Bechhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Junge Bechhofer verwandeln trübe Brühe in Trinkwasser

Nach Angaben der jungen Firma leistet die Trinkflasche auch mit Wasser aus dem heimischen Badesee ihre Dienste.
Nach Angaben der jungen Firma leistet die Trinkflasche auch mit Wasser aus dem heimischen Badesee ihre Dienste.

Eine Trinkflasche, die dreckiges Wasser genießbar macht? Das junge Unternehmen Mameka aus Bechhofen macht’s möglich. Mit viel Mut und Durchhaltevermögen, ganz ohne Hexerei.

Mit dem Slogan „Mameka – wo immer du bist“, wirbt eine junge Bechhofer Firma für ihren Travelbuddy – eine Trinkflasche mit portablem Wasserfilter. Wo die Firmengründer waren, als sie ihre Idee zum nachhaltigen „Reisekumpel“ hatten, wissen sie noch genau: Während einer Asienreise im Jahr 2018 sahen sich Merle und Maximilian Medwed aus Bechhofen mit bedrückenden Wahrheiten konfrontiert. Müllberge, meist aus Plastik, trübten den Blick auf die Schönheit Indiens. Und sie waren selbst Teil des Problems – als Rucksacktouristen, die täglich literweise Wasser aus Plastikflaschen verbrauchten. „Da war permanent dieses schlechte Gewissen, dazu beizutragen, dass es hier so aussieht. Das hat an uns genagt und gebrodelt“, erinnert sich Maximilian Medwed. Das Problem weckte den Innovationsgeist des Ehepaars. „Wir waren aus dem Alltag raus und haben uns einfach alles zugetraut. Mit diesem Schwung der Reise waren wir so angetrieben und es wirkte alles möglich“, schildert Medwed.

Die konkrete Idee reifte dann beim nächsten Stopp im Inselstaat Sri Lanka: Dort wurde der Grundstein für den Travelbuddy gelegt. Mitstreiter waren nach der Rückkehr nach Bechhofen schnell gefunden: Gemeinsam mit Merle Medweds Schwester und ihrem Mann, Marco und Katja Braß, wurde das Unternehmen Mameka gegründet – ein Kunstwort aus den Anfängen der Vornamen der vier Gründer.

Die vier Gründer Maximilian Medwed, Katja Braß, Marco Braß und Merle Medwed (von links).
Die vier Gründer Maximilian Medwed, Katja Braß, Marco Braß und Merle Medwed (von links).

Erfahrung im Bereich Unternehmensgründung, Produktentwicklung oder Vermarktung hatten sie nicht, dafür aber „den tiefen Wunsch nach einem unabhängigen Leben und danach, etwas in der Welt verändern zu wollen“, erzählt Merle Medwed. Das erste Produkt der Bechhofer ist eine Edelstahl-Trinkflasche mit Filtersystem. Ein Aktivkohleblock aus Kokosnussschale sowie ein feinporiges Vlies sollen Wasser aus Flüssen, Seen oder Leitungen in sauberes Trinkwasser verwandeln.

Schwarzbach-Wasser genießbar

Bis zu 1300 Liter Flüssigkeit können so nach Angaben der Medweds von schädlichen Inhaltsstoffen wie Krankheitserregern, Chlor, Bakterien, Geschmacksstoffen oder Mikroplastik befreit werden. Dabei gelte: Je sauberer das Ausgangswasser, desto länger halte der Filter. „Im Prinzip kann man jedes Wasser einfüllen. Wir empfehlen es nicht, um die 1300 Liter gewährleisten zu können, aber grundsätzlich kommt nur sauberes Wasser raus“, erklärt die 29-jährige Kindergärtnerin. Selbst das trübe Wasser aus dem Zweibrücker Schwarzbach sei nach der Filterung mit dem Travelbuddy genießbar, versichern die beiden Bechhofer.

Die Idee, einen portablen Wasserfilter herzustellen, ist nicht neu. So richtig zufrieden seien sie mit dem bereits bestehenden Angebot jedoch nicht gewesen. Denn neben der Funktionalität habe bei der Entwicklung des Travelbuddys auch die Optik eine zentrale Rolle gespielt: „Die Flasche sollte auch schön sein und nicht so, dass man sie im Rucksack verstecken muss“, betont der 33-jährige Fitnesstrainer Maximilian. Der herausnehmbare Filter sowie der modulare Aufbau, der das individuelle Wechseln zwischen 0,8 und 1,5 Litern Füllmenge ermöglicht, mache die Flasche zum Alltagsbegleiter. Die Jungunternehmer verstehen ihr Produkt nicht nur als bloßen Gebrauchsgegenstand, sondern reden von „Freiheitsgefühl und Sicherheit, für das eigene Trinkwasser sorgen zu können“.

Vier Jahre mit Rückschlägen

Inzwischen sind seit der Mameka-Gründung vier Jahre vergangen. Vor knapp einem Monat wurde die Idee des Quartetts mit der Markteinführung an die Öffentlichkeit gebracht. Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg. „Wir sind naiv und jung mit einer Idee gestartet und dann hat es letztlich vier Jahre gedauert mit vielen Rückschlägen“, blickt Maximilian Medwed zurück. Für die beiden Ehepaare sei das Projekt „komplettes Neuland“ gewesen. Zwischen dem beruflichen Alltag der beiden Schwestern als Kindergärtnerinnen und Medweds Tätigkeit als Fitnesstrainer habe es nur wenige Anknüpfungspunkte gegeben. Ohne das Talent für Zahlen und für Organisation des Schwagers Marco, der hauptberuflich bei einer Großdruckerei arbeitet, wären sie jedoch gleich mehrmals „im kreativen Chaos versunken“, erzählt das Paar lachend. „Man fuchst sich da einfach so rein“, schlussfolgert Merle Medwed. Dies habe am Anfang zunächst einmal bedeutet, viele E-Mails schreiben, um Produktionspartner zu finden. Von Hunderten Firmen, die das Quartett angeschrieben habe, sei nur eine Handvoll hängen geblieben, die nicht nur die technischen Möglichkeiten hatten, sondern auch den Mut, mit einem unerfahrenen, jungen Unternehmen zusammenzuarbeiten.

Die Füllmenge der Trinkflasche lässt sich durch verschiedene Einzelteile verändern.
Die Füllmenge der Trinkflasche lässt sich durch verschiedene Einzelteile verändern.

Zusammengeführt werden die einzelnen Bauteile noch immer in Handarbeit. Im elterlichen Keller in Bechhofen zwischen Paletten und Kartons packen und prüfen die vier nach Feierabend das Ergebnis ihrer Arbeit.

Zeit und Herzblut investiert, finanzielles Risiko

Dass der Travelbuddy in kompletter Ausführung inklusive Filter mit 169,90 Euro nicht so ganz in jedes Reisebudget passt, habe einen Grund: „Alle Komponenten des Systems sind 100 Prozent made in Germany. Wenn man in Deutschland herstellt, fängt man bei einer ganz anderen Preisstufe an, als wenn wir jetzt mit der Produktion nach China gegangen wären.“ Kleinere Modelle sind ab 59,90 Euro erhältlich.

In die Verwirklichung ihres Traums haben die vier Gründer nicht nur viel Zeit und Herzblut investiert. Auch finanziell sind sie ein Risiko eingegangen. Förderungen habe es nur für die Anmeldung des Patents und die Entwicklung einer App gegeben, anhand derer die Nutzer die Rest-Haltbarkeit des Filters sowie die Menge an eingesparten Plastikflaschen nachvollziehen können. Den großen Rest haben sie mit einem Bankenkredit finanziert.

Noch kein Vollzeitjob

Obwohl das Unternehmen seit Verkaufsstart schon einige seiner Trinkflaschen verkauft hat, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis aus dem Feierabendprojekt ein Vollzeitjob wird. Aktuell liege der Fokus darauf, erst einmal als Marke bekannt zu werden und Kunden auf sich aufmerksam zu machen. „Wir machen alle noch unseren normalen Job, denn am Ende des Tages musst du auch was zum Essen auf dem Tisch haben“, sagt der Fitnesstrainer Maximilian Medwed.

Der portable Wasserfilter ist für längere Aufenthalte in der Natur gedacht.
Der portable Wasserfilter ist für längere Aufenthalte in der Natur gedacht.

Dass es mit einer Trinkflasche allein in Sachen Nachhaltigkeit noch nicht getan ist, sei ihnen bewusst. Für die Zukunft plane Mameka, durch den Verkauf der Flasche auch andere Entwicklungsprojekte aus der nachhaltigen Wasserversorgung zu unterstützen. „Das Ziel ist nicht, dass wir alle 100 Prozent geben, sondern dass wir alle vielleicht 60 Prozent geben und jeder seinen Teil zur Nachhaltigkeit beiträgt. Auch unser Produkt hat ja seinen Fußabdruck“, weiß die 29-jährige Ehefrau Merle. Sie wünscht sich „einen offeneren und toleranteren Umgang mit dem Thema, um als Gemeinschaft voranzugehen“. Schon jetzt seien um den Travelbuddy herum bereits viele neue Ideen entstanden. „Wir sind viel am Spinnen. Wenn einmal der Unternehmergeist geweckt ist und dieses Feuer zündet, kann man sich langfristig viel vorstellen“, findet Maximilian Medwed.

Info

Aktuell ist die Edelstahl-Trinkflasche im Geschäft 2 Optiker in der Zweibrücker Fußgängerzone, im Homburger Outdoorladen Galileo und unter mameka.de erhältlich.

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