Zweibrücken
Glatteis: So lief der Mittwoch in der Stadt
Ziemlich menschenleer waren die vereisten Straßen und Gehwege in Zweibrücken am Mittwoch. Viele Zweibrücker verlegten ihren Arbeitsplatz an den heimischen Computer. Homeoffice konnten die Besatzungen der Räum- und Streufahrzeuge des städtischen Umwelt- und Servicebetriebs Zweibrücken (UBZ) nicht machen: Sie hatten bereits am Dienstagabend ab 20 Uhr ihre Streufahrten durch das Stadtgebiet aufgenommen. Ab 4 Uhr am Mittwochmorgen streuten sie dann die Zweibrücker Hauptverkehrsstraßen, ehe ab 6 Uhr die Nebenstraßen an die Reihe kamen. Es soll nette Menschen gegeben haben, die für die Helfer, die in Eiseskälte durch die Nacht kreuzten, eine heiße Tasse Tee oder Kaffee übrig hatten. Weil am Mittwoch im Stadtgebiet keine Müllabfuhr auf dem Abfallplan stand, konnten die Mitarbeiter dieser UBZ-Sparte ebenfalls im Streudienst eingesetzt werden.
Die Überlandbusse der Regionalbus Zweibrücken (RBZ) – das sind die mit dem QNV-Schriftzug – blieben aufgrund Eisregens und gefrorener Bus-Frontscheiben in den Depots. Das gleiche Bild zeigte sich bei der Zweibrücker Stadtbus GmbH: Dort habe man am Vormittag „im Hof Schlittschuhlaufen können“, wie ein Mitarbeiter erzählte. Morgens waren Stadtbusse ausgerückt, doch gegen 7 Uhr stellten sie vorübergehend den Betrieb ein. Am Nachmittag wurden einige Fahrten wieder aufgenommen.
Jeder kommt zum Abitur
Die Polizei registrierte am Mittwoch acht glättebedingte Verkehrsunfälle im Stadtgebiet. „Zum Glück gab es dabei keine Personenschäden“, erläutert Inspektionsleiter Nicolai Zöller, dass es bei leichten Blechschäden auf Nebenstraßen geblieben sei. Die Zweibrücker Feuerwehr meldete keinerlei Glätte-Einsätze.
Am Dienstagabend sagten die weiterführenden Schulen in Zweibrücken ihren Präsenzunterricht für Mittwoch ab. Die Abiturprüfungen fanden aber statt: Sämtliche 45 Schüler in drei Kursen, die am Hofenfels-Gymnasium ihr Englisch-Abi schrieben, fanden den Weg ins Schulhaus. Am Helmholtz-Gymnasium sind am Mittwoch alle 44 Englisch-Absolventen zur Prüfung erschienen. Viele von ihnen hatten sich laut Schulleiterin Kerstin Kiehm sehr früh auf den Schulweg begeben und waren teilweise schon um 6.30 Uhr im Gymnasium. Einige hätten zuvor eigens bei Freunden in der Stadt übernachtet. Laut Hofenfels-Rektor Jörg Neurohr waren alle Nicht-Abiturienten der weiterführenden Schulen zum Daheimbleiben aufgerufen; sie wurden über die Online-Plattform Moodle mit Arbeitsaufträgen für zuhause versorgt. Genauso hätten es auch die Berufsschule und die Canadaschule gehandhabt. Auch an der IGS Contwig seien am Mittwoch alle Abiturprüflinge vor Ort gewe. Laut Kultusministerium wird Schülern, die wetterbedingt ihre Schule nicht erreichen konnten, der Mittwoch nicht als Fehltag angerechnet.
Kino bleibt dicht
Das Rathaus und die Dienststellen der Zweibrücker Stadtverwaltung blieben am Mittwoch geöffnet; zahlreiche Beschäftigte nutzten die Möglichkeit zum Arbeiten im Homeoffice.
Mitarbeiter vom Rotkreuz-Kreisverband Südwestpfalz konnten auf den glatten Straßen zunächst das Essen auf Rädern nicht ausliefern. Daraufhin machte die Bereitschaft vom DRK-Ortsverein Zweibrücken zwei Allradfahrzeuge startklar und brachte die warmen Mahlzeiten in die Haushalte.
Weil Personal daheimgeblieben ist, hielt die Sparkasse Südwestpfalz ihre Zweigstellen in Contwig, Waldfischbach-Burgalben und Bruchmühlbach geschlossen, die SB-Automaten konnten aber genutzt werden.
Das Zweibrücker Kino Cinema Europa gab auf seiner Internetseite bekannt, dass es aufgrund der Wetterlage am Mittwoch und Donnerstag geschlossen bleibt.
Im Krankenhaus bleibt es eher ruhig
In der Zweibrücker Notaufnahme des Nardini-Klinikums war es bis zum Nachmittag recht ruhig. Kein erhöhtes Patientenaufkommen durch Stürze auf Eis meldete ein Klinik-Sprecher. Damit sei aber noch keine Entwarnung zu geben. Oft zeigten sich die Folgen eines solchen Eis- und Schneetages klinisch erst an den Folgetagen. Dann, wenn die Patienten merkten, dass die erlittene Blessuren doch schlimmer seien als zunächst angenommen. Beim Nardini hofft man, dass die Warnungen zur Vorsicht fruchteten und der flachen ersten Welle in der Notaufnahme nicht doch noch eine steile zweite folgt.
Bei Zweibrückens größtem Arbeitgeber, dem Kranenbauer Tadano-Demag, gab es kleinere Beeinträchtigungen. Die Mittagsschicht für das Personal der Abnahme im Werk Dinglerstraße wurde abgesagt – zu gefährlich in den Außenbereichen. Früh wurde aber in beiden Werken normal gearbeitet, die Produktion stand nicht still wegen ausbleibender Mitarbeiter. Die meisten Verwaltungsmitarbeiter seien am Mittwoch ins Homeoffice gewechselt, hieß es bei Tadano-Demag.
Und auch der Einzelhandel bekommt so einen Glatteis-Tag zu spüren. „Heute Morgen war absolut tote Hose, 80 Prozent weniger Umsatz“, vermeldete Edeka-Kaufmann Dieter Ernst. Ernst schickte Personal sogar nach Hause. Am Nachmittag habe das Geschäft aber wieder anzogen. Sowieso kein Grund zu Klage: „Die Leute haben am Dienstag vorgekauft. Das war wirklich ungewöhnlich“, sagt Ernst.
UBZ erklärt den Winterdienst
Um Unklarheiten über den Ablauf der Schneeräumung im Zweibrücker Stadtgebiet zu begegnen, erklärt Jonathan Hübscher vom UBZ auf Anfrage den festgelegten Räumplan. Dieser Touren- und Prioritätenplan sei eng mit der Stadt abgestimmt. Höchste Priorität haben laut Hübscher die Straßen, auf denen die Stadt gesetzlich zum Winterdienst verpflichtet ist. Diese bringen es auf 65 Kilometer Streckenlänge und würden in zwei Touren abgefahren, was fünf bis sechs Stunden Winterdienst entspreche. Mit höchster Priorität geräumt und gestreut werden die Fahrbahnen der Ortsdurchfahrten entlang der Bundes- und Landesstraßen etwa in Ixheim, Mittelbach und Mörsbach, Niederauerbach und den Innenstadt-Durchfahrtsstraßen.
In anderen Straßen innerorts, sagt Hübscher, sei die Stadt „nur dann zum Winterdienst verpflichtet, wenn die Gefährlichkeit und die Verkehrswichtigkeit des Verkehrsweges ein Tätigwerden erfordern“. Mit gefährlichen Stellen seien scharfe oder unübersichtliche Kurven mit Gefälle oder abschüssige Kreuzungen gemeint. Als verkehrswichtig gälten vielbefahrene Hauptverkehrsstraßen. Der UBZ-Fachmann: „Kurzfristige Verkehrsspitzen – etwa bei Schulbeginn und -ende – begründen für sich allein noch keine Verkehrswichtigkeit.“ Weitere Touren der zweiten Priorität betreffen Seitenstraßen sowie teilweise Schulen und Busspuren.
Für Anwohner, stellt Jonathan Hübscher klar, beziehe sich die Räum- und Streupflicht der Anlieger auf Gehwege und Gehwegverbindungen. Auch in Straßen, in denen der UBZ-Winterdienst fährt, hätten Privatleute die Trottoirs zu räumen. Diese Pflicht gelte zwischen 7 und 20 Uhr.