Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Alles hat ein Ende, auch die Wurst hat eins: Metzgerei Helbling schließt nach 47 Jahren

Für Metzgermeister und Inhaber Georg „Schorsch“ Helbling summieren sich die Gründe für eine Schließung.
Für Metzgermeister und Inhaber Georg »Schorsch« Helbling summieren sich die Gründe für eine Schließung.

Die Metzgerei Helbling in Zweibrücken schließt nach 47 Jahren. Der Inhaber spricht über die Gründe für die Schließung und erzählt, warum er Saumagen in den Norden schickt.

„Wie, de Schorsch macht zu? Das geht nedd. Der hat die bescht Blutworscht in de Schtadt.“ Das Entsetzen ist dem älteren Herrn in der Fußgängerzone ins Gesicht geschrieben, als er hört, dass die Metzgerei Helbling am Fasanerieberg zum 31. Dezember dieses Jahres endgültig schließt. Dabei fällt es „em Schorsch“, wie Metzgermeister und Inhaber Georg Helbling genannt wird, nicht leicht, die Metzgerei aufzugeben. Aber er hat Gründe. Nicht den einen, großen, wie beispielsweise eine schwere Krankheit. „Ich bin vermutlich der gesündeste Mensch überhaupt“, sagt der hagere Metzgermeister über sich selbst. Doch es gibt viele kleine Schwierigkeiten, die zusammen eine Fortführung des Traditionsbetriebes für den Inhaber nicht rentabel erscheinen lassen. Der Fachkräftemangel sei jedoch keiner davon.

Da ist zum einen die elf Meter lange Kühltheke im Verkaufsraum, die altersschwach ist und ersetzt werden müsste. „Die Theke geht kaputt, und es rentiert sich nicht, den kompletten Laden umzubauen“, erklärt der Metzgermeister. Mit nur einer neuen Theke sei es nicht getan. Man müsse alle Leitungen neu legen und das ganze Haus aufreißen, und das rechne sich nicht mehr, zumal kein Nachfolger in Sicht sei.

Und da ist das kürzlich gebrochene Scharnier des Wurstkessels, „das in 100 Jahren nicht brechen darf“, erzählt Helbling. Ach immer stärkere behördliche Auflagen und die überbordende Bürokratie tragen ihren Teil dazu bei, dass Georg Helbling Ende des Jahres abschließt. Der „aufziehende Zwang“ zur Kartenzahlung sei ebenfalls ein Mosaikstückchen, das die Schließung befeuere.

Mehr Aufwand beim Catering

Neben der Metzgerei und dem Verkauf an den Privatkunden über die Wursttheke hat die altbekannte Zweibrücker Metzgerei seit Jahren auch beispielsweise das Hengstbacher Blütenfest mit Würsten, Saumagen und Hausmacher sowie Leberknödeln versorgt oder auch den Grillschinken beim Zweibrücker Pferderennen zubereitet und verkauft, immer in Eigenverantwortung. Helbling beliefert den Cap-Markt und diverse Kindergärten. Und er lieferte Fleisch und Wurst für den Zweibrücker Weihnachtsmarktstand in der Partnerstadt Boulogne sur mer. All das wird der Metzgermeister nicht mehr tun ab dem kommenden Jahr, genauso wenig wie sein Cateringangebot an Gesellschaften und Privatpersonen aufrechterhalten. Das Catering sei enorm aufwendig geworden, sagt er. Wo es früher mit kalten und warmen Platten getan war, werde heute Dekoration bis zum Kerzenleuchter und den Tischdecken erwartet und „100 Mal die gleichen Gläschen für die Vorspeise, die mit einzeln gezupften Minzblättchen dekoriert werden sollen“. Und der Kunde generell verlange andere Dinge. Zwar habe er treue Kunden, die beispielsweise den Zwiebelfleischkäse schätzten oder die Ingwer-Leberwurst, aber die Blut- und Leberwurstgeneration sterbe langsam genauso aus wie die Generation derer, die selbst kochen. „Keiner unserer Kunden unter 50 kauft Blut- oder Leberwurst. Die sind dann eher an Aufschnitt oder Schinken interessiert“, differenziert er klar.

Verbittert ist Georg Helbling jedoch nicht. Sein Beruf mache ihm nach wie vor Spaß, er esse auch täglich Fleisch und Wurst, und er werde sich vermutlich im selben Metier einen Job suchen, sagt er. „Vielleicht werde ich in einem Hotel arbeiten. Ich bleibe dem Handwerk treu. Aber zuerst muss ich mal hier alles abwickeln und verkaufen, dann sehen wir weiter“, so Helbling, der verheiratet ist und in Zweibrücken wohnt. Die fünf Mitarbeiter in der Wurstküche und an der Theke haben sich bereits woanders beworben und hätten sehr viele Angebote vorliegen. Um deren Zukunft macht er sich keinerlei Sorgen. „Durch unseren guten Ruf haben sie die Auswahl“, sagt er.

Eine der ältesten Metzgereien in Zweibrücken

Seiner Kundschaft sagt er persönlich, dass er zu macht. Die Großkunden wissen es bereits, den Kunden an der Theke bringt er nach und nach die schlechte Botschaft bei. Die Reaktionen seien immer gleich. „Das könnt ihr nicht machen“, sei die meistgehörte Antwort auf die Schließungspläne. Doch noch niemand habe ihn überzeugen können weiterzumachen.

Die Metzgerei Helbling ist eine der ältesten Metzgereien in Zweibrücken. Schon Georg Helblings Großvater hatte eine Metzgerei in Schönau bei Dahn betrieben, der Vater dann in Fischbach bei Dahn ebenfalls als Metzgermeister eine Metzgerei geführt. 1978 schließlich übernahm der Vater die damalige Metzgerei Arthur Kennerknecht in der Fasaneriestraße 1 in Zweibrücken, wo Helbling bis Ende des Jahres geöffnet hat. „Der Kennerknecht war ein Zweibrücker Original, der ist mit einem Ringel Lyoner beim Faschingsumzug mitgelaufen“, erinnert sich Georg Helbling, der 57 Jahre alt ist, an seine Kindheit. Bereits mit 15 Jahren hat er den Metzgerberuf erlernt.

Zweibrücker im Norden wird sehr traurig sein

Filialen hatte Helbling nie. „Kümmer’ dich um eins, dann hast du genug zu tun“, sagt er. Die Kundschaft besteht hauptsächlich aus Stammkunden aus der Stadt und Umgebung. Aber die Metzgerei schickt bisher auch regelmäßig Carepakete in den Norden Deutschlands. Dorthin ist ein Zweibrücker gezogen, aber ohne Helblings Saumagen und Hausmacher kommt er einfach nicht aus. Das wird das Nordlicht aber im kommenden Jahr genauso schmerzhaft lernen müssen wie die Zweibrücker Kundschaft.

Nach der Schließung der Metzgerei Helbling bleiben in Zweibrücken noch drei echte Metzgereien. Neben der Metzgerei Grim am Busbahnhof sind dies die Metzgerei Heller in Ixheim und die Metzgerei Burgard in der Poststraße. Produziert wird vor Ort aber nur in den ersten beiden, Burgard produziert in Bechhofen.

Die Metzgerei Helbling in Zweibrücken schließt nach fast 50 Jahren Ende des Jahres für immer.
Die Metzgerei Helbling in Zweibrücken schließt nach fast 50 Jahren Ende des Jahres für immer.
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