Handball
Beständig weiterentwickelt: Die Saisonbilanz der SG Zweibrücken
„Emotional überragend“ findet Martin Schwarzwald, seit Saisonbeginn Trainer der SG Zweibrücken, die Runde. Zu Hause ungeschlagen, lange um die Meisterschaft mitgespielt, allen Schwierigkeiten getrotzt, junge Spieler an das Regionalligateam herangeführt und den Funken zwischen dem Team auf dem Spielfeld und den Fans auf der Tribüne wieder entzündet. Die abgelaufene Regionalligarunde war eine Handball-Erfolgsgeschichte.
Ein Architekt dieses Erfolges: Martin Schwarzwald. Der Grafik-Designer, der mit seiner Familie in Rodalben zu Hause ist, hat neue Impulse gesetzt. Das sei möglich gewesen, weil er „einen enormen Vertrauensvorschuss erhalten“ habe, resümiert der 40-Jährige – von allen Seiten im Verein, von der Mannschaft. Die Mannschaft folgte ihm, als er ihr vor dem offiziellen Trainingsstart individuelle Trainingspläne gab. „Die Jungs kamen fit und motiviert zum Trainingsauftakt“, freut sich Schwarzwald. Fitness, in Koordination mit der Physio-Abteilung, ein so weit wie möglich abgestimmtes Training, das war ein Erfolgsfaktor. „Wir haben sehr viele Spiele aufgrund unserer Physis in der Crunchtime für uns entschieden“, sagt Schwarzwald. Nur einmal gelang es nicht: in Mülheim. Die Folge war eine Niederlage, die letztlich das lange offene Meisterschaftsrennen zugunsten des HV Vallendar entschied.
Schwere Verletzungen
In der Niederlage kumulierte das Pech dieser Saison. Für Leistungsträger wie Abwehrchef Tom Grieser und den überragend in die Runde gestarteten Tim Eisel war die Runde nach schweren Verletzungen bereits im Herbst zu Ende. Spielmacher Nils Wöschler, der laut Schwarzwald bewies, was für ein herausragender Handballer er ist, und Wöschlers Nebenmann im linken Rückraum, Stephan Jahn, der zudem „ein unfassbar guter Abwehrspieler“sei, übernahmen noch mehr Verantwortung, führten das Team von Erfolg zu Erfolg. In Mülheim waren beide nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte.
Im Frühjahr zollte die SG ihrem Verletzungspech Tribut. Unter anderem musste Rückraumspieler Matteo Weber wochenlang pausieren, fiel Felix Weinert wie Eisel mit einer Schulterverletzung aus. Auch im Saar-Pokal-Final-Four, in dem im Halbfinale Schluss war. „Es war ein Titel, den es zu gewinnen gab, den wollten wir holen“, merkt Schwarzwald in der Rückschau an.
Günstiger Spielplan
In der Liga zahlte sich aus, dass Schwarzwald den jungen Spielern Vertrauen schenkte, ihnen zugestand, dass sie lernen, noch Fehler machen. In jedem Spiel wurde bis zur letzten Minute immer alles gegeben. Dabei konnte sich die SG auf ihr erfahrenes, so prächtig harmonierendes Torhüter-Duo Damian Zajac/Norman Dentzer verlassen.
„Wir müssen der Fairness halber einräumen, dass uns der Spielplan ein bisschen in die Karten gespielt hat“, sagt Schwarzwald, dem die Spieler während der Runde auch bei seinen Neuerungen wie dem Einsatz moderner Kamera- und Computertechnik folgten. Zwei Derbys zum Auftakt zu Hause, beide gewonnen – „das hat dazu beigetragen, dass wir den Funken, den wir entzünden wollten, entzünden konnten“, sagt der EHF-Mastercoach. Die SG eilte von Erfolg zu Erfolg, holte wie in Dudenhofen Sechs-Tore-Rückstände auf, weil die Mannschaft immer an sich und den Erfolg glaubte. Überragend die Leistung beim 40:29-Sieg in Dansenberg.
Kein reiner Shooter
Zweibrücken lieferte sich mit Vallendar – dem Verletzungspech trotzend – lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel. Die Tabellenführung musste zum Vorrundenbeginn, nach der Niederlage in Vallendar, abgegeben werden. Locker ließ Zweibrücken nie, verlangte den Rheinländern im Fernduell alles ab.
Die Mannschaft nahm auch die Veränderungen im Angriffsspiel an, das stark auf Eins-gegen-eins-Aktionen, Durchbrüche setzte. Auch aus dem Wissen heraus, dass es im Team den klassischen reinen Shooter aus dem Rückraum nicht gibt. Das Spiel entwickelte sich, weil sich die jungen Spieler beständig entwickelten. Bestes Beispiel Kreisläufer Samuel Reitz. In der Anfangsphase der Runde, „hat das Spiel über den Kreis für uns keine so große Rolle gespielt“, erinnert Schwarzwald. Mit zunehmender Saisondauer änderte sich das, stieg die Gefährlichkeit der SG vom Kreis.
Zaubertore
Was alle Spieler während der Runde immer wieder hervorhoben: Dass der Trainer für ihre Positionen Varianten einbrachte, um zum Torerfolg zu kommen. Positiv für die Spielfreude und die Begeisterung der Fans, die manches Zaubertor zu sehen bekamen. Dass im letzten Heimspiel noch der Sieg gegen den bereits feststehenden Meister Vallendar gelang, die Zweibrücker zu Hause ungeschlagen blieben, „war verdient und ein perfekter Abschluss“, sagt Schwarzwald.
SG-SAISON IN ZAHLEN
- Nach 26 Spielen: Platz 2, 43:9 Punkte, 815:710 Tore; 21 Siege, ein Unentschieden vier Niederlagen; höchster Sieg: 40:29 in Dansenberg; höchste Niederlage: 34:42 in Vallendar; Tore: 815:710
- Beste Torschützen: Nils Wöschler 178/74, Stephan Jahn 132, Nico Becker 67/12, Tim Eisel 63/1
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DANN WAR DA NOCH ...
…das Geheimnis hinter der makellosen Heimbilanz der SG Zweibrücken. Pünktlich vor dem Saisonstart wurden sie ausgepackt: die neuen Hallenschuhe für die Journalistenbank. Premiere feierten sie zum Saisonstart gegen Illtal. Der grünliche Farbton der Schuhe – aus optischen Gründen gewählt. Dass Grün sprichwörtlich auch die Hoffnung ist – Zufall.
Weil im Sport bekanntlich „never change a winning team“ gilt und Journalisten mindestens so abergläubisch sind wie Spieler, die Glückssocken tragen, oder Handballtrainer, die sich erst rasieren, wenn ihr Team verliert, war klar: Der Schuh wird auch gegen St. Ingbert getragen. Zweites Spiel, zweiter Sieg. Die SG Zweibrücken baute ihre Siegesserie aus. Der Schuh war dabei. Auch auswärts in Dansenberg. Die Serie hielt.
Zwei Sekunden vor dem Abpfiff zu Hause gegen Budenheim. Nils Wöschler steht am Siebenmeterpunkt. Sicherheitshalber kurz auf den Schuh geklopft. Wöschler trifft zum 27:26-Erfolg. Nils und Nike sei Dank. Sonne, Regen, Nebel. Graupelschauer – egal welche Witterung am Spieltag herrschte, das Schuhwerk war gesetzt, der Sieg garantiert. add