Zweibrücken Ängsten mit Offenheit begegnen

Sie ist 36 Meter hoch und weithin sichtbar – die Konditionierungsanlage der Firma Terrag, die am Eingang zur Deponie im Rechenbachtal steht und seit 9. Februar Stäube zu Feststoffen verarbeitet. Der Bürgerinitiative aus Mörsbach ist das ein Dorn im Auge. Sie will verhindern, dass dort künftig auch gefährliche Stoffe verarbeitet werden. Terrag-Betriebsleiter Timo Keller wiederum will den Vorbehalten gegen den Betrieb der Anlage und den Ängsten der Bürger mit Offenheit begegnen.
Am Donnerstag erläuterte er gemeinsam mit Hubert Immesberger, der für die Pressearbeit des Unternehmens zuständig ist, die Funktion der 1,5 bis zwei Millionen Euro teuren Anlage, die dem neusten Stand der Technik entspreche. Das System sei ein geschlossener Kreislauf – von der Anlieferung der Stäube bis kurz vorm Beladen der großen Muldenkipper mit dem zu einer Art Mörtel verarbeiteten Material. Die Stäube könnten nirgends entweichen. Vor der erstmaligen Anlieferung müsse der Abfallerzeuger zunächst die Zusammensetzung in einem Labor analysieren lassen, erklärt Keller. Es sei der Nachweis zu erbringen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Alle 1000 Tonnen würden neue Proben gezogen und analysiert. „Unsere Kunden liefern homogene Abfälle an“, sagt Keller. Es handele sich stets um die gleichen Materialien. In großen Silofahrzeugen werden die Rückstände aus Kohlekraftwerken, Papierfabriken und der Klärschlammverbrennung angeliefert. Nachdem sich der Fahrer in der Leitwarte angemeldet hat und der Lieferschein überprüft ist, dockt das Fahrzeug an der ihm zugewiesenen Annahmestation an. Dann wird das feine Material mit Druckluft aus dem Kesselbehälter in eines der vier Silos geblasen. Jedes Silo hat ein Füllvolumen von jeweils 170 Kubikmetern. Die Silos werden laut Keller zweimal wöchentlich inspiziert. Wäre ein Silo undicht, würden Messsonden dies sofort melden. Um die Stäube verarbeiten zu können, werden stündlich 90 Kubikmeter Wasser benötigt. Das reguläre Wassernetz kann aber nur 30 Kubikmeter liefern. Deshalb hat Terrag in unmittelbarer Nähe der Anlage ein Becken angelegt, das 500 Kubikmeter Wasser fasst und aus dem bei Bedarf Wasser in die Anlage gesaugt wird. Am unteren Ende der Silos – bevor der Staub mit Wasser vermischt wird – wird das Material gewogen und automatisch die Wassermenge bestimmt, die zugeführt werden muss, um den Staub zu binden. Das geschieht dann an der nächsten Station, der Mischanlage. Das entstehende feste Material eignet sich als Deponiebaustoff. Der Umwelt- und Servicebetrieb nutzt es zur Abdeckung der aus Italien angelieferten asbesthaltigen Eternitplatten, die in Big Bags luftdicht verpackt sind. Das Material aus der Terrag-Anlage ist eine Art feuchter Mörtel, der sich eng um die Big Bags legt, ohne sie zu beschädigen. Er härtet innerhalb weniger Stunden aus – bei höherem Wasseranteil in zwei bis drei Tagen. Erdaushub mit spitzen Steinen sei als Abdeckmaterial weniger geeignet, weil es die Folie ums Asbest zerstören könne, meint Immesberger. An der Verladestation am unteren Ende der Anlage fällt das gebundene feuchte Material auf die Ladefläche eines 35 Kubikmeter fassenden Muldenkippers, der es zum Einbau auf die Deponie abtransportiert. Keller kündigt an, dass die Verladestation demnächst leicht verändert wird. Man nehme eine Anregung der Bürgerinitiative auf und installiere eine Seilwinde, mit deren Hilfe man die Fallhöhe des Materials auf die Ladefläche fahrzeugabhängig anpassen könne. „Wir bauen um, obwohl wir das eigentlich nicht machen müssten, weil die Aufsichtsbehörde die Anlage so abgenommen hat“, betont der Betriebsleiter. Dass es nach der Behandlung des angelieferten Materials bei der Verladung noch stauben könnte, wie Mitglieder der Bürgerinitiative behaupteten, schließt Keller völlig aus. Das Material sei beim Verladen noch feuchtwarm und die Ladefläche der Muldenkipper werde im Winter beheizt, damit nichts anbackt. Der dabei entstehende Wasserdampf könne fälschlicherweise als Staub wahrgenommen werden. Nach Kellers Angaben ist die Anlage auf einen Durchsatz von 120 000 Tonnen im Jahr ausgelegt und genehmigt. Anlieferungen erfolgen aus einem Umkreis von rund 200 Kilometern. Über 50 Prozent der Abfälle stammen laut dem Betriebsleiter aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz, der Rest aus Baden-Württemberg, Luxemburg und Ostfrankreich. Im Durchschnitt erreichten zehn bis 20 Silofahrzeuge am Tag die Anlage . „Wir haben die Anfahrtswege der Speditionen abgefragt, demnach kommt der überwiegende Teil über Zweibrücken, ein paar kommen aus Richtung Martinshöhe, keiner über Kirrberg“, so Keller. In der Anlage auf dem Deponiegelände arbeiten drei Mitarbeiter, insgesamt beschäftigt Terrag 85. Die Zentrale ist in Homburg, Niederlassungen gibt es im Saarland, in Luxemburg und Frankreich. In der Pfalz betreibt das Unternehmen zwei Konditionierungsanlagen: die neue in Zweibrücken und eine ältere an der Deponie Kapiteltal in Kaiserslautern. Die Anlage in Wiebelskirchen wurde stillgelegt, weil die dortige Deponie, die Terrag betrieben hatte, verfüllt ist.