Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Aufgemotzte Karren: Autoposer und Rennszene in der Stadt?

Regelmäßig kontrolliert die Polizei aufgemotzte und auffällige Autos. Manchmal geht ihnen dabei ein besonderer Fund ins Netz – s
Regelmäßig kontrolliert die Polizei aufgemotzte und auffällige Autos. Manchmal geht ihnen dabei ein besonderer Fund ins Netz – so etwa an Karfreitag: ein historischer DeLorean, der laut Polizei in einem »tadellosen Zustand« war. Im Kofferraum befanden sich ein Fluxkompensator und der Sportalmanach.

Dicke Motoren, knallende Endrohre und glitzernde Lackierungen: Wie steht es um die Zweibrücker Autoposer-Szene? Die Polizei hat eine eindeutige Meinung.

Immer wieder gehen der Zweibrücker Polizei Autofahrer ins Netz, die mit ihren aufgemotzten Karossen durch die Stadt fahren. „Gerade in den Sommermonaten treffen sich auch in Zweibrücken − häufig jüngere − Personen im öffentlichen Raum. Manchmal mit ihren Fahrzeugen und manchmal sind diese Fahrzeuge auch getunt“, schreibt Nicolai Zöller, Leiter der Zweibrücker Polizeiinspektion auf RHEINPFALZ-Anfrage. Eine Autoposer- und Tuningszene erkennt Zöller allerdings nicht. Darunter verstehen er und seine Kollegen jene Fahrer, die keine Straßenregeln befolgen, andere mit ihren dicken Karren belästigen. „Hinsichtlich derartigen Verhaltens können wir keine wiederholt und in einer ähnlichen Besetzung auffallende Szene feststellen“, so Zöller.

Dennoch: Kontrolliert eine Streife ein getuntes Auto, dann tut sie das auf Herz und Nieren. Gewissermaßen Routine, sagt Zöller: „Die Kontrolle des vorschriftsmäßigen technischen Zustands von Fahrzeugen ist Bestandteil einer jeden polizeilichen Verkehrskontrolle.“ Durch die Bank hasenrein sind die Wagen dabei nicht: „Immer wieder ergeben sich hierbei kleinere Auffälligkeiten und Verstöße, wie beispielsweise falsche Reifen- und Felgengrößen oder Scheibenfolien ohne die erforderlichen Genehmigungen.“ Wie oft solche kleineren Mängel von den Beamten angesprochen werden, kann Zöller nicht sagen. Eine Statistik dazu gibt es nicht.

Die Polizei kennt ihre Pappenheimer

„In den meisten Fällen können die Mängel nicht vor Ort beseitigt werden, sondern erfordern den Austausch oder Ausbau der beanstandeten Teile. Häufig geht von den Mängeln jedoch keine so große Gefahr aus, dass eine Weiterfahrt unmittelbar untersagt werden muss. In diesen Fällen können die Fahrer noch nach Hause oder in eine Werkstatt fahren und müssen innerhalb einer relativ eng gesetzten Frist die Behebung der Mängel nachweisen“, antwortet Zöller. Manchmal ist die Kritik der Beamten aber gravierender: Im vergangenen Jahr waren in Zweibrücken 14 Autos derart getunt, dass eine Weiterfahrt nicht mehr möglich war, berichtet Zöller. Die Folge: Die Betriebserlaubnis ist noch an Ort und Stelle erloschen, die Autos wurden abgeschleppt.

Zöllers Polizeikollegen seien gut geschult, welche Autos sie kontrollieren. Es gebe eine breite Palette an Auffälligkeiten, die die Beamten stutzig machen, „etwa hinsichtlich des Fahrzeugzustandes, erkennbarer Modifikationen, aber auch der Fahrweise.“ Wie alt ein Auto ist, spiele keine Rolle. Zöller ergänzt: „Da bestimmte Marken und Modelle hinsichtlich Tuning jedoch besonders beliebt sind, fallen diese vermehrt auf und werden gegebenenfalls häufiger hierauf kontrolliert.“

Dass sich junge Leute mit dicken Autos regelmäßig treffen, ist der Polizei bekannt. Unser Foto zeigt den Waschpark gegenüber des
Dass sich junge Leute mit dicken Autos regelmäßig treffen, ist der Polizei bekannt. Unser Foto zeigt den Waschpark gegenüber des Kinos.

Immer wieder werden Straßenrennen gemeldet

Getunte Autos sind das eine, gefährlich und strafbar sind hingegen illegale Straßenrennen. Die Polizei bekomme immer wieder Meldungen über Rennen. „Derartigen Mitteilungen gehen wir unmittelbar nach“, sagt Zöller. Ob es sich dann aber wirklich um verbotene Rennen nach dem Paragrafen 315d Strafgesetzbuch – dem sogenannten Rennparagrafen – handelt, ist jedoch unklar. „In den letzten Jahren ergaben sich in keinem Fall derart konkrete Hinweise, dass ein Strafverfahren nach Paragraf 315d eingeleitet wurde.“ Vereinzelt wurden rasende Autos der Polizei im vergangenen Jahr in der Gottlieb-Daimler-Straße gemeldet. „Eine besondere Häufung oder andere Hinweise, dass diese Straße häufig als Rennstrecke genutzt wird, liegen uns im Moment nicht vor“, relativiert der Polizeichef.

Erinnerungen an den Renn-Unfall auf der A8

Allerdings gab es im Raum Zweibrücken schon angezeigte Straßenrennen, die sogar eine Verurteilung nach sich zogen. Schlagzeilen machte die Ausfahrt eines blauen Porsche Cayman S und eines silbernen Mercedes C-AMG, die mit einem schweren Autounfall endete. Am Pfingstwochenende 2018 waren beide Wagen über die Autobahn nach Pirmasens gedonnert, kurz vor der Abfahrt Walshausen waren sie in ein Stauende gekracht. Nach damaligen Polizeibericht hatte sich der blaue Porsche auf der rechten Fahrspur quergestellt und war mit dem Heck gegen das vor ihm stehende Auto geprallt. Der auf der linken Fahrspur fahrende Mercedes AMG hatte nicht mehr bremsen können und war auf ein vor ihm stehendes Auto gekracht. Durch die Wucht des Aufpralls war dieses auf ein weiteres davorstehendes Auto geschleudert worden.

Bei dem Unfall wurden sieben Personen verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Zudem entstand ein Sachschaden, der auf 150.000 bis 200.000 Euro geschätzt wurde. Eine Person musste von der Feuerwehr aus einem komplett zerstörten VW herausgeschnitten werden. Zuvor hatten die Feuerwehrleute das Vorderrad des Mercedes, das beim Aufprall abgerissen worden war, aus dem Heck des VW entfernen müssen, um zu der Person zu gelangen. Die beiden Unfallfahrer wurden erst vom Amtsgericht, später in einer Berufungsverhandlung vom Landgericht schuldig gesprochen.

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