Leichtathletik
Beim Zweibrücker „Sky’s the Limit“ ist Stabhochsprung Familiensache
Wohl dem der über den Tag zahlreichen Zuschauer am „Saarländertag“, der am Freitag ein Schattenplätzchen fand. Vielleicht ist mancher in der Fußgängerzone auf dem Hallplatz auch am Stand eines Huthändlers noch auf die Schnelle bei der Suche nach einer Kopfbedeckung fündig geworden.
Die 68 startenden Stabhochspringer in drei Wettbewerben (drei für Männer, drei für Frauen, quer von den Kleinsten bis zu den Aktiven) waren natürlich gerüstet. Hatten Sonnencreme im Gepäck, hielten sich im Schatten der Athletenzelte auf und packten nasse Handtücher oder Eispacks in den Nacken.
Neues Konzept: Die Jugend nach vorne
Im Gegensatz zu den Vorjahren ging das LAZ Zweibrücken mit einem anderen Konzept in sein Meeting: statt Elite ganz viel Nachwuchs. Im Vorjahr hatte noch LAZ-Springer und Ex-Weltmeister Raphael Holzdeppe bei seinem Heimmeeting, im Beisein von Renaud „Air France“ Lavillenie, die Karriere beendet. Das Hauptaugenmerk des Veranstalters lag in diesem Jahr daher ganz klar auf der Jugend.
Die zehnjährige LAZ-Starterin Mila Könsgen aus Bexbach eröffnete den Wettkampftag auf der gelben der beiden Anlagen mit Laufstegen (die der Frauen, die Männer sprangen auf der roten Anlage) bei 1,60 Meter. Am Ende übersprang sie 2,00 Meter und landete dabei in der Wertung der Jugend W12 auf dem dritten Platz. Um die Höhen zu verdeutlichen, wies LAZ-Trainer Bernhard Brenner, der die Moderation des Tages am Mikrofon übernommen hatte, auf eine Markierung am Rathaus hin. Denn neben dem Fenster, aus dem Oberbürgermeister Marold Wosnitza grüßte, hatte Mitarbeiterin Steffi Baumann vom städtischen Schul- und Sportamt eine Markierung anbringen lassen, die den seit Dienstag aktuellen Herren-Weltrekord des Schweden Mondo Duplantis kennzeichnet – 6,29 Meter.
Junge Mannheimerin mit ganz viel Ehrgeiz
Beste bei den Jüngsten war die auch erst zehnjährige Marie Marlene Leuchtner von der MTG Mannheim. Sie übersprang 2,90 Meter, war zufrieden, hatte aber doch auf eine neue Bestleistung von 3,05 Meter gehofft (die alte liegt bei 3,02 m). „Im Training bin ich schon höher gesprungen“, sagte sie hinterher. Seit zwei Jahren betreibt sie bereits Stabhochsprung, wollte auch genau das. „Sie ist bärenstark und ein beeindruckendes Mädchen. Ich habe noch niemand in ihrem Alter so hoch springen sehen“, sagt Leuchtners Coach Alexander Rupp. Nach den Ferien kommt sie in die fünfte Klasse des Privatgymnasiums Mannheim. Bei Leuchtners war das ganze eine Familienausflug: Der zwei Jahre ältere Bruder Emil, eigentlich Mehrkämpfer, übersprang 2,20 und wurde Dritter der M12. Papa Alexander und Mama Anne feuerten beide derweil an, das fünf Monate alte Nesthäkchen Antonia verpennte den Wettkampf dagegen noch in seinem Kinderwagen.
Familiensache ist Stabhochsprung und das Meeting auch bei den Könsgens. Da wird zum Teil schon dreimal am Tag von Bexbach zum Training nach Zweibrücken gefahren. Neben Mila sprang am Freitag zu Beginn auch Bruder Samuel (11) mit, seine 2,40 Meter reichten für Platz zwei bei der M12. Die älteste Tochter Livia, die normal ebenfalls selbst springt, hatte diesmal eine andere Aufgabe. Die 17-Jährige, die wegen ihres bestandenen Abiturs und Wachstumsumstellungen ihre Saison früher beendet hat, absolviert beim LAZ gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) – und kümmert sich dabei um die Social Media-Accounts des Vereins. In dieser Eigenschaft rannte sie am Anlaufsteg unter anderem, mit dem Handy filmend, ihrem jüngeren Bruder David (15) hinterher, der sich an einer besonderen Höhe versuchte. Die 4,62 Meter wären neuer pfälzischer Rekord für die Altersklasse U16 gewesen, den alten mit 4,61 Meter von Oleg Zernikel hatte er schon mal eingestellt. Er hatte drei klasse Versuche, schaffte es aber nicht. „Das nervt mich schon, die Höhe ist drin. Ich wäre das heute im Wettkampf gerne gesprungen“, gab der ehrgeizige David hinterher unumwunden zu. Bei der Siegerehrung durfte er sich dafür über den Handschlag von Raphael Holzdeppe freuen.
Familie Könsgen mit vollem Einsatz
Mama Eva Könsgen half den ganzen Tag am Stand für Wassereis; Papa Patrick, früher selbst Stabhochspringer und seit 2015/16 Trainer beim LAZ, betreute LAZ-Springer in den ersten beiden Wettbewerben. „Ich bin über den Sport der Kinder wieder dazu gekommen“, berichtete der 44-Jährige. Und über sein Bexbacher Bauunternehmen Lupak hatte er dafür gesorgt, dass ein 10,70 Meter tiefes und 16,50 Meter breites Holzpodest für die Landematten beider Anlagen gebaut wurde. „Hätten wir das irgendwo bestellt, hätten wir wohl rund 15.000 Euro dafür bezahlt“, sagte LAZ-Vorsitzender Alexander Vieweg dazu anerkennend.
Nach kurzem Gewitter samt Regenguss griff die Elite der zehn Männer und elf Frauen etwas verspätet, gegen 18 Uhr, zu den Stäben. Um 20 Uhr liefen beide Wettbewerbe noch. Bei den Herren gewann der Vorjahressieger, der Franzose Robin Emig, erneut (bis dahin 5,70 m im ersten Versuch). Bei den Frauen siegte die Schweizerin Lea Bachmann (bis dahin 4,45 m).