Der Sepp vom Hallplatz Aufzüge sind ein Stück Jugendzeit – auch im Awo-Heim
„Das Scheene an dem neie Aldersheim uffem Exe war der wunnerbare Aufzuch. Do bin ich immer midrer Freindin hin, dere ihr Oma besuche. Bei der ware mir zeh Minudde, un e halwi Schdunn simmer ruff un runner gefahr.“ Die Frau, die das vor Jahren gesagt hat, wird anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des „Awo-Heims am Rosengarten“ wohl als Ehrengast zum Fest eingeladen. Sie hat trotz beruflicher Karriere dabei das schöne Auf und Ab in ihrer frühen Jugend nicht vergessen.
Das ging auch in anderen Gebäuden der Innenstadt ähnlich. Und so trifft man immer noch betagte Zweibrücker, die gerne nach Schulschluss im Aufzug fuhren: Aus der nahen Pestalozzischule an der Bleicherstraße rannten sie in die Lammstraße zur Kreissparkasse und benutzten im Seiteneingang der Kreissparkasse den Aufzug, der „so arisch“ hoch fuhr. Bis zur Geschäftsstelle der damaligen Industrie- und Handelskammer, wo Karl-Paul Geilfus der Geschäftsführer war. Dann wurde der Aufzug lange von den Schülern belegt – bis Ludwig Schwarz, der Hausmeister der Kasse, aufmerksam wurde und das Treiben schnell beendet war. „Dess muss e guuder Uffzuch sinn“, sagten dagegen die Erwachsenen, als der gewichtige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard sich zum Besuch der IHK dort einfand und den Aufzug ebenfalls benutzte.
Vielen war auch bekannt, dass das damals höchste Zweibrücker Haus, das frühere Stadtbauamt, für seine Bewohner einen Aufzug besaß, aber irgendwie trauten sich die jungen Leute nicht so recht, dort eine „Freifahrt“ zu riskieren.
Die Rolldrepp in de Kaufhall
Dagegen hatten es einst die Rolltreppen in der Kaufhalle den Schülern der Pestalozzischule ebenfalls angetan, auch wenn es nur „enunner un enuff“ ging, in die Lebensmittelabteilung oder ins obere Stockwerk mit der Cafeteria. Dennoch ist man auch heute immer wieder erstaunt, wenn man von korrekten Personen mit strahlendem Gesicht zu hören bekommt: „Noh de Schul simmer immer in die Kaufhall Rolldreppe fahre gang.“ Was, der auch?
In dem verwinkelten früheren städtischen Altenheim an der Bickenalb war es natürlich nichts mit Aufzugfahren für junge Leute, es war „ganz do drauß“. Ins Blickfeld rückte das Seniorenhaus aber regelmäßig, wenn sich wieder mal Hochwasser ankündigte. Dann gehörte immer wieder zuverlässig die Zweibrücker Bundeswehr-Garnison zu den ersten Helfern, wobei Adolf Seis ein führender Verantwortlicher war und bis für seinen regelmäßigen Einsatz an der Bickenalb heute bekannt ist.
Nun sind die Bewohner des Johann-Hinrich-Wichern-Hauses, der Villa Froelich und des Awo-Hauses am Rosengarten mitten im städtischen Geschehen, was ja auch zu den früheren Absichten gehörte. Dabei hatte es anfangs gegen die Einrichtung, die nun ein halbes Jahrhundert alt ist, in der Stadt heftigen Widerstand gegeben. „Unser Exe werd zugebaud!“, wurde geklagt, als es die ersten Überlegungen für das Awo-Haus gab. War doch der Platz ein günstiger, citynaher Parkplatz. Die Werbegemeinschaft unter ihrem engagierten Vorsitzenden Jakob Roth protestierte heftig gegen eine Veränderung. Sogar die hölzerne Behelfsbrücke über den Bleicherbach zur Stadtmitte hin sollte erhalten bleiben und machte als „Brücke am Blei“ noch Karriere und Schlagzeilen.
Es hat sich aber als richtig erwiesen, das Seniorenheim auf dem Exe zu bauen. Und es ist auch nicht falsch gewesen, mit einem „Straßenschild“ an den leider früh verstorbenen Oberbürgermeister Kurt Pirmann zu erinnern: Seine Ideen für die „Stadt am Wasser“ mit großer Spielfläche waren ein großartiger Gedanke, Jung und Alt zueinander zu bringen.
Nicht nur beim Aufzugfahren.