Interview Auf der Damensitzung geht’s gern deftig zu

Heike Förch glänzt in ihrer Paraderolle als wortgewaltige Putzfrau „es Allerschennschd“.
Heike Förch glänzt in ihrer Paraderolle als wortgewaltige Putzfrau »es Allerschennschd«.

Derzeit gibt es wenig zu lachen, und mitten in der Session wird der Bundestag gewählt. Was macht die Zweibrücker Fasnacht? KVZ-Präsidentin Heike Förch erzählt es uns.

Frau Förch, ist Fasnacht heute noch zeitgemäß?
Na klar! Die Fasnacht wird heute mehr gebraucht denn je. Die Welt ist doch schlimm genug. Man hört überall Schlechtes und von Kriegen. Da haben die Leute Unterhaltung bitter nötig. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass wir Fasnachter dieses Jahr so viel Resonanz bekommen wie noch nie. Die Prunksitzungen waren schneller ausverkauft als jemals zuvor. Sogar in der Festhalle. Das gab’s noch nie.

Na gut, unsere Damensitzung, die ist sowieso immer voll. Die Weiber wollen halt feiern, ist doch klar.

Aber hat sich der Publikumsgeschmack nicht verändert?
Zumindest das Programm hat sich gewandelt. Was auch daran liegt, dass es nicht mehr so viele Büttenredner gibt. Es wird immer schwerer, gute Gastredner zu finden. Und bei denen läuft es inzwischen immer mehr auf Comedy-Leute raus.

Die Fasnachter vor Ort haben also kaum noch eigene Büttenredner?
Wir im KVZ hatten früher neun Büttenredner. Heute sind’s noch drei. Deshalb ist das Programm bei den Prunksitzungen deutlich musiklastiger geworden, mit vielen Tänzen.

Haben die Zweibrücker Fasnachtsvereine etwa nicht mehr genug Nachwuchs?
Bei den Büttenrednern schon. Aber sonst kann man das absolut nicht sagen. Wir beim KVZ haben so viel Nachwuchs wie noch nie. Sogar in Corona-Zeiten hatten wir nicht mehr Abgänge als sonst.

Natürlich verlässt uns immer wieder mal ein Gardemädchen, weil es ins Berufsleben oder zum Studieren weggeht. Aber die meisten kommen hinterher zurück, wenn ihr Studium oder ihre Lehrzeit zu Ende ist.

Können Sie dazu Zahlen nennen?
In der Großgarde, mit dem Schautanz, sind 28 Aktive beim KVZ. Bei der Jugend haben wir 16, bei den Junioren 15. Alles Mädchen. Dazu kommen noch etwa 25 Kinder bei den Tanzzwergen. Das sind allein die jungen Tanzgruppen – ohne Damen- und Männerballett.

Auch von der Clubgemeinschaft Hasensteig (CGH) in Ernstweiler weiß ich, dass es dort wieder Zuwachs bei der Jugend gibt.

Als „Königin Camilla“ beim Zweibrücker Rathaussturm 2025.
Als »Königin Camilla« beim Zweibrücker Rathaussturm 2025.

Kann ein einzelner Verein sein Programm noch alleine stemmen? Wie stark müssen sich die Zweibrücker Fasnachter gegenseitig mit Programmteilen unterstützen?
Wie gesagt, wir beim KVZ haben nur noch drei Büttenredner. Und wir können ja nicht dieselben drei Leute den ganzen Abend immer wieder mit anderen Reden auf die Bühne stellen. Deshalb muss ich zur Sitzung einen oder zwei Redner dazuholen. Zum Beispiel unterstützt uns der CGH mit seinem Duo Nicole Kehrel/Eva-Maria Braun. Ja, wir helfen uns schon gegenseitig aus.

Ist bei den Büttenreden inhaltlich immer noch Satire mit der feinen Klinge angesagt? Oder geht es eher um derbe Brüller unter der Gürtellinie?
Unter der Gürtellinie soll’s nicht sein. Wir sagen, die Fasnacht soll sauber bleiben. Zwar darf man heute schon ein bisschen mehr erzählen als früher. Aber ich selbst mag ja auch keine säuischen Witze reißen. Auch nicht auf der Damensitzung, wo die Gags eine Nummer deftiger sind.

Natürlich sehen manche Leute den ein oder anderen Witz als unter der Gürtellinie an, was er nach unserer Meinung aber gar nicht ist.

Zum Beispiel?
„Mein Mann hat gesagt: Wenn du weinst, schick mir deine Tränen. Wenn du lachst, schick mir dein Lächeln. Wenn du träumst, schick mir deinen Traum. Da hab’ ich ihm geantwortet: Ich hock’ gerade auf dem Abort. Was soll ich dir denn jetzt schicken?“

Das haben einige Zuhörer ein bisschen derb gefunden. Aber das kann man so oder so sehen.

Ursprünglich hatte der Karneval die Obrigkeit und das Militär mit seinen Uniformen veräppelt. Sind es heute nicht die Fasnachts-Funktionäre selbst, die sich mit Gewändern und teuren Narrenkappen schmücken und sich gegenseitig Orden verleihen?
Das gibt’s heute wirklich immer noch. Aber die Kappen sind nicht mehr so teuer; man muss sie sich ja auch leisten können. Auch wir kaufen unsere Uniformen beim Schneider ein, in Aschaffenburg. Die sind nicht billig. Aber die Ausrüstung der Garden in Köln, die ist da schon eine ganz andere Hausnummer.

Und bei Empfängen, wie neulich bei der Westpfälzischen Fasenacht Wefa mit all den Mitgliedsvereinen, dort hängen wir uns auch gegenseitig Orden um. Aber bierernst und wichtig nehmen wir uns dabei nicht.

Was unterscheidet aus Ihrer Sicht die Zweibrücker Fasnachtsvereine voneinander? Wo liegen die jeweiligen Stärken, was ist typisch?
Der KVZ ist der größte und älteste Verein in der Stadt. Er wurde 1883 gegründet. Der zweitgrößte ist der CGH. Aber was die Vereine im Einzelnen voneinander unterscheidet, darüber maße ich mir kein Urteil an. Alle haben volle Hallen, jeder hat sein Publikum.

Gibt es noch weitere Veränderungen, die die Zweibrücker Fasnacht im Laufe der Zeit geprägt haben?
Heute sind viel mehr Frauen in den Vereinen aktiv als in meiner Jugendzeit. Zum Beispiel weiß ich vom KVZ, dass in den Anfangsjahren Frauen im Verein gar nicht so erwünscht waren. Das war früher ein reiner Männer-Zusammenschluss. Es hatte lange gedauert, bis da überhaupt mal eine Frau reindurfte. Das hat sich grundlegend geändert.

Kommt Ihnen aktuell der Bundestagswahlkampf in die Quere? Oder ist er für Ihr Programm sogar von Vorteil?
Für die politischen Redner ist das eine gute Sache. Da kann man schon mal auf ein paar Themen draufpicken. Ich selbst in meiner Rolle als Putzfrau ziehe ja den Oberbürgermeister ganz gern ein bisschen durch den Kakao.

Neulich, beim Rathaussturm, haben wir Fasnachter uns im Spaß als Wahlhelfer angeboten. Und gesagt, wir kämen am 23. Februar mit unseren Uniformen ins Rathaus, um beim Auszählen mitzuhelfen. Dann bekäme jeder ein Fasenachtskiechelche.

Zur Person: Heike Förch

28 Jahre lang war die gelernte Industriekauffrau Heike Förch bei der Firma Pallmann tätig, ehe sie zu einem Unternehmen nach Küßnacht in der Schweiz wechselte. Heute ist sie in Pirmasens bei Physiomed Grub tätig, einem Hersteller von Gesundheits-, Reha- und Fitnessgeräten.
Als Fasnachterin schloss sich die Zweibrückerin 1976 mit sechs Jahren der Kindergarde bei der Clubgemeinschaft Hasensteig in Ernstweiler an. Als 14-jährige hielt sie dort 1984 ihre erste Büttenrede. 1993 wechselte sie zum Karnevalverein Zweibrücken (KVZ), wo Heike Förch seit 2015 als Nachfolgerin von Bodo Heintz die Präsidentschaft innehat. Beim KVZ baute sie die Mädchengarden auf; auf der närrischen Bühne ist die Putzfrau „es Allerschennschd“ ihre Paraderolle.
Heike Förch ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

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