Handball
36:21 – Zweibrücker Stadtderby gegen die VTZ geht klar an die 64er
Es war keine Viertelstunde gespielt, da humpelte Moritz Baumgart vom Feld. „Ich habe probiert weiterzulaufen, es ging nichts mehr“, sagte der Rückraumspieler von Handball-Oberligist VTZ Saarpfalz nach Abpfiff des Zweibrücker Stadtderbys. Dick geschwollen war sein Bein oberhalb des linken Knies. „Klassisches Eisbein“, diagnostizierte er sofort. Das frühe Aus Baumgarts schwächte die VTZ weiter, die ohnehin mit Personalproblemen zu kämpfen hatte. Dass der SV 64 Zweibrücken dieses Derby mit 36:21 (17:11) klar für sich entschied, habe aber nicht nur an den Personalproblemen gelegen, suchte VTZ-Trainer Marek Galla keine Ausreden.
Was den Coach ärgerte, war die Tatsache, dass seine Mannschaft sich viel zu leicht auskontern ließ. „Wir haben diese Woche im Training immer wieder gesagt, wenn einer von uns zum Wurf ansetzt, dann ziehen sich die anderen fünf zurück. Wir haben aber erst umgeschaltet, wenn geworfen war. Das war zu spät. Da hat uns der SV ausgekontert“, resümierte Galla.
Rückzugsverhalten der VTZ passt nicht
Der Plan der SV-Löwen, auf Tempo zu setzen, ging auf. „Wir haben von Anfang an geführt, haben recht ordentlich das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten und sind nie in die Verlegenheit geraten, das Spiel irgendwann aus der Hand zu geben“, bilanzierte SV-Trainer Stefan Bullacher, der einen sehr entspannten Sonntag auf der Trainerbank erlebte.
Das erste Tor fiel aus dem gebundenen Angriff heraus. Philipp Kockler, der aus dem Rückraum für die meiste Gefahr im SV-Spiel sorgte, passte mustergültig auf Sebastian Meister am Kreis, der zur Führung einnetzte. Das zweite Tor für die „Gäste“ markierte Kockler selbst, aber VTZ-Routinier Tobias Stauch, der testete, ob zwischen Torwartbein und kurzem Pfosten noch ein Ball passt – er passte – und Baumgart hielten die VTZ im Spiel.
Stauch beweist: „Heber geht immer“
„Wir haben am Anfang nicht zu Ende verteidigt“, war SV-Abwehrchef Tom Grieser mit dem Defensivverhalten nicht glücklich. Insgesamt mit dem Derby aber schon. „Ich brauche das, fühle mich einfach wohl, wenn so eine Stimmung ist“, sagte er mit Blick auf die sehr gutgefüllte Tribüne, auf der die SV-Fans den Ton angaben. „War schön, noch mal ein Spiel vor so einer Kulisse zu spielen“, bestätigte Stauch. Er gehörte mit Tomas Kraucevicius zu den auffälligsten Spielern bei der VTZ und bestätigte in der zehnten Minute seine Handball-Philosophie: „Heber geht immer“. Per Heber verkürzte er auf 5:7. Auch er war mit dem Rückzugsverhalten der VTZ-Mannschaft – „da nehme ich mich nicht aus“, ergänzte er – nicht zufrieden. Gefühlt 80 Prozent der SV-Tore „entstanden aus der ersten und zweiten Welle“, bilanzierten Stauch und Galla unisono.
Der SV 64 war gedanklich in vielen Situationen das schnellere Team und setzte das auch in Spieltempo um. Wie Grieser, der mit feinen Gegenstoßtoren tolle Akzente setzte. Dass bei der VTZ Torwart Norman Dentzer, der im Hinspiel den SV-Angreifern das Leben so schwer gemacht hatte, passen musste, „war sicher nicht zu unserem Nachteil“, sagte Grieser lachend. Dentzer, Kreisläufer Julian Kreis und Dominik Rifel fehlten bei der VTZ krankheitsbedingt. Dazu hatte sich Abdu Belhadi am Freitag in die Hand geschnitten. Der Torschützenkönig des Hinspiels fiel damit auch aus. Das alles konnte die abstiegsbedrohte VTZ nicht kompensieren. Mit ein Grund, neben dem Tempo, das der SV vorlegte, „dass man heute den Tabellenunterschied gesehen hat“, sagte Bullacher, der sich gleichfalls freute, dass sich viele Fans für das Derby interessierten.
SVler Finck nutzt gleich die erste Chance
„War für mich ja das erste Auswärtsspiel in dieser Halle“, sagte Lasse Finck lachend, der vor der Saison von der VTZ zum SV gewechselt war. Das 31:17 erzielte er per Gegenstoß. Der Jubel bei seinen Teamkollegen war groß, denn Finck hatte zuletzt eine Menge Chancen liegen lassen. „Ja, das lief nicht so gut für mich“, bekannte Finck und freute sich, dieses Mal gleich seine erste Chance genutzt zu haben. Besonders gefeiert wurde auch Tim Eisel: Torwart Benedict Haubeil hatte abgewehrt, spielte den langen Pass auf den schnell gestarteten A-Junior, der sehenswert zum 36:21-Endstand einnetzte.
So spielten sie
VTZ Saarpfalz: Glöckner, Wolf (ab 50.) - Kraucevicius (5), Michel (1), Baumgart (1) - Stauch (4), Rolshausen (4) - von Lauppert (3/1) – Buchheit (1), Groß, Graff (1), Bernt (1)
SV 64 Zweibrücken: Zajac, Haubeil (ab 51.) - Grieser (7), Soos (4/2), Kockler (5) - Hammann (5), Zellmer (3) - Meister (3) – Kroner (1), Winter (3), Naumann (1), Finck (1), Eberhard (2), Eisel (1)
Spielfilm: 4:6 (8.), 6:11 (14.), 9:11 (19.), 11:17 (Halbzeit), 12:20 (37.), 14:24 (43.), 17:29 (51.), 21:36 (Ende) - Zeitstrafen: 6:4 - Siebenmeter: 2/1 - 4/2 - Beste Spieler: Grieser, Kockler - Stauch, Kraucevicius - Zuschauer: 720 - Schiedsrichter: Meyer/Hemmer (Dansenberg).