Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Benjamin Zellmer und die Sache mit den vielen Anläufen

Arbeiten auf dem Spielfeld: Benny Zellmer (mit Ball) ackert häufig vorgezogen in der SV 64-Abwehr und im Angriff (hier in einem
Arbeiten auf dem Spielfeld: Benny Zellmer (mit Ball) ackert häufig vorgezogen in der SV 64-Abwehr und im Angriff (hier in einem Spiel gegen Saulheim) überwiegend am Kreis, auch mal auf Linksaußen.

Benjamin Zellmer hat zurzeit mehrere Großprojekte gleichzeitig am Start. Während sich die Hochzeit mit Freundin Estelle und der gemeinsame Hausbau in diesen Corona-Zeiten hinziehen, kann der Abwehrspezialist des SV 64 Zweibrücken im Ligapokal wenigstens Drittliga-Handball spielen. Am Samstag schlüpft der 29-Jährige mal wieder direkt von der Uniform ins Trikot.

„Probieren wir es mal“, sagt Benny Zellmer, Abwehrspezialist des Handball-Drittligisten SV 64 Zweibrücken schmunzelnd. Er spricht damit den erneuten Anlauf der Zweibrücker an, zu Hause mal wieder ein Punktspiel bestreiten zu dürfen. Am 10. Oktober 2020 hießen die Zweibrücker zuletzt Handballgäste in der Westpfalzhalle willkommen – damals sogar noch vor einer begrenzten Zahl von Zuschauern. Der geplante Heim-Re-Start am 24. April gegen den TV Gelnhausen fiel dann Corona-bedingt aus.

Nun soll es am Samstag soweit sein: Um 18 Uhr wird die Partie im Ligapokal gegen die HSG Bieberau-Modau angepfiffen. Zellmer wird direkt von der Arbeit zum Spiel kommen. Der Polizeikommissar hat noch eine Schicht in Homburg zu absolvieren, bevor er die Uniform gegen das Trikot tauschen darf.

Der nächste Trauversuch

Probieren wir es mal, das beschreibt aktuell ganz gut auch Zellmers Leben. Probieren wir es, hatten sich der 29-Jährige und Freundin Estelle Eckerlein im vergangenen Sommer gesagt: Die Hochzeit war geplant. Corona-bedingt abgesagt, „und wir sind immer noch nicht verheiratet“, verrät Zellmer. Es wurden immer mal wieder Termine ins Auge gefasst, Corona machte jeweils einen Strich durch die Rechnung. „Im Oktober versuchen wir es noch mal“, sagt Zellmer. Wenn heiraten, „dann richtig“, steht für aber Zellmer fest. Dass Gäste mit Maske feiern müssen, „kann ich mir nicht vorstellen“, bekennt er. Standesamtlich wollen Estelle und er im September schon ja sagen.

Derzeit würde er noch nicht darauf wetten, dass es mit dem anvisierten Oktober-Termin klappt, der Allrounder ist da mittlerweile vorsichtig geworden. Selbstsicher trat er hingegen am vergangenen Samstag in Gensungen an den Siebenmeterpunkt: Mit drei sicher verwandelten Strafwürfen beendete er die Siebenmeterschwäche des SV 64, hatte maßgeblichen Anteil am Punktgewinn.

Probieren wir es mal: Das gilt auch für das zweite Großprojekt bei Familie Zellmer/Eckerlein. Der geplante Hausbau in Rimschweiler „hat ehrlicherweise noch nicht den ganz großen Fortschritt gemacht“, bekennt Zellmer lachend. Immerhin der Boden ist bereitet. „Eine der ersten Aufgaben beim Hausbau, die ich jetzt gelernt habe“, verrät der Mann, der gegnerischen Angreifern seit der Saison 2011/12 als vorgezogener Deckungsspieler im SV-Dress ganz schön die Lust am Angriffsspiel nimmt. Extra-Lob gab es für Zellmer in Gensungen von Trainer Stefan Bullacher: „Man heute mal wieder gesehen, wie wichtig Benny für uns ist.“

Stolz auf den ersten Job an der Baustelle

Extra-Muskeln von den ersten Bauarbeiten? „Nein, das nicht. Aber mit einer Rüttelplatte kann ich inzwischen umgehen“, verrät er lachend und fügt gleich ehrlich an: „So wirklich handwerklich begabt bin ich ja nicht.“ Umso stolzer war er nach dem Ergebnis eines Druckplattentests auf dem verdichteten Boden. „Der fiel gut aus. Ich kann es also nicht so schlecht gemacht haben“, sagt er. Dass es mit dem Hausbau – der seinen Teamkollegen möglicherweise noch die ein oder andere besondere Trainingsstunde auf dem Bau bescheren könnte – und Hochzeit in diesem Jahr klappt, darauf hofft der SV-Spieler, der im Angriff mal am Kreis, mal auf Linksaußen für Gefahr sorgt.

„Ich weiß, dass wir das Glück hatten, seit Januar wieder trainieren zu dürfen. Es war einfach schön, dass man Zeit mit den Menschen verbringen durfte, die man mag, mit dem Sport, den man mag. Aber es waren schon sehr gemischte Gefühle“, gesteht er, dass ihn die Tatsache, dass er trainieren durfte, während andere ihre Geschäfte schließen mussten, schon gedanklich beschäftigte. Jetzt ist er froh, dass er auch wieder spielen darf. „Es ist wichtig zu wissen, wofür man trainiert“, sagt Zellmer. Es sei ungewohnt ohne Zuschauer, aber auch ihm gehe es so, „wenn angepfiffen ist, dann will ich auch gewinnen“, sagt der 1,85 Meter große Rechtshänder.

DHB-Pokal hat keine Priorität

Ein Sieg, ein Unentschieden bisher – an die mögliche Qualifikation für den DHB-Pokal mit dem SV 64 denkt er dennoch nicht. „Dass wir spielen, ist ein Signal, dass es wieder etwas normaler wird“, freut er sich allerdings. Sollten sich die Zweibrücker tatsächlich qualifizieren, „nehmen wir das natürlich gerne mit, aber das hat keine Priorität“ , ergänzt er.

Sein Trainer Stefan Bullacher muss vor dem Spiel gegen die HSG Bieberau-Modau taktisch einplanen, dass Zellmer direkt vom Polizeidienst zum Spiel kommt. „Mit Bieberau-Modau kommt wieder eines der Teams mit einer tollen Handballgeschichte“, freut sich der SV-Coach auf den Vergleich mit dem früheren Zweitligisten. Dem in dieser Ligapokal-Runde ein bisschen das Pech an den Fingern klebt: zwei Spiele, zwei Niederlagen mit je einem Tor Unterschied. „Könnte natürlich so bleiben“, sagt Bullacher lachend, nimmt es aber nicht als Maßstab. „Das ist eine richtig gute Mannschaft“, findet er; sie habe bewiesen, dass sie kampfstark ist.

Für SV-Fans heißt es auch am Samstag wieder, via Internet – entweder per Live-Ticker oder Live-Stream bei Sportdeutschland.TV – mitfiebern. In der Westpfalzhalle sind keine Zuschauer zugelassen. Es gelten strenge Hygiene- und Testauflagen.

Arbeiten mit schwerem Gerät: Polizist Benny Zellmer auf der Baustelle des geplanten neuen Hauses in Zweibrücken-Rimschweiler.
Arbeiten mit schwerem Gerät: Polizist Benny Zellmer auf der Baustelle des geplanten neuen Hauses in Zweibrücken-Rimschweiler.
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