Zweibrücken Als käme er aus dem Ministerpräsidentenbüro

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Das Schlimmste ist, wenn Sie nicht karikiert werden.“ Der frühere Ministerpräsident Kurt Beck nimmt es überhaupt nicht krumm, dass die Blätter früher voll mit Karikaturen über ihm waren, auch mit weniger schmeichelhaften. Am Freitagabend eröffnete der 67-Jährige im Zweibrücker Stadtmuseum die „Rheinland-Pfalz-Caricade“, eine Ausstellung, die 70 Jahre des Bundeslandes in Karikaturen erzählt.

Es müssen wirklich sehr viele Karikaturen über Beck gewesen sein. Die Ausstellung mit 70 Karikaturen ist dominiert von dem Südpfälzer, der aber auch das Land stark geprägt habe, wie der Zweibrücker Oberbürgermeister Kurt Pirmann anmerkte. Dass dabei auch Fehler passieren können, sei nicht zu vermeiden, meinte Pirmann, der jedoch die Erfolge der Landespolitik für Zweibrücken wie die Fachhochschule und das Outlet hervorhob. Kein Wort vom Flugplatz, das sollte Beck vorbehalten bleiben, der mahnte, doch noch eine Kooperation des Zweibrücker mit dem Saarbrücker Flughafen zu versuchen. Drei Jahre ist Beck nicht mehr im Amt. Am Freitag präsentierte er sich aber so gewohnt routiniert, als käme er gerade aus dem Ministerpräsidentenbüro. Die Rede, vollkommen frei gehalten und gekonnt immer wieder mit einem Scherz gespickt, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer nicht zu verlieren, spannte den Bogen sehr weit bis in die aktuelle Europapolitik. „Erinnerungen“ waren angekündigt worden. Und die begann Beck mit dem 30. August 1946, der Gründung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, dem einst viele keine große Zukunft gaben. Die Alternative wäre allen Ernstes gewesen, die Pfälzer wieder zu Bayern zu geben. „Stellen Sie sich vor, es ginge uns wie den Franken, die unter bayerischer Hegemonie leben müssen“, malte Beck scherzhaft eine Horrorvision an die Wand. Die Anfangsjahre müssen hart gewesen sein. Beck berichtete von Landtagsprotokollen aus diesen Jahren, die er studiert habe. „Da ging es um elementarste Fragen.“ Es tue gut, sich daran zu erinnern, damit sich viele Probleme heute relativieren könnten. Als Glücksfall der Geschichte bezeichnete der frühere Landeschef die Abrüstung gerade für Zweibrücken, wo der Flugplatz und mehrere Kasernen frei wurden, die heute etliche Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen beherbergten. „Die Aufgabe war gigantisch.“ Er habe viele Nächte nicht geschlafen, verriet Beck und monierte, dass Rheinland-Pfalz den Kraftakt fast gänzlich ohne Hilfe aus Bonn und Brüssel geschafft habe. 70 Jahre nach der Landesgründung gebe es keine reine rheinland-pfälzische Identität, was Beck aber auch nicht als erstrebenswert erachtet. „Man soll den Leuten ihre Identität nicht ausreden.“ Das Gefühl, Europäer zu sein, passe da eher, meint der frühere Ministerpräsident und verweist auf die Vorteile eines geeinten Europas gerade für Zweibrücken, das keine Grenze mehr im Süden habe, sondern mit Landeshilfe über eine Schnellstraße das gesamte Bitscherland erschließen konnte. „Wir haben aus Halbkreisen ganze wirtschaftliche Kreise gemacht.“ Beck mahnte, sich in der EU nicht gegeneinander aufzustellen und aufhetzen zu lassen. „Man darf sich ärgern über Europa, aber nicht die Dimensionen durcheinander bringen.“ Deutschland und auch die Rheinland-Pfälzer stünden heute besser da als die allermeisten Menschen auf diesem Planeten. „Wir stehen nicht am Abgrund“, rief Beck geradezu aufgebracht in Richtung derer, die den Untergang des Abendlandes an die Wand malen. Der frühere Ministerpräsident mahnte zur Vorsicht vor denen, die das Land in eine innere Spaltung treiben wollten wie in den USA. „Verfassungspatriotismus“ sei angesagt und die Gerechtigkeit dürfe nicht aus den Augen verloren werden, was für Beck auch beinhaltet, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinanderklaffen dürfe. Kultur Ausstellung „Die Rheinland-Pfalz-Caricade“, Unser Land wird 70“, Zweibrücken, Stadtmuseum, Herzogstraße 9, Öffnungszeiten: Dienstag 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 14 bis 18 Uhr. Eintritt: fünf Euro.

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