Turnen
Amelie Kiehms Lieblingssportarten mit „T“ und „S“
Ihre liebste Sportart? „Oh Gott, das kann ich gar nicht sagen. Dafür hab’ ich einfach zu viele, die ich gerne mache“, antwortet Amelie Kiehm auf die Frage nach ihre Präferenzen lachend. „Für mich macht genau die Vielseitigkeit den Spaß aus“, meint die Contwigerin weiter. Die hat sie in den vergangenen Jahren unter anderem im turnerischen Mehrkampf unter Beweis gestellt: Bereits 2014 war sie Deutsche Meisterin im Jahn-Sechskampf der Altersklasse 12/13 mit je zwei Disziplinen aus der Leichtathletik, dem Schwimmen und dem Turnen, 2016 und 2018 noch jeweils Vize-Meisterin. Gerne hätte sie auch in diesem Jahr noch mal an den deutschen Mehrkampfmeisterschaften teilgenommen – aber die fallen wegen der Corona-Krise aus. Dafür hat sie jetzt die DM beim Deutschen Turnfest 2021 in Leipzig im Visier.
Praktikum im Nardini-Klinikum
Ob das dann klappt, weiß sie aber nicht genau. Denn für die 18-Jährige hat mit bestandenem Abitur am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Zurzeit absolviert sie ein sechswöchiges Krankenpflege-Praktikum am Nardini-Klinikum. „Ich hab’ früher schon in den Ferien im Outlet bei Michael Kors gearbeitet“, glaubt sie, dass sie die Umstellung von Schule auf Arbeit gut verkraftet.
Das für ihr Medizin-Studium (ab Herbst in Homburg) notwendige Praktikum wollte sie gleich machen – statt nach dem Abi ein bisschen zu reisen, was ja wegen der Corona-Krise sowieso nicht drin gewesen wäre. Sie durfte Stationen als Favoriten angeben („Chirurgie und Orthopädie“) und wird die nächsten Arbeitstage zwischen Blut abnehmen, Essen ausgeben, lernen und helfen verbringen.
Pierre de Coubertin-Preis fürs Sport-Abitur
Das Lernen in der Schule hat indes ein Ende. Amelie Kiehm hat schriftliche Prüfungen in Deutsch, Physik und Sport abgelegt und ein Einser-Abi (Schnitt: 1,0) in der Tasche. Für „hervorragende Leistungen im Fach Sport sowie weitreichendes Engagement im organisierten Sport und gesellschaftlichen Leben“ hat ihr der Landesportbund Rheinland-Pfalz auf Vorschlag der Schule den Pierre de Coubertin-Preis (Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit) verliehen. Auch wenn sie den Preis nicht – wie sonst üblich – bei der Abiturfeier (ausgefallen) verliehen bekam, über die Medaille und die Urkunde freute sie sich doch riesig.
Besagter Preis wird laut Aussage des Landessportbundes etwa 100-mal pro Jahr in ganz Rheinland-Pfalz vergeben. Der Sportbund prüft die Kriterien: Neben sehr guten Noten im Fach Sport geht es auch um das generelle Engagement in und für die Schule. Wie Amelies jahrelanges Turnen für die Schule in Wettbewerben wie „Jugend trainiert für Olympia“ oder im Rhein-Main-Donau-Cup und ihr musikalisches Einbringen in der Big Band der Schule, das Mitwirken in Musicals oder die Klavierbegleitung des Schulchores. Klavierunterricht hatte sie von 2004 bis Januar 2020.
Füße stillhalten fällt ihr schwer
Einen großen Teil ihrer Sportleidenschaft hat Amelie Kiehm von Papa Torsten, einem begeisterten Skifahrer und Squash-Spieler, und Mama Kerstin, Schulleiterin am Helmholtz-Gymnasium, geerbt. Aufgrund ihrer vielseitigen sportlichen Interessen fiel es ihr zu Beginn der Corona-Krise schwer, die Füße stillzuhalten. „Ich hab’ alles mögliche probiert, bin oft joggen gewesen, hab’ Home-Workouts und Intervalltraining gemacht.“ Inzwischen spielt sie wieder vermehrt Tennis, will in dieser Saison noch das ein oder andere Turnier mitnehmen – wenn sie denn stattfinden.
In der Zeit vor den Abiturprüfungen war sie hauptsächlich im Fitnessstudio, hat ab und zu Leichtathletik gemacht. „Das war einfach ein guter Ausgleich zum Lernen“, fand sie. Geturnt hat sie vor allem früher lange Jahre für die VT Zweibrücken und im Regionalliga-Team der Jazztanz-Formation „Sandance“ mitgetanzt. Dessen Aufstieg in die Zweite Bundesliga hat sie dann aber nicht mehr mitgemacht, weil das Abitur anstand. Surfen hat ihr Papa Torsten vor einigen Jahren im Urlaub beigebracht.
Viel Spaß als Skilehrerin
In einer weiteren Sportart, dem Skifahren, ist sie sogar noch einen Schritt weiter gegangen: Nach ihrem eigenen Schulaufenthalt 2015 in St. Valentin in Südtirol hat sie im Jahr 2018 mit dem Skilehrerschein begonnen, an Ostern 2019 ihre Prüfung bestanden – und war in diesem Januar erstmals bei der Schulfahrt als Skilehrerin dabei. Wie war das für sie? „Ich hatte richtig viel Spaß. Mit den Anfängern war es noch schöner als mit den Fortgeschrittenen. Die Freude, die die haben, wenn sie plötzlich was können“, sagt sie und hofft, das auch während des Studiums fortführen zu können.
Dass sich ihre sportlichen Aktivitäten in Zukunft vielleicht verändern, weiß sie. „Ich muss halt schauen, was ich mir neben dem Studium gut einrichten kann.“ Also wohl eher individueller Sport als in Gruppen oder Mannschaften. Ab Herbst stehen erst mal zwölf Semester Regelstudienzeit in Medizin an. „Mein Traum wäre später mal der orthopädische oder sportmedizinische Bereich. So was wie Doc Müller-Wohlfahrt bei den Bayern. Aber die Fachrichtung entwickelt sich ja erst im Studium“, glaubt die 18-Jährige. Auf jeden Fall will sie ein Auslandssemester in Spanien einlegen und ihre Sprachkenntnisse verbessern. Wegen Corona steht die Sommerreise mit den Eltern in die USA dagegen noch in den Sternen. „Vielleicht klappen wenigstens noch ein paar Kurztrips mit Freunden“, hofft sie.