Zweibrücken / Neunkirchen Argumente pro Outlet-Ausbau für Neunkirchen „eine Frechheit“

Das Fashion Outlet in Zweibrücken möchte wachsen.
Das Fashion Outlet in Zweibrücken möchte wachsen.

Scharf kritisiert Neunkirchens Oberbürgermeister, dass die Struktur- und Genehmigungsdirektion dem Ausbau des Fashion Outlet Zweibrücken zugestimmt hat.

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd hat die Erweiterung des Outlets von heute 21.000 auf künftig 29.500 Quadratmeter Verkaufsfläche genehmigt. Die saarländischen Städte Homburg und Neunkirchen behalten sich vor, dagegen Klage zu erheben. Am Montag verwahrte sich Jörg Aumann dagegen, dass die Neustadter Behörde den Eindruck erwecke, „die Stadt Neunkirchen habe in der Vergangenheit falsch geplant“. Denn in der Begründung für ihre Entscheidung beziehe sich die SGD „unter anderem auf ein Gutachten des Büros Ecostra, das der Outlet-Betreiber in Auftrag gegeben hat“, so der Neunkircher Rathauschef. „Darin wird den umliegenden Städten vorgeworfen, eigene Planungsfehler hätten zu Fehlentwicklungen in den Innenstädten geführt.“ Dies könne er nicht nachvollziehen.

Jörg Aumann
Jörg Aumann

Aumann: „Geradezu eine Frechheit gegenüber unserer Stadt ist es, dass die SGD unter Bezugnahme auf das Ecostra-Gutachten öffentlich in den Raum stellt, die umliegenden Städte hätten Fehler in der Planung gemacht. Lapidar heißt es auf Seite 98 des raumordnerischen Entscheids der SGD, auch in Neunkirchen habe es solche Entwicklungen gegeben.“ Für solche Fehler seiner Stadt findet der Oberbürgermeister (OB) im SGD-Entscheid keine Belege oder Beispiele. „Die Stadt Neunkirchen hat nämlich keine Entscheidungen getroffen, die die eigene Innenstadt schwächen. Im Gegenteil: Wir folgen unserem sehr strengen Einzelhandelskonzept, das vorsieht, innenstadtrelevante Sortimente logischerweise auch in der Innenstadt anzubieten.“ So habe man zuletzt die Filialen der großen Anbieter Globus und Decathlon gezielt nah am Stadtkern angesiedelt.

„Angriff ist die beste Verteidigung“

Tatsächlich hatte die SGD Süd mit Blick auf die Nachbarstädte auf das Beispiel Homburg verwiesen. Dort, so heißt es im Entscheid, seien zum Beispiel „Fachmärkte für Bekleidung und Schuhe an verkehrsorientierten, dezentralen Standorten außerhalb der Innenstadt“ angesiedelt worden – darunter K+K-Schuhe und Takko an der Berliner Straße im Stadtteil Erbach sowie Filialen der Textilmarken Cecil und Street One unter dem Dach des Einöder Globus-Warenhauses. Und „ähnliche Entwicklungen habe es in der Stadt Neunkirchen gegeben“, heißt es dazu in dem Papier der Struktur- und Genehmigungsdirektion.

Der neue Neunkircher Globus-Markt wurde gezielt in Innenstadtnähe im Bereich des alten Eisenwerks angesiedelt.
Der neue Neunkircher Globus-Markt wurde gezielt in Innenstadtnähe im Bereich des alten Eisenwerks angesiedelt.

Jörg Aumann weist das von sich und äußert die Vermutung, dass bei der Outlet-Erweiterung nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ vorgegangen werde. „Man greift die umliegenden Städte offensiv an, wirft ihnen Fehler vor. Diese Strategie ist so durchsichtig wie erschreckend. Welche Entscheidungen die Städte in der Vergangenheit auch immer getroffen haben, ändert doch nichts an dem Faktum, dass ein Outlet-Center auf der grünen Wiese den umliegenden Städten schadet, indem es etwa Kaufkraft abzieht.“

„Mancher Satz geradezu zynisch“

Die für Aumann entscheidende Frage, nämlich welchen Einfluss das Zweibrücker Outlet auf die umliegenden Städte hat, werde „umschifft“, indem es im SGD-Entscheid heißt, dass hierzu „keine belastbaren Aussagen getroffen werden“ könnten. „Als Neunkircher erscheint mir so mancher Satz aus dem Entscheid geradezu zynisch“, kommentiert der OB folgende Passage auf Seite 99 des raumordnerischen Bescheids: „Aus Sicht der SGD Süd dürfte das Zweibrücken Fashion Outlet die Entwicklung des Einzelhandels in den Nachbarkommunen nicht nur positiv beeinflusst haben.“ Denn laut der Argumentation der rheinland-pfälzischen Behörde können „die teilweise negativen Entwicklungen im Bereich des Einzelhandels der Nachbarstädte nicht ausschließlich dem Zweibrücken Fashion Outlet zugerechnet werden“. Die SGD hat geschrieben, es gebe „eine Vielzahl weiterer Faktoren, die derartige Entwicklungen auslösen und beeinflussen“. Daher sei die Beurteilung der tatsächlichen Auswirkungen des Zweibrücker Outlets „im Laufe der bisherigen Betriebszeit nicht valide belegbar“.

Für den OB Jörg Aumann liegt es „auf der Hand, dass das Outlet-Projekt den umliegenden Städten schadet. Das Gutachten von (der Beratungsgesellschaft, die Red.) Markt und Standort, das wir in Auftrag gegeben haben, geht von einem Umsatzverlust von 35 bis 45 Millionen Euro für die Stadt Neunkirchen in den vergangenen Jahren aus. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass diese Zahlen in dem Entscheid der SGD gar nicht auftauchen.“

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