Kreis Südwestpfalz
Contwig: Weiterer Klassenraum in Grundschule gesperrt
An der Grundschule in Contwig ist ein weiterer Klassenraum gesperrt: Als sich Vertreter der Verbandsgemeinde, Eltern, Schule und weitere Betroffene am Mittwochabend zum Gespräch wegen im Keller festgestellter Schimmelsporen trafen, fiel der Unfallkasse etwas im Fußboden auf.
Contwig. Eigentlich ging es um den früheren Turnraum im Keller, der zum Klassenraum umgebaut worden war, aber bisher nicht genutzt wurde, weil dort zum Schuljahresbeginn Schimmelsporen in der Luft festgestellt worden waren. Aber dann fanden Vertreter der Unfallkasse etwas, „von dem wir überrascht wurden“, wie es Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker im Gespräch mit der RHEINPFALZ ausdrückte. Die Verwaltung teilte gestern in einer Presseerklärung mit: „Die Verbandsgemeindeverwaltung wurde am späten Mittwochnachmittag, unmittelbar vor Beginn der Gesprächsrunde in Sachen Schimmelproblematik, durch die Unfallkasse Rheinland-Pfalz informiert, dass in einem Schulsaal im Erdgeschoss der Verdacht besteht, dass der vorhandene Bodenbelag asbesthaltig sei.“ Da der Belag Schadstellen aufweist, habe der Gefahrstoffexperte der Unfallkasse bestätigt, dass der Klassensaal sofort für den Unterricht zu sperren sei. Nur der: „Ausdrücklich wurde klargestellt, dass diese Problematik nur in diesem einen Klassensaal besteht.“
Asbest in beschädigtem Fußboden
Das Fachbüro Marx, das die Schule auch auf Schimmelbefall untersucht hat, hat am Donnerstagmorgen Proben genommen. Das Ergebnis: Sowohl der Belag wie auch der Kleber sind asbesthaltig. Laut Bauamtsleiter Wilfried Lauer wurde bereits eine Firma beauftragt, die ab Montag den Boden austauscht, damit der Saal möglichst nach den Ferien wieder genutzt werden kann. Lauer rechnet mit Kosten von 15 000 Euro.
Der umgebaute Raum im Keller soll indes nach den Herbstferien als Klassenraum für die 1c genutzt werden. Gesundheitsamt und Unfallkasse hätten ihn freigegeben, sagte Gundacker auf Anfrage. In den Herbstferien sollen noch Stufen an den Fenstern gebaut werden, um sie als Rettungsweg nutzen zu können. Der ehemalige Turnraum war im Sommer umgebaut worden. Nachdem sich Eltern massiv beschwert hatten, ließ die Verbandsgemeinde ihn auf Schimmel testen, und tatsächlich wurden Schimmelsporen in der Luft festgestellt. Der Raum wurde erneut gereinigt, zudem wurde auch das Erdgeschoss untersucht. Das Fachbüro gab danach grünes Licht: Die untersuchten Bereiche im Erdgeschoss wie im Keller „können weiter wie gewohnt genutzt werden“, heißt es in den Untersuchungsberichten des Büros, die Ende August angefertigt wurden.
Nach dem Treffen mit Vertretern der Verbandsgemeindeverwaltung, der Gesundheitsaufsicht der Kreisverwaltung, der Unfallkasse Rheinland-Pfalz, des Gutachterbüros Dr. Marx, der Schulleitung, der Grundschulaufsicht der ADD sowie des Schulelternbeirates am Mittwoch hat die Verbandsgemeinde weitere Maßnahmen zugesagt, um mögliche Ursachen des Schimmelbefalls – etwa feuchte Mauern – zu bekämpfen. So soll das Mauerwerk von außen freigelegt, abgedichtet und getrocknet werden. Außerdem sollen die Heizungsleitungen erneuert werden. Außerdem soll die Luft alle drei Monate überprüft werden. „Der zum Klassensaal umgebaute ehemalige Turnraum im Untergeschoss kann grundsätzlich nach den Herbstferien genutzt werden“, schreibt die Verwaltung. Die Türen zu den übrigen – ungenutzten – Räumen im Untergeschoss sollen vorsorglich abgeklebt werden.
Eltern kritisieren Gundacker
Unterdessen werfen Eltern dem Verbandsbürgermeister vor, zu zögerlich gehandelt zu haben. In einem offenen Brief vom Dienstag „im Namen der Interessengemeinschaft der Eltern von betroffenen Kindern der Grundschule Contwig“ schreiben Isabell Frank, Liba Klat-Peters und Sina Noll: „Es ist eine Schande, dass die Schule bereits seit über zwölf Jahren eine der Verbandsgemeindeverwaltung Zweibrücken-Land bekannte Schimmelproblematik hat, die auch von Laboren immer wieder bestätigt wurde, jedoch erst nach massivem Druck der Eltern 2019 zögerlich bearbeitet wird. Auch von Seiten der Schule, wurde des Öfteren auf Missstände hingewiesen, sogar bei Begehungen lokalisiert, und um Beseitigung gebeten. Vergebens!“ Schimmelbefall stelle „ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko für unsere Kinder sowie für die Lehrkräfte dar. Es ist nicht zu tolerieren und schon gar nicht einfach ,weg zu lüften’.“ Raumluftmessungen seien „nur eine wenig aussagekräftige Momentaufnahme“: „Wir stellen uns die Frage, wie es in ein paar Wochen oder Monaten wieder aussieht?“
Die Eltern fordern, die Ursachen für den Schimmelbefall zu finden und zu beseitigen. Der ehemalige Turnraum sei auch nicht komplett saniert worden, beispielsweise sei der Bodenbelag nicht erneuert worden.
Die Eltern ärgern sich zudem über eine Aussage „des für den Umbau zuständigen Architekten: ,... unsere Kinder sind deshalb so schnell krank, weil sie keinen Dreck mehr fressen...’ Sollen unsere Kinder jetzt also diesen Dreck fressen? Wir sind der Meinung, dass Schimmel nicht der ,Dreck’ ist, der förderlich für die Immunisierung unserer Kinder ist.“
Dem Bürgermeister werfen sie vor, er habe sie erst angehört, nachdem sie die ADD eingeschaltet hätten. Fragwürdig sei auch Gundackers Aussage, er habe nichts von der Schimmelproblematik gewusst, „obwohl er selbst ein Schreiben 2016 an die Schulleitung verfasst und unterzeichnet hat, in dem er versicherte, dass die notwendige Sanierung des Kellers bis zum Antritt der Schwerpunktschule, abgeschlossen sei“.
Zu den Vorwürfen sagte Gundacker, dass er das Thema „absolut nicht zögerlich“ angehe. „Mir geht die Gesundheit der Kinder über alles“, sagte er. An ihn sei zuvor niemand herangetreten, er sei erst durch eine Mail der ADD darauf aufmerksam geworden. Zuvor sei das Thema über das Bauamt gelaufen.
Gensch schickt acht Fragen
Am Montag hat sich zudem der Zweibrücker Landtagsabgeordnete Christoph Gensch (CDU) in die Diskussion eingeschaltet und Gundacker acht Fragen zu dem Thema geschickt. „Die Feuchtigkeitsprobleme sind seit 2007 bekannt und tauchten auch bereits im Jahr 2016 verschärft wieder auf“, schreibt er darin. Dennoch habe die Verbandsgemeinde im Juli gegenüber der ADD behauptet, eine Raumluftmessung habe 2007 keinen Schimmelbefall festgestellt. Er fragt zudem, was in früheren Jahren gegen den Schimmel getan wurde, stellt Fragen zu den jetzigen Maßnahmen und möchte wissen, was weiter geplant ist. Die Fragen werde das beantworten, teilte Bürgermeister Gundacker hierzu mit.