Worms Prominente zu Besuch in der Nibelungenstadt

Referent: der Wormser Historiker Gerold Bönnen.
Referent: der Wormser Historiker Gerold Bönnen.

Am Mittwoch stellt Stadtarchivar Gerold Bönnen in einem Vortrag Prominente vor, die in Worms zu Gast waren. Was die Besucher erwartet, hat er Christina Eichhorn erzählt.

Herr Bönnen, im Laufe der Zeit waren Kaiser und Könige, Politiker, ja Menschen in allen Ämtern, aus allen Schichten in Worms. Worauf legen Sie den Schwerpunkt?
Schwerpunkt soll das 20. und 21. Jahrhundert sein, aber wir greifen auch weiter zurück. Es soll eine bunte Mischung sein, nicht allzu wissenschaftlich. Der eine oder andere nicht so geschichtsfeste Zuhörer soll Neues erfahren, aber vor allem soll der Vortrag kurzweilig und interessant sein. Ich habe auch ein paar Anekdoten ausgegraben, das ist klar. Damit das Publikum hier und da auch was zum Schmunzeln und Staunen hat.

Wo spannen Sie zeitlich und inhaltlich den Bogen?
Ich beginne im Hochmittelalter bei Friedrich Barbarossa, der für Worms sehr wichtig war. Er verlieh der Stadt Privilegien, Bürger- und Freiheitsrechte. Friedrich hatte nirgendwo residiert, wurde deshalb auch Reisekönig genannt, aber in Worms war er häufig und hat Hoftage abgehalten. Ich möchte die ganze Bandbreite aus Politik und Kultur abbilden, dafür picke ich mir so 20 bis 22 Persönlichkeiten heraus. Auf einzelne Personen will ich aber jeweils nur Schlaglichter werfen, also nicht zu sehr ins Detail gehen.

Greifen Sie dabei auf die Archive zurück?
Da gibt es sogar viel Material. Bei Staatshäuptern wie Kaiser Wilhelm II. musste ja alles perfekt organisiert sein – und mitunter ist manchmal auch was nicht so toll gelaufen. Da gibt es schon einiges an Futter. Oder Großherzog Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt. Unser damaliger Landesherr war oft in Worms zu Besuch. Das Programm ist sehr detailliert, vom roten Teppich bis zum Spalier stehen. Da gibt es sehr gute und viele Quellen.

Haben Sie bei den Gästen aus jüngerer Zeit auch auf Augen- und Ohrenzeugen zurückgreifen können?
Nein, das wäre zu aufwendig, ich konzentriere mich auf Material in Archiven und aus den Medien. Zudem sind Zeitzeugen auch eine unsichere Quelle, insbesondere wenn viel Zeit vergangen ist. Fragen Sie beispielsweise einen Mann, welche Bluse seine Frau zum Frühstück getragen hat. Er weiß es meist nicht.

Gerade durch die Nibelungen-Festspiele oder „Jazz and Joy“ waren ja viele Promis in Worms.
Ja, natürlich werden auch Künstler erwähnt wie Bob Dylan und natürlich Terence Hill, der 2018 „seine“ Brücke in Worms besuchte, die Bürger nach ihm benennen wollten.

Was hat Ihnen bei der Vorbereitung am meisten Spaß gemacht?
Interessante Geschichten im Hintergrund auszugraben. Zum Beispiel 1971 beim Besuch von Bundespräsident Gustav Heinemann. Auf einem Foto am Bahnhof war ein zehnjähriger Junge abgebildet, den Heinemann freundlich begrüßte. Wir haben diesen Jungen ausfindig gemacht, und er hat seine Erinnerungen berichtet. Heinemann war ja sehr bürgernah. Insbesondere bekannt ist seine Antwort auf die Frage, ob er sein Land liebt. Heinemann antwortete: „Ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau.“

Termin und Zur Person

„In Worms zu Gast: Prominente zu Besuch in der Nibelungenstadt“, Mittwoch, 17. September, 18.30 Uhr, in der Stadtbibliothek im Haus zur Münze am Neumarkt. Der Eintritt ist frei.
Der 61-jährige Historiker Gerold Bönnen leitet in Worms das Stadtarchiv und das Jüdische Museum. Er studierte in Trier, ist Geschäftsführer des Wormser Altertumsvereins und Honorarprofessor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg.

Der erste „Promi“: Friedrich Barbarossa.
Der erste »Promi«: Friedrich Barbarossa.
Vor 21 Jahren bei „Jazz and Joy“: Bob Dylan.
Vor 21 Jahren bei »Jazz and Joy«: Bob Dylan.
Besuchte vor sieben Jahren „seine“ Brücke: Terence Hill.
Besuchte vor sieben Jahren »seine« Brücke: Terence Hill.
1971 zu Gast: Bundespräsident Gustav Heinemann.
1971 zu Gast: Bundespräsident Gustav Heinemann.
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