Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Job-Knappheit in Zweibrücken: Was sich bald ändern könnte

Amazon auf dem Steitzhofgelände kann auf dem Zweibrücker Arbeitsmarkt einen Schub auslösen, was Arbeitsplätze angeht, sagt der A
Amazon auf dem Steitzhofgelände kann auf dem Zweibrücker Arbeitsmarkt einen Schub auslösen, was Arbeitsplätze angeht, sagt der Arbeitsagenturchef.

Der Arbeitsagenturchef schaut optimistisch auf den Zweibrücker Arbeitsmarkt 2026. Und das, obwohl Arbeitgeber sehr verhalten sind, was Neueinstellungen angeht.

Der Zweibrücker Arbeitsmarkt steht stabiler da, als zu erwarten war. Das sagt Peter Weißler, Chef der Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens, die auch für Zweibrücken zuständig ist. Angesichts der Entlassungen beim Kranbauer Tadano im vergangenen Jahr habe er mit einem deutlich höheren Zuwachs bei den Arbeitslosenzahlen gerechnet. Laut Statistik gab es aber im Vergleich vom Dezember 2024 zum Dezember 2025 nur rund 50 Arbeitslose mehr. „Im Sommer waren gerade mal 70 Menschen arbeitslos gemeldet, die von Tadano kamen“, so Weißler. Vor dem Hintergrund, dass dort Hunderte Stellen wegfielen, sei der Zweibrücker Arbeitsmarkt mit einem blauen Auge davongekommen.

Insgesamt verzeichnete die Arbeitsagentur im Dezember 2025 1394 arbeitslose Zweibrücker. Hinzu kamen 261 so genannte Unterbeschäftigte, die auch arbeitssuchend sind, aber nicht in der Arbeitslosen-Statistik auftauchen, weil sie zum Beispiel gerade an Weiterbildungen oder Sprachkursen teilnehmen. Sozialversicherungspflichtig beschäftigt, in Voll- oder Teilzeit, waren im Juni vergangenen Jahres 15.734 Zweibrücker und Zweibrückerinnen. Im Juni 2023 waren es noch 16.492 gewesen. Dieser Rückgang hat laut Weißler seinen Grund vor allem beim Abbau im verarbeitenden Gewerbe.

Auf der anderen Seite verzeichne das verarbeitende Gewerbe in Zweibrücken nach wie vor die meisten Beschäftigten, nämlich 4160. Es folgen Handel sowie Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (2347 Beschäftigte), dann das Gesundheits- und Sozialwesen, mit 1946 Beschäftigten auch einer der großen Arbeitgeber. Im Zweig wirtschaftliche Dienstleistungen arbeiteten im Dezember vergangenen Jahres 1340 Personen. Zeitarbeit spielt laut Weißler nur noch eine untergeordnete Rolle. Vor zehn, 15 Jahren sei das anders gewesen. „Heute sichern sich die Arbeitgeber schnell die Arbeitskräfte, vor allem die Fachkräfte.“

Offene Stellen: „Dramatischer Rückgang“

Am meisten Kummer bereitet der Arbeitsagentur laut Weißler die stark gesunkene Anzahl der offenen Stellen am ersten Arbeitsmarkt. Waren im Dezember 2022 noch 629 Stellen in Zweibrücken gemeldet, so waren es im vergangenen Monat nur noch 247, also weit über die Hälfte weniger innerhalb von drei Jahren. „Die Arbeitgeber sind sehr verhalten bei Neueinstellungen, agieren äußerst vorsichtig“, hat Weißler beobachtet. Er spricht von einem „dramatischen Rückgang“. Gründe seien die schwankende Konjunktur, unsichere Auftragslagen und die unberechenbare weltpolitische Lage.

Die Arbeitsagentur bekomme aber auch nicht alle offenen Stellen gemeldet, etwa aus der Gesundheitsbranche. „Wenn ein Krankenhaus 15 Pflegerinnen und Pfleger gleichzeitig sucht, meldet es uns vielleicht eine dieser unbesetzten Stellen, weil es weiß, dass sowieso keine 15 verfügbar sind.“ Dennoch: Die sinkende Anzahl angebotener Stellen in Zweibrücken sei eine Besorgnis erregende Entwicklung. „Wir hoffen, dass die Talsohle erreicht ist und es in den nächsten Jahren wieder aufwärts geht“, so Weißler.

Babyboomer machen Platz für Arbeitssuchende

Insgesamt blicke er trotz allem „verhalten positiv“ auf das Jahr 2026, „vorausgesetzt, die großpolitische Lage kommt nicht dazwischen“, meint der Agenturchef. In den Unternehmen gingen momentan wie in den nächsten Jahren die Babyboomer in Rente, und deren bisherige Stellen würden bei Weitem nicht alle ersatzlos gestrichen. „Da muss viel nachbesetzt werden, die Chancen für Arbeitssuchende steigen.“ In Zweibrücken und seinem Umland könne auch Amazon noch mal einen Schub auslösen, was Arbeitsplätze angeht. Amazon hat im Oktober die Baugenehmigung für die Umgestaltung der Halle auf dem Steitzhof bekommen und Hunderte Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Amazon bezahle deutlich über Mindestlohn und biete auch Arbeitsplätze für niedrig Qualifizierte, sieht Weißler auch mögliche Vorteile des in der Kritik stehenden Versandhandelsriesen.

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