Zweibrücken
Beste Stimmung bei Metal-Festival
Die Bands Desidera, Sworn Allegiance und Inherit the Ashes zogen am Samstag rund 150 Genre-Fans nach Zweibrücken ins Erdgeschoß/Gasthaus Sutter.
Wenn Christoph Müller, der Initiator und Organisator des Festivals, selbst an der Abendkasse sitzt, dann weiß der Szenekenner, dass er sich tief im Heavy Metal-Underground tummelt, wo die Musiker noch selbst mit anpacken und in fast jeden Aspekt eines Konzertabends involviert sind.
Als sogenannter Opener enterte Sworn Allegiance aus dem Saarland die Bühne. Das Quintett gründete sich erst im Frühjahr 2023, frönt dem Segment Blackened Thrash Metal inklusive Anleihen aus dem Death Metal und hat bereits im April vorigen Jahres eine 4-Song-EP in Eigenregie veröffentlicht. So servierte die Band den besagten Tonträger auch live in voller Länge, inklusive der neueren Komposition „Subtile Terror“ und dem spannenden Acht-Minuten-Epos „Left to Die“. Dieses war der Höhepunkt ihres Auftritts und überzeugte mit spannenden Breaks und Tempi-Wechseln.
Los ging die Show jedoch mit dem Stück „The Escape“, das vom Online-Magazin „Festivalstalker“ als Mixtur aus Venom und alten Sodom beschrieben wurde, was absolut zutrifft. „Thrash Alliance“ überzeugte hingegen mit starken Leadgitarrenarbeit in Iron Maiden-Manier, wohingegen „Raiders of the Lost Ark“ als flotte Headbanger-Nummer durchs Ziel ging. Sänger und Gitarrist Steve Digger hatte die Fans jederzeit im Griff und mischte sich auch mehrmals unters headbangende Volk, das lauthals eine Zugabe forderte und den Auftritt mit lautem Gejohle belohnte.
Wucht und Dynamik
Die Musiker von Inherit the Ashes spielen Death Metal, würzen jedoch eine Prise Black Metal hinzu. Gegründet im November 2022 in Zweibrücken veröffentlichte das Trio bereits ein halbes Jahr später die erste Single „Florida Man“, die auch international überaus positives Feedback nach sich zog. Dieser brachiale Song, zu dem auch ein professionelles YouTube-Video gedreht wurde, war der Einstieg ins Konzert, das man durchweg mit enormer Wucht, Dynamik und gutturalem Gesang des Sängers und Bassisten Nicolas Perrault bestritt.
Zusammen mit Jan Feld an der Gitarre und Norman Mann hinterm Schlagzeug präsentierte sich die Truppe sehr harmonierend und spielfreudig. Als weitere Höhepunkte müssen der behäbige, fast schon hypnotische Stamper „In the Realms of Fire“ und das abwechslungsreich arrangierte „Idolmaker“ genannte werden. Die Fans honorierten auch diesen Auftritt mit viel Beifall.
Songwriting-Talent
Die vierköpfige Formation Desidera aus Contwig bei Zweibrücken wiederum gründete sich bereits 2021 und spielt nach Aussage ihres Trommlers Christoph Müller im weitesten Sinne groovigen Progressive Metal. Das Konzert verdeutlichte jedoch, dass die vier Musiker auch Elemente des Death Metal, Hardcore und Industrial in ihren ureigenen Sound einbinden. Als Vergleiche seien die bekannten Acts Mastodon und Gojira genannt.
Schon der zweite Song „Kaventsmann“ verdeutlichte das Songwriting-Talent und die enorme Kraft der Band auf der Bühne. Das ist nochmal eine andere Hausnummer, als sich Desidera via Tonträger anzuhören. Müller, Dean am Bass und das Gitarrentandem Hendrik/Jonas lieferten jedenfalls einen souveränen, energiegeladenen und viel Laune machenden Auftritt ab, der ihrem Headliner-Status im Erdgeschoß absolut gerecht wurde.
Weitere Genre-Perlen wie das flotte „Utopia“ und „Defy All“ wurden folgerichtig von den Fans abgefeiert und in dieser Form ist von Desidera zukünftig noch einiges zu erwarten. Nach zwei Demo-Songs dürfen sich die Fans schon jetzt auf das in Arbeit befindliche Debüt-Album freuen.