Zweibrücken Am Anfang sind seine Skulpturen oft explodiert

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„In erster Linie zeichne und male ich, das Künstlerische ist ein Überbleibsel aus der Schulzeit.“ Toningenieur Rolf Stöckle aus Contwig ist ein Multitalent: In seiner Freizeit beschäftigt sich der 59-Jährige mit Bildern und Skulpturen, musiziert und hat auch die Konditorei als künstlerisches Betätigungsfeld für sich entdeckt. „Meine Frau zieht sich dann schon mal aus der Küche zurück,“ sagt er schmunzelnd.

Seinem Sohn hat er zum 18. Geburtstag einen VW-Bus gebacken. „Er hat sich einen gewünscht, auch wenn er sich das wohl etwas anders vorgestellt hatte.“ Gegessen haben sie ihn gemeinsam. „Und wenn sich keiner traut, ess’ ich halt als Erster“, meint Stöckle mit einem Augenzwinkern. Bei seinen Zeichnungen und Bildern hat ihn vor allem sein Onkel, der Künstler Ludwig Grub, inspiriert. „Das Interesse am Zeichnen war einfach da, ein Bleistift liegt immer in der Nähe.“ Das Zeichnen ist für Rolf Stöckle eine Art Therapie. „Wenn irgendetwas heraus muss, dann geht das am besten durch den Bleistift.“ Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit sind Miniaturen: Ganz kleine Bäume und Dörfer in Landschaften mit weitem Hintergrund und viel Himmel sind da zu sehen, surrealistisch und abstrakt wirken diese Bilder. „Alles, was ich fotografieren kann, male ich eigentlich nicht. Und es hängt auch von meiner Stimmung ab, ich kann nicht immer malen.“ Nach einem vorgefassten Konzept geht Rolf Stöckle dabei nicht vor. „Ich hab’ nie einen Plan, wie das Bild aussehen soll. Ich fange mit einem Strich an, und wie sich das Bild entwickeln wird, weiß ich selbst vorher nicht. Ich erzeuge mit dem Bleistift irgendeine Struktur, dann erkenne ich etwas – und das entwickele ich dann weiter. Es gibt also immer eine Interaktion zwischen der Entwicklung des Bildes und meiner eigenen Befindlichkeit.“ Der Weg von der Landschaft hin zur Abstraktion ging über „leere Landschaften“, wie Rolf Stöckle seine frühen Bilder beschreibt: „Ich male einen winzigen Hügel, da steht nur ein Baum drauf. Oder ganz entfernt eine Stadt, die nur aus drei oder vier Strichen besteht.“ Auffallend ist auch ein ganz charakteristischer Umgang mit Farben in seinen Bildern. „Früher waren meine Bilder rabenschwarz, so kurz nach dem Abi. Ich habe da hauptsächlich organische Strukturen gezeichnet. Erst seit drei oder vier Jahren werden die Bilder farbiger.“ Und sie fallen durch ihre eruptive Farbexplosion und die starken Kontraste bei klar-markanter Linienführung auf. Er experimentiert inzwischen auch mit Digitaltechnik. „Der Hintergrund entsteht auf dem I-Pad, das habe ich ausgedruckt und dann übermalt,“ erklärt er seine Vorgehensweise dabei. Stöckles Skulpturen sind große schlanke Figuren und erinnern an Stelen. Auf die Frage, ob er bestimmte Motive bevorzugt, lacht Stöckle. „Das Motiv ist mir nicht so wichtig. Ich versuche immer, mit möglichst wenig Aufwand einen bestimmten Ausdruck hinzubekommen.“ Gesichter gestaltet er überhaupt nicht realistisch. „Mit drei bis vier Fingerabdrücken muss es halt so gucken, wie ich’s gerne hätte. Ich bin keiner, der sich drei bis vier Tage lang hinsetzt und ein Gesicht modelliert.“ Auch Sandsteinfiguren wie ein Froschkönig und eine Keramikeule finden sich in Stöckles Sortiment. Für die spezielle Brandtechnik seiner Figuren benutzt Stöckle einen Rakuofen. „Wenn ich am Anfang den Ofen aufgemacht hab’, ist das Zeug oft explodiert,“ erinnert er sich. Auf 1000 Grad wird die Keramik im Ofen erhitzt; die spezifischen Risse und Färbungen in der Glasur entstehen bei der Abkühlung unter Ausschluss von Sauerstoff. Ausgestellt hat Rolf Stöckle bisher noch nie. „Dafür mache ich einfach zu wenig“, findet er. „Meine Ausstellung ist der Weihnachtsmarkt im Kloster Hornbach.“ Gleichzeitig ist Rolf Stöckle aber auch immer als Musiker aktiv gewesen. „Früher hat man einfach ein Musikinstrument gelernt, das war bei uns das Akkordeon. Und mit 13 war ich in meiner ersten Band. Üben wollte ich am Anfang aber gar nicht. Doch dann kam das Akkordeonorchester Dellfeld. Dort haben wir vor allem Tanzmusik und amerikanische Country-Musik gespielt. Dann konnte mich der Chor 2000 rekrutieren.“ Musikunterricht hat Rolf Stöckle auch jahrelang erteilt. Und außerdem ist er ein großer Tierfreund. Bearded-Collie-Dame Lisbeth gehört zum Haushalt, „Ziege, Fische und Katzen waren auch schon dabei“, kommentiert er das bunte Panorama.

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