Zweibrücken
Abitur ab Montag: So verhindern die Schulen, dass geschummelt wird
Ab Montag, 13. Januar, wird bis Ende Januar am Hofenfels- und am Helmholtz-Gymnasium sowie an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Contwig Abitur geschrieben. Die Abi-Prüfungen an der Berufsbildenden Schule (BBS) folgen im Sommer. Für sie alle gibt es Regeln.
„Alles, was an Verpflegung und Schreibmaterial in den Prüfungsraum mitgenommen wird, muss in durchsichtigen Behältern sein“, erklärt Christine Orf, Oberstufenleiterin am Hofenfels-Gymnasium, auf Anfrage. Die Prüflinge seien bereits Anfang Dezember schriftlich darauf hingewiesen worden, „dass Handys, Zweithandys, Smartwatches und Tablets ausgeschaltet im Aufenthaltsraum zu verbleiben haben“.
Noch keine Täuschungsversuche erlebt
In Sachen Toiletten werde seit Jahren so verfahren, dass ausschließlich die eine Toilette im Anbau des Obergeschosses, wo die Prüfungen stattfinden, benutzt werden darf. „Wobei eine Aufsicht darauf achtet, dass es nicht zum Austausch zwischen zwei Prüflingen kommt“, so Orf. Die Dauer des Toilettengangs werde in den Unterlagen protokolliert.
Orf: „Gottlob habe ich beim schriftlichen Abitur noch nie einen Täuschungsversuch erlebt, durch den dem Prüfling ja das Abitur aberkannt würde. Ich hoffe, das bleibt auch 2025 so.“ Auch die Wetterprognosen hat sie im Blick, „die für diese Woche sehr entspannt aussehen“. Alle hoffen, dass eine Blitzeis-Situation wie 2024 ausbleibt.
Geschützter Raum in der Multifunktionshalle
„Wir schreiben den Großteil unserer Prüfungen in der Multifunktionshalle. Das ermöglicht uns, für nahezu alle Prüfungen einen ,geschützten Raum’ nutzen zu können“, schickt Kerstin Kiehm, Schulleiterin des Helmholtz-Gymnasiums, auf Anfrage voraus. Sobald die Prüflinge die Multifunktionshalle betreten, müssen sie im Foyer ihre Jacken, Rucksäcke und Taschen ablegen und dort deponieren. Erst danach betreten sie nach Aufforderung und Zuteilung der Sitzplätze den Prüfungsraum.
Das Mitbringen von elektronischen Geräten, Handys und Smartphones sowie Uhren – generell aller, nicht nur digitaler, weil man manchmal nicht unterscheiden könne – ist verboten. Das habe man vorab kommuniziert, sagt Kiehm. Die Geräte müssten im Vorraum bleiben oder gleich ganz zuhause gelassen werden. Genügend Uhren seien vor Ort vorhanden, sodass jeder – von welchem Sitzplatz auch immer – die Uhrzeit einsehen könne. Die Abiturienten werden laut Kiehm „vor Beginn einer jeden Prüfung nochmals auf das Verbot jeglicher elektronischer Geräte sowie Uhren gesondert hingewiesen“.
In durchsichtigen Behältnissen
Die Schulleiterin: „Mitnehmen in den Prüfungsraum darf man nur Essen und Trinken – am besten in durchsichtigen Behältnissen – und Schreibmaterial.“ Essen, Trinken und Schreibmaterial müssten offen auf den Tischen liegen. Die Kolleginnen und Kollegen kontrollierten vor jeder Prüfung das Mitgebrachte.
Jeder Toilettengang muss Kiehm zufolge bei den Lehrern angezeigt, Uhrzeit und Dauer des Toilettengangs auf einem Protokollblatt notiert werden. Ein Kollege führt Aufsicht im Bereich zu den Toiletten, begleitet werden die Schüler jedoch nicht. Die Toiletten werden „an jedem neuen Prüfungstag vorab kontrolliert“, obwohl man aufgrund der Sperrung der Multifunktionshalle eigentlich davon ausgehen müsse, dass dort keine unerlaubten Hilfsmittel versteckt werden können.
„Bisher hatten wir wissentlich noch keine Betrugsversuche, die geahndet und sanktioniert werden mussten“, sagt Kerstin Kiehm. Der Preis für eine Täuschung sei sehr hoch, und das sei den Abiturienten bewusst. Diese würden vor jeder Prüfung erneut auf die Konsequenzen hingewiesen.
Kleine Glücksbringer sind erlaubt
Auch an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Contwig hat man noch keine Erfahrungen mit Täuschungsversuchen im Abi gemacht. „Zumindest keine, die wir aufdecken konnten“, wie Oberstufenleiterin Elena Süs auf Anfrage informiert: „Da alle vor den Abiturprüfungen eine genaue Belehrung mit den Konsequenzen zu Täuschungsversuchen erhalten, wissen die Schülerinnen und Schüler Bescheid.“ Auch die niedrige Anzahl an Abiturienten – meist 30 bis 35 – erschwere das Spicken, vermutet Süs.
Die Schüler legen in einem Nebenraum Taschen, Jacken, Handys und Smartwatches ab. Essen, Getränke, Stifte – meistens noch Glücksbringer – dürfen sie in den Prüfungsraum mitnehmen. Offizielle Hilfsmittel wie Atlanten, Wörterbücher oder Formelsammlungen werden entweder von der Schule gestellt oder von einer Lehrkraft durchgesehen. Die Schüler sitzen an Einzeltischen mit Abstand.
„Gehen sie zur Toilette, müssen sie ihr gesamtes Arbeitsmaterial, Aufgaben und Blätter, bei der Hauptaufsicht abgeben und werden von der Flur-/Toilettenaufsicht in Empfang genommen“, sagt Süs. In den Toiletten selbst finde keine Aufsicht statt. Die Toiletten seien im Prüfungszeitraum nur für Abiturienten geöffnet.
Regeln für Toilettenbesuche
Essen und Trinken dürfen auch die Prüflinge an der Berufsbildenden Schule (BBS) auf den Tisch legen, aber keine Mäppchen. „Nur Stifte und Hilfsmittel für die Prüfung“, erklärt Achim Rohr, Studiendirektor bei der Schulleitung. Handy, Smartphone und Co. müssen zuhause bleiben oder, falls doch dabei, ausgeschaltet im Rucksack beziehungsweise in der Tasche verstaut werden, die gesammelt vorne im Prüfungsraum stehen. Eine Kontrolle erfolgt durch die Aufsicht im Prüfungsraum.
Auch an der BBS wird jeder Toilettengang dokumentiert und ist nur in Begleitung beziehungsweise unter Aufsicht im Flur und an den Toiletten möglich. Die Toiletten werden vorher untersucht, sagt Rohr. Zehn Minuten vor und nach den Pausen sei kein Toilettengang möglich. Ebenso sei nach der ersten Abgabe – frühestens eine Stunde vor Prüfungsende – kein Toilettengang mehr erlaubt. Außerdem werden laut Rohr die Prüfungsräume abgegrenzt/-gesperrt, die Tische entsprechend weit auseinandergestellt und es gibt mehr Aufsichtspersonen.