurde sie in Heidelberg als Tochter des Geschäftsmanns Walther Sommerlath und dessen brasilianischer Ehefrau Alice Soares de Toledo geboren. Nach dem Abitur 1963 besuchte sie ein Sprachen- und Dolmetscherinstitut in München. Kennengelernt hat sie den schwedischen König Carl XVI. Gustaf 1972 in München, wo sie sich bei den Olympischen Spielen als internationale Gästebetreuerin (Hostess) engagierte. Das Paar heiratete am 19. Juni 1976 in Stockholm. Silvia und Carl Gustaf haben drei Kinder: Kronprinzessin Victoria, Prinzessin Madeleine und Prinz Carl Philip. Hinzu kommen sechs Enkelkinder. 1999 gründete Königin Silvia die World-Childhood-Stiftung für benachteiligte und missbrauchte Kinder. Auf ihre Initiative geht auch das schwedische „Silviaheim“ für Demenzkranke zurück. Die Monarchin ist Ehrenbürgerin von Heidelberg und Schirmherrin von über 60 Vereinigungen. Königin Silvia spricht neben Schwedisch und Deutsch auch Französisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch.