Blieskastel RHEINPFALZ Plus Artikel 20. Osterrock mit der Zweibrücker Band Purple Haze

20 Jahre Osterrock von Purple Haze mit (von links) Andreas Baltes, Dirk Reichel und Olaf Ehrmantraut.
20 Jahre Osterrock von Purple Haze mit (von links) Andreas Baltes, Dirk Reichel und Olaf Ehrmantraut.

Rechtzeitig, zum 20-jährigen Jubiläum, kehrt der Blieskasteler Osterrock mit der Zweibrücker Band Purple Haze wieder dorthin zurück, wo er hingehört.

Das zwischenzeitliche dreijährige Gastspiel im Blieskasteler Stadtteil Bierbach, erzwungenermaßen wegen der Sanierung der Blieskasteler Bliesgau-Festhalle in der Innenstadt, ist vorbei. Entsprechend gelöst geben sich die fünf Rockmusiker, die zum runden Geburtstag ihren Auftritt um 30 Minuten auf zwei Stunden verlängern.

Nicht nur musikalisch ist der Abend für Olaf Ehrmantraut ein Fest. Der Gitarrist von Purple Haze ist spürbar erleichtert, mit dem Kultrockfestival der Band wieder daheim zu sein. In Bierbach musste man jeweils für die komplette Konzertinfrastruktur sorgen vom Bühnenaufbau, über das Auslegen eines Bodens zum Schutz der Turnhalle, bis hin zur Technik. Zwei Wochen Freizeit habe das jeweils gekostet. Und eine Menge mehr an Geld an in die Bliesgau-Festhalle. „Hier ist dagegen alles da, was wir brauchen. Wir kommen her, bauen auf und können gleich loslegen.“

Nico Kiefer beim Osterrock in Blieskastel.
Nico Kiefer beim Osterrock in Blieskastel.

Diesmal gehört eine Videoleinwand zum Spektakel. Während das Intro zu Bon Jovis „Lay Your Hands on Me“ erklingt, zeigen sich auf der Leinwand die Plakate sämtlicher Osterrock-Veranstaltungen zuvor. Und während sich die Band in ihren ersten Liedern dem Glamrock widmet, öffnet sie für die 550 Besucher ein umfassendes Fotoalbum vom Gestern bis ins Heute – mit vielen Bandmitgliedern, die schon längst kein Teil des aktuellen Sextetts mehr sind.

Die Verbundenheit von Purple Haze zu seinen Ex-Mitgliedern ist keine Show. 2018, als die Band 25 Jahre alt wurde, lud sie zum Osterrock einige von ihnen zum Gastspiel auf der Bühne ein. Darunter Carmen Herkommer, die eine Zeit lang Sängerin war, sowie Ralf Oswald und Manuel Kettenring. Später im Jahr feierte man mit ihnen noch eine große Geburtstagsparty auf einem Gelände einschließlich Spielplatz.

Man sieht es den Fotos der Bandgeschichte an. Aus den rotzfrechen Teenies von damals, die eines ihrer ersten Gastspiele schon im Zweibrücker Rosengarten boten, sind gestandene Männer geworden. Und Familienväter. Eins der Kinder von Andreas Baltes, dem Bassisten , erlebt den Auftritt seines Vaters sitzend am Bühnenrand. Samt Kopfhörer in Rosa. Purple Haze kann und macht zwar immer noch Party. Aber mit Verantwortungsgefühl.

Beim Osterrock dabei: Tobias Weisgeber (links).
Beim Osterrock dabei: Tobias Weisgeber (links).

Ist es Zufall, dass sich die Setlist während der ersten jugendlichen Banderinnerungen im Glamrock der 80er-Jahre bewegt? Auf Bon Jovis Knaller folgt „We’re Not Gonna Take It“ von Twisted Sister und Alice Coopers „Poison“. Nur Iron Maidens „The Wicker Man“, Song Nummer drei, passt nicht ganz in diese Reihenfolge. Es ist an diesem Abend erstaunlicherweise der einzige Iron-Maiden-Titel, der in Blieskastel zu hören ist. Weil die Band erneut neues Material einstudiert hat. Besonders Yungbluds „The Funeral“ sticht hier heraus.

Der britische Alternative-Rocksänger ist einer der wenigen der neuen Garde, der auch die Gnade von Fans alter, harter Mucke findet. Während die Band sein Lied spielt, fällt eine dazu jubelnde junge Frau auf, die ein Accept-T-Shirt trägt. Kurz vor seinem Tod adelte der legendäre Ozzy Osbourne den 28-Jährigen Neuling am Rockmusikolymp, indem er ihn während seines Abschiedskonzert „Changes“ singen ließ. Yungblud selbst hat mit „Zombie“ längst einen Hit mit Legendenpotenzial veröffentlicht. Purple Haze spielt aber „The Funeral“, das lautstark gefeiert wird. Womit wir beim Thema des Abends sind: einer guten Allumfassung sämtlicher Stile der harten Musik des letzten halben Jahrhunderts.

Da darf Deep Purples „Perfect Strangers“ nicht fehlen, indem Dirk Reichel nahezu perfekt das Timbre von Ian Gillan trifft. Später wandelt er traumwandlerisch durch „Bohemian Rhapsody“, ohne dass der Queen-Fan erneut – wie hier vor vielen Jahren – in Tränen ausbricht. Weil das Publikum damals lauthals beginnt, mitzusingen. Überhaupt Reichel. Wenige wissen, dass er Gesangsunterricht nimmt, um stimmsicher zu bleiben. Auf vier Powerwolf-Alben ist er im Chor zu hören. Es gibt Leute, die ihm in der Musikszene mehr zugetraut hätten, als legendäre Rockmusikabende im Bliesgau.

Begeisterten die Fans (von links): Nico Kiefer, Marc-Oliver Mayer und Tobias Weißgerber.
Begeisterten die Fans (von links): Nico Kiefer, Marc-Oliver Mayer und Tobias Weißgerber.

Auch Tobias Weißgerber ist so einer, der sich im Stillen in anderen Musikprojekten tummelt. Mit der Band Philosophobia hat er schon zwei beachtliche Progrock-Alben veröffentlicht und gehört zu den wenigen in der Band, die nicht nur mit Talent, sondern mit der Fähigkeit gesegnet sind, Noten lesen zu können.

Insgesamt bildet sich so eine Band, die neben der „Bohemian Rhapsody“ auch das komplizierte „New Born“ von Muse kann und damit das Publikum in ein Finale reißt, in dem sich viel Nu Metal findet. „Chop Suey!“ von System of a Down, „Last Resort“ von Papa Roach und „Killing in the Name Of“ von Rage Against the Machine wirken jung und mitreißend. Obwohl diese Lieder auch schon wieder etwa 25 bis 35 Jahre alt sind. Gute Musik stirbt eben nie. Vor allem, wenn sie von leidenschaftlichen Musikern gespielt wird.

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