Worms Schüler übernehmen Toilettenaufsicht in Gymnasium
Irgendwann im Laufe des vergangenen Jahres hat es offenbar allen Beteiligten im wahrsten Sinne des Wortes endgültig gestunken: Wie es in einer Pressemitteilung heißt, waren sowohl die Wormser Stadtverwaltung als auch die Schulgemeinschaft des Gauß-Gymnasiums mit dem Zustand der sanitären Einrichtungen im Schulhaus häufig unzufrieden.
Die hygienischen Bedingungen der Toilettenanlage im Schulgebäude seien oft „ärgerlich“. Ohne auf weitere Einzelheiten einzugehen, heißt es, das sei „nicht selten“ den Nutzerinnern und Nutzern zuzuschreiben – nicht etwa dem zuständigen Wormser Immobilienmanagement.
Dauer von zunächst einem Jahr
Es gab also Handlungsbedarf, um diese Zustände zu ändern. Dafür entschlossen sich Stadtverwaltung, Schulleitung und Schüler zu einem neuen Weg: So richtete die Schulgemeinschaft des Gymnasiums seit dem 1. August vergangenen Jahres für die Dauer von zunächst einem Jahr eine Toilettenaufsicht ein, die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe selbst organisieren.
Bis vorerst 31. Juli ist geplant, die Toiletten der oberen Stockwerke nur in den großen Pausen zu öffnen. Oberstufenschüler erhalten Schlüssel dafür und führen während dieser Zeit Aufsicht. Nur im Erdgeschoss des insgesamt fünfstöckigen Gebäudes stehen die Schüler-WCs immer offen, sind also auch während der Unterrichtsstunden zugänglich. Auch dort sind in den Pausen Kontrollen vorgesehen.
Eltern um Spenden gebeten
Der Aufwand soll nicht gratis sein: Vielmehr soll die Oberstufe dafür eine finanzielle Unterstützung erhalten, die sie zweckgebunden für ihre Abschlussfeier verwenden kann. In einem Brief hat das Gauß-Gymnasium die Eltern aller Schülerinnen und Schüler gebeten, für dieses Projekt der Oberstufe einen kleinen Geldbetrag ihrer Wahl zu spenden. Der Schul-Förderverein verwaltet das Geld und soll es – einen Erfolg des Projekts vorausgesetzt – der MSS-Jahrgangsstufe als Beitrag zum Finanzieren ihrer Abiturfeier zur Verfügung stellen.
Ziel war es den Angaben zufolge, auf diese Weise mindestens 3000 Euro zusammen zu bekommen. Im laufenden Schuljahr spendeten die Eltern laut Gymnasium 2260 Euro. Das städtische Immobilienmanagement hat angekündigt, die Spendensumme um weitere 2000 Euro aufzustocken.
Mehr Sicherheit, weniger Reparaturen
Damit alles seine Ordnung hat, gibt es sogar eine offizielle Kooperationsvereinbarung mit der Stadt über die selbstorganisierte Toilettenaufsicht. Die Verwaltung hofft ihrer Mitteilung zufolge, so die Arbeitssicherheit ihrer eigenen Reinigungskräfte verbessern zu können. Darüber hinaus soll im Idealfall künftig weniger Reparaturaufwand für die sanitären Anlagen notwendig sein.
Der stellvertretende Bildungsdezernent Timo Horst spricht von einer Win-Win-Situation: „Schülerinnen und Schüler können Selbstwirksamkeit erleben, wenn sie die Erfahrung machen, dass sie durch eigene Initiative die Aufenthaltsqualität an ihrer Schule verbessern können.“ Dass sie sich dabei Geld für eine schöne Abschiedsfeier verdienen könnten, ist aus seiner Sicht ein zusätzlicher Anreiz.
Werte und Kompetenzen
Im Gauß-Gymnasium wiederum versprechen sie sich ein „angenehmeres Nutzererlebnis“ für alle Schülerinnen und Schüler. Laut Schulleiter Julian Kallmann möchte die Gemeinschaft des Gauß-Gymnasiums ihr Leitbild leben und den Schülerinnen und Schülern Werte und Kompetenzen vermitteln, die deren Blick für das Miteinander in ihrem Lebensumfeld schärfen. Eine Fortsetzung über den vorläufigen Stichtag 31. Juli hinaus scheint jedenfalls nicht ausgeschlossen. Die Koperationsvereinbarung mit der Stadt sieht ausdrücklich vor, dass im Erfolgsfall Folgevereinbarungen mit den nachfolgenden Schülerjahrgängen möglich sind. Das Wormser Gauß-Gymnasium besuchten im vergangenen Schuljahr rund 1200 Schülerinnen und Schüler.
Im vergangenen Oktober hatte der Gesamtelternbeirat der Frankenthaler Schulen die dortige Verwaltung dazu aufgefordert, dringend nötige Sanierungen der Schultoiletten in Angriff zu nehmen. Allerdings hatte die Stadt mit Verweis auf ihre Haushaltslage nur eine Sanierung „nach und nach“ in Aussicht gestellt.