Meinung
AfD in Zweibrücken erschreckend stark – das ist ein Warnsignal
28 Prozent der Zweibrücker Wähler stimmten am Sonntag für die AfD. Das ist nicht nur deutlich mehr als die 20 Prozent der AfD bundes- und landesweit. Es sind auch mehr als die 27 Prozent, die die AfD im Wahlkreis Pirmasens bekommt. Mehr noch: In Zweibrücken führt die AfD nicht nur bei den Zweitstimmen, den Parteienstimmen, sondern auch bei den Personenstimmen für die Direktkandidaten. In der ganzen Pfalz gibt es nur eine Stadt und eine Verbandsgemeinde, wo das noch so ist: Germersheim und die Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau.
Alleine das Ergebnis ist erschreckend: Mehr als ein Viertel der Zweibrücker wählt eine Partei, die Frauen wieder mehr als Hausfrauen und Mütter sehen möchte. Die raus will aus der EU. Die fordert, den Euro abzuschaffen. Die im Ukraine-Krieg auf Russlands Seite steht. Die den menschengemachten Klimawandel leugnet. Und da haben wir noch kein Wort über die rassistischen, ausländerfeindlichen und rechtsextremen Ansichten der Partei verloren.
Egal wer, Hauptsache AfD!
Bei den Wahlkreiskandidaten liegt in Zweibrücken keiner der Bewerber aus der Region vorne, sondern Iris Nieland, die in Altleiningen wohnt, im Landkreis Bad Dürkheim. Rechtlich ist das in Ordnung. Man muss es sich trotzdem auf der Zunge zergehen lassen: Die Zweibrücker wollen jemanden nach Berlin schicken, der überhaupt keinen Bezug zur Stadt hat. Dass sich Iris Nieland hier nicht besonders gut auskennt, hat sich in Gesprächen mit der RHEINPFALZ bereits gezeigt. Die Zweibrücker haben sie trotzdem gewählt. Vermutlich war’s ihnen egal. Hauptsache AfD.
Woran liegt das? Mit dem Bundestrend alleine lassen sich die hohen Zahlen nicht erklären. In Kaiserslautern hat die AfD den gesamten Wahlkreis gewonnen – neben Gelsenkirchen der erste Wahlkreis in Westdeutschland. Bei den Direktkandidaten jedoch landete Matthias Mieves von der SPD auf Platz 1. Nicht Sebastian Münzenmeier, der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag. In Pirmasens hat die AfD mit 32 Prozent noch besser abgeschnitten als in Zweibrücken. Aber dort lag Florian Bilic von der CDU bei den Erststimmen vorne, der in Pirmasens wohnt und früher auch in Zweibrücken gelebt hat.
Das Ergebnis ist auch ein Problem für die Stadt
Gut einem Viertel der Zweibrücker war es offenbar wichtiger, so oft wie möglich AfD anzukreuzen, ohne Rücksicht darauf, wer die Stadt in Berlin vertreten soll. Das ist auch ein Problem für unsere Kommunalpolitiker, die sich hier nicht rausreden können, dass die Bundestagswahl nichts mit der Situation vor Ort zu tun habe. Eine solche Unzufriedenheit, die deutlich größer ist als im Durchschnitt, ist ein Warnsignal an die Stadtspitze. Das heißt nicht, dass sie nun auf die Linie der AfD einschwenken soll. Die Stadt muss sich aber fragen, was den Zweibrückern fehlt, was sie stört und was Stadt und Lokalpolitik dagegen tun können, wollen und müssen. Das Ergebnis vom Sonntag ist zu deutlich, als dass man es einfach achselzuckend hinnehmen darf und hofft, dass es beim nächsten Mal wieder weniger schlimm wird.
