Der Sepp vom Hallplatz Berufsberadung uff de Schdroß vunn de Maurer unn Dachdecker
„Weeschde noch, wie ma als Kinner so geere zugeguckd hann, wann de Schmied e Perd beschlaa had? Unn geschdunk had dess, wanner es Eise uff die Hufe genacheld had!“ Gerade hat man wieder einmal Freund Dieter Haag getroffen, den man sehr schätzt wegen seiner sozialen Besonderheit: Als Ruheständler drückt er seit Jahr und Tag für Bewohner der Altenheime deren Rollstühle! Er fährt mit ihnen durch die Stadt und die Grünanlagen am Bleicherbach, „an de frisch Luft“ halt. Für ein Schwätzchen bleibt man gerne beisammenstehen.
So kam es auch zur Erinnerung an die Schmieden, denen er in Walshausen beim Hufbeschlagen zugeschaut hatte, und seinen Gesprächspartner bei Emil Wisser in der Ixheimer Straße. Für die Kinder gab es „in de schlecht Zeit“ auf dem Schulweg immer etwas zu sehen: Überall wurde gebaut, Maurer waren oben auf den wackeligen Gerüsten zu beobachten, und „beim Baugeschäft Müller Peter“ in der Landauer Straße werkelten Steinmetze an Fenster- und Türsteinen. Daneben flogen die Späne bei den Zimmerleuten, die die Dachbalken bearbeiteten. Und eine „Schbeispann“ fürs Mittagsessen stand auch bereit!
Wieso das? Kurz vor zwölf kam aus Richtung Contwig die „Essefraa“ angefahren und brachte die Henkelmänner, die Essekännchen der Bauleute, die im Wasser noch mal aufgewärmt wurden. Man hatte es schnell raus: „Dess sinn Cuntwicher, aussem Maurerdorf!“ Da gab es viel zu schauen für die Schulbuben, und immer wieder wurde von den Arbeitern gefragt: „Gefalld’s dir? Wilsche aa mol Maurer werre?“ Berufsberatung auf der Straße war das.
Man sah, dass es keine einfache Arbeit war, und das galt auch für alle anderen unterwegs, denen man auf die Finger schauen konnte: „de Plaschderer vum Härter Auguschd“, zu dem später „im Friseer Portner sei Harald“ dazustieß. Man kannte die Leute vom Straßenbau, vom Wagenbrenner und vom Faust und die von Oltsch mit ihrem bekannten Bagger und die von Wolf & Sofsky natürlich auch. Die Schlosser hatten ihre Geräte zum Rohre Schneiden und Biegen auf dem Bürgersteig stehen, und wenn’s gefährlich wurde, kam das kurze Kommando des Arbeiters: „Hau ab!“
Man schaute mit Bewunderung den Dachdeckern vom Adolf Wahlheimer (den man sonntags auf dem Exe beim Faustballspiel der VTZ traf) und Albert Didie zu und war begeistert, wie sicher sie einen Stapel Ziegel nach oben warfen. Mit dem Rücken zur Leiter warfen sie die „Zichele“! Auch hier die Frage der Bauleute: „Willsche dess mol werre?“ Nein, viel zu gefährlich. „Do derfsche ned schloofe in dem Beruf!“
Andere hatten schon bei Dingler und Lanz in den Betrieb geschaut, wenn sie „em Babbe“ das Essen brachten – „dess wär vielleichd wass?“ Man lernte viele tüchtige Fachmänner im Vorübergehen kennen und schaute auch mal (aus etwas Entfernung) in die Autowerkstätten rein: Beim Opel-Rasp, beim Ford-Carbon und beim DKW-Hege und den anderen, die es damals gab. Egal auf welcher Baustelle und in welcher Werkstatt man auch zuschaute: Überall wurde tüchtig angepackt. Wenn man dann zu Hause sagte, dass es bei allen Berufen heftig zur Sache ging, gab’s vom „Babbe“ den Kommentar: „Schaffe musche iwweraal! Faulenzer kann kenner gebrauche!“ Verbunden mit dem Hinweis, sich beim Lernen anzustrengen. Was nicht unbedingt das war, was man hören wollte.
Die Arbeitswelt hat sich inzwischen stark verändert, es gibt andere Berufe und das „Schlitzeklobbe“ der Elektriker und das Mauern wird häufig mit Beton-Fertigteilen an den Gebäuden übernommen. „De Babbe“ würde heute wohl dazu aber sagen: „Es muss immer noch geschaffd werre, schloofe uff de Awed gebbd’s ned!“